Deutscher Medienkongress

Wie packen's die Medienhäuser, Herr Bayer?

Axel-Springer-Vorstand Jan Bayer betont die Bedeutung der freien Presse für die Demokratie
© Axel Springer
Axel-Springer-Vorstand Jan Bayer betont die Bedeutung der freien Presse für die Demokratie
Auflagenschwund, Online-Konkurrenz und Fake-News: Die Medienindustrie stand noch nie vor größeren Herausforderungen. Wie Jan Bayer sie anpackt, wird der Axel-Springer-Vorstand beim Deutschen Medienkongress 2019 verraten. Sein Appell: Vergesst die Bedürfnisse Eurer Leser nicht! Wo der Qualitätsjournalismus in der polarisierten Gesellschaft steht, darüber diskutieren zudem Roger Köppel (Die Weltwoche), Georg Mascolo (NDR/WDR/Süddeutsche Zeitung) und Christian Krug (Stern). 
"Agenda für True Media" – unter diesem Motto haben Axel Springer, Bauer, Burda, Funke und Gruner + Jahr eine Gattungsoffensive gestartet, mit der sie ihre Position im Werbemarkt stabilisieren wollen. Der Handlungsbedarf ist groß: Immer mehr Werbegelder fließen in Richtung Google und Facebook ab. Daher rufen die Verlage zum Umdenken auf und betonen, dass Anzeigen in journalistischen Umfeldern nachhaltiger wirken – gerade in Zeiten von Fake-News und Hassbotschaften. Und sie erinnern daran, wie wichtig eine vielfältige, freie Presse für die Demokratie ist: "Wir müssen alles dafür tun, dass wir Vielfalt und Wettbewerb des Angebots und der Meinungen stärken", sagt Jan Bayer, Vorstand News Media bei Axel Springer. "Der Anspruch aller journalistischen Produkte muss sein, einen Beitrag zur freiheitlichen Meinungsbildung zu leisten."
„Wir müssen alles dafür tun, dass wir Vielfalt und Wettbewerb des Angebots und der Meinungen stärken.“
Jan Bayer, Axel Springer
Bayer blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Verlagsgeschäft zurück, er führt mehr als 100 Markenfamilien in über 30 Ländern, darunter Bild und Welt in Deutschland, Politico Europe in Brüssel und Business Insider in den Vereinigten Staaten. Er weiß, wie wichtig Qualitätsjournalismus ist, aber auch, dass er kein Garant für das wirtschaftliche Überleben der Medienhäuser ist. Kluge Strategien müssen her, um überlebensfähig zu bleiben. Unter dem Titel "Zurück in die Zukunft" wird Bayer in Frankfurt die Herausforderungen der Medienindustrie analysieren und erklären, wie man sich wieder stärker auf die Bedürfnisse der Leser einstellen kann – eine Keynote, die mit Spannung erwartet wird.
Roger Köppel ist nicht nur in Talkshows für klare Worte bekannt
© Die Weltwoche
Roger Köppel ist nicht nur in Talkshows für klare Worte bekannt
Auch darüber hinaus ist der Status Quo von Medien und Journalismus eines der herausragenden Themen beim Deutschen Medienkongress. Über "Medien in der polarisierten Welt" wird unter anderem ein Mann diskutieren, der als liebstes Hobby "die Zertrümmerung populärer Irrtümer" nennt: Roger Köppel, seit 2006 Chefredaktor und Verleger der Wochenzeitung Die Weltwoche in Zürich. Der 53-Jährige, seit 2015 für die Schweizerische Volkspartei (SVP) im Schweizer Nationalrat, ist auch in Deutschland als streitbarer Gast in Talkshows – unter anderem zur Flüchtlingsdebatte - einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Auch in Frankfurt darf man von ihm Klartext erwarten.
Ex-Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo ist heute auch als Terrorismusexperte für die ARD im Einsatz
© NDR/Christian Spielmann
Ex-Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo ist heute auch als Terrorismusexperte für die ARD im Einsatz
"Versagt die Medienelite?" – diese Frage wird immer lauter angesichts einer erstaunlichen Schieflage: Auf der einen Seite sorgen die Qualitätsmedien mit investigativem Journalismus dafür, dass gesellschaftliche Missstände ans Licht kommen, ob Cum-Ex-Geschäfte oder krumme Deals im Fußball. Auf der anderen würdigt ein großer Teil der Bürger diese Leistungen nicht mehr und entzieht der vermeintlichen "Lügenpresse" ihr Vertrauen. Was ist da los? Verstehen die Redaktionen ihre Leser nicht mehr? Darüber sprechen beim Deutschen Medienkongress unter anderem zwei gestandene Profis: Stern-Chefredakteur Christian Krug und Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Sie macht nach den "Panama Papers" und den "Paradise Papers" gerade wieder mit einer Enthüllungsgeschichte Furore: den "Implant Files" über fehlerhafte Medizinprodukte. Gut möglich, dass Mascolos  Team im Januar schon wieder einen neuen "Scoop" gelandet hat – oder auch der Stern: "Es ist und bleibt die Aufgabe von Reportern, Stoff für die Debatten der Zeit zu liefern", sagt Krug. kj 


Deutscher Medienkongress 2019
Der 11. Deutsche Medienkongress findet am 22. und 23. Januar 2019 in der Alten Oper Frankfurt statt. Das zweitägige Branchentreffen liefert News, Trends und Inspiration von Unternehmenslenkern, Querdenkern und kreativen Köpfen aus Unternehmen, Medien und Agenturen. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2018. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses. Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1399 Euro. Frühbucher-Tickets sind bis zum 31. Dezember zum reduzierten Preis von 899 Euro erhältlich. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2019 sind HORIZONT und dfv Conference Group.

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