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FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner kündigt Online-Flatrate an

FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
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FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
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Überdrehte Preisschraube? FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner hinterfragt die Strategie vieler Verlage, die Vertriebserlöse wegen sinkender Auflagen durch stetig steigende Copy- und Abopreise zu sichern – und kündigt für die FAZ ein neues digitales Produkt- und Pricing-Modell an.

Mit den regelmäßigen Erhöhungen der Verkaufspreise "bauen wir Markteintrittsbarrieren für andere Medien ab – und für neue Nutzer auf", sagte Lindner auf dem Distribution Summit des VDZ in Hamburg: "Diese Strategie funktioniert nicht auf Dauer."

Allerdings machen viele Häuser damit nach wie vor gute Umsatzerfahrungen – vor allem jene mit hohen Abo-Haltbarkeiten, da Bestandsleser als weniger preissensibel gelten als potenzielle Neuleser. Für Titel dagegen mit hohen Abgängen und entsprechender Dringlichkeit, immer neue Abos zu gewinnen, könnte die Preisschraube irgendwann einmal an ihr Ende gedreht sein. Ein Digitalabo der FAZ/FAS kostet stolze 46,90 Euro pro Monat, in Print 71,90 Euro. "Wir müssen uns diesem Thema mit Innovationskraft und vielleicht auch Brüchen zuwenden", sagt Lindner.

Und kündigt für die FAZ für 2019 ein neues digitales Produkt- und Pricing-Modell an. In einem ersten Schritt wollen die Frankfurter die Anzahl der Bezahlstücke auf FAZ.net "nochmals signifikant erhöhen". Zugleich soll es eine neue Online-Flatrate geben, "die diese Paywall wiederum neutralisiert". In dieses Pauschalpaket sollen zu ungefähr je einem Viertel Inhalte aus der gedruckten FAZ, der FAS, der FAZ Woche und aus dem Edelmagazin Quarterly einfließen – im Wochen-Abo. Hinzu kommt das gesamte Angebot der FAZ-Online-Redaktion als Stream. "So wollen wir ein Einstiegsprodukt für jüngere und preissensible Nutzer etablieren", sagt Lindner.

Ist das die FAZ der Zukunft? Oder doch die abgeschlossene, digitale Zeitung in der App sein? "Das weiß noch niemand, und das kann noch niemand wissen." Wichtig seien neue Ansätze und Versuche. Lindner: "Wir alle entwickeln in bester Silicon-Valley-Trial-and-Error-Manier neue digitale Angebot, Produkte und Preismodelle. Noch dauert es länger, als es sollte. Noch haben wir es nicht geschafft – aber die Technologie kommt uns entgegen." rp




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