Digitale Transformation

Wachsende Unzufriedenheit mit Digitalisierungsgrad

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Die Unzufriedenheit mit der schlependen Digitalisierung der Verwaltung ist deutlich gestiegen.
© FDP/Screenshot
Die Unzufriedenheit mit der schlependen Digitalisierung der Verwaltung ist deutlich gestiegen.
Die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der schleppenden Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist nach einer Umfrage in der Corona-Pandemie deutlich gewachsen. 94 Prozent der Bürger spürten "gravierende Defizite", heißt es in dem heute veröffentlichten Digitalisierungsmonitor, den das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion erstellt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs von 12 Prozentpunkten.
Top-fünf-Wünsche sind der repräsentativen Umfrage zufolge ein zentrales Online-Verwaltungsportal, die digitale Beantragung von Reisepass und Personalausweis, die digitale An- und Abmeldung des Wohnsitzes, ein "Bürger-Account" für Datenaustausch und eine digitale Brieftasche für Urkunden und Dokumente ("Wallet").

Fast neun von zehn Deutschen (88 Prozent) haben demnach den Eindruck, dass die Politik zu wenig tut, um die Bevölkerung auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Im Vorjahr waren es 84 Prozent. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Internetnutzer ist mit Online-Dienstleistungen der Behörden nicht so zufrieden oder unzufrieden. Im Vorjahr waren es 44 Prozent.

Die Bereitschaft zur Nutzung ist gegeben: 86 Prozent der Menschen planen, künftig Online-Dienstleistungen der Behörden zu nutzen, unabhängig davon, ob sie damit bereits Erfahrung haben oder nicht. Fast zwei Drittel der Bürger (63 Prozent) glauben aber, dass erst in zehn Jahren oder noch später ein Großteil der Verwaltungsanliegen vollständig online zu erledigen sein wird.
Digitalisierungsmonitor 2021
Für den Digitalisierungsmonitor 2021 befragte Forsa im Auftrag der FDP-Fraktion insgesamt 1006 Bürger ab 18 Jahren, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden. Die Erhebung wurde mithilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt. Die ermittelten Ergebnisse können nach diesen Angaben mit den bei allen Stichprobenerhebungen möglichen Fehlertoleranzen (im vorliegenden Fall +/- 3 Prozentpunkte) auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übertragen werden.
"Die Corona-Pandemie hat die Defizite wie durch ein Brennglas offengelegt", sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann, der Deutschen Presse-Agentur. "Der Auftrag für die nächste Bundesregierung ist klar: Sie muss dringend das Digitalchaos, dass die große Koalition hinterlassen wird, aufräumen und den Digitalisierungsturbo zünden." Er bekräftigte die Forderung nach einem Digitalministerium. Zudem müsse eine universelle "Deutschland-App" sämtliche Behördengänge unkompliziert möglich machen.

Der Leiter der Politik- und Sozialforschung von Forsa, Peter Matuschek, erklärte: "Zum vierten Mal in Folge zeigen die Daten klar: Die Offenheit der Bürger für die Digitalisierung ist ungebrochen hoch, sie stellen der Politik aber ein schlechtes Zeugnis bei der Umsetzung aus." Der Digitalisierungsmonitor wird seit 2018 im jährlichen Abstand erhoben.
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