Deutscher Medienkongress

So arbeiten wir morgen

Ulrike Handel: „Wir möchten die Eigenverantwortung bei unseren Mitarbeitern fördern“
© Dentsu Aegis Network
Ulrike Handel: „Wir möchten die Eigenverantwortung bei unseren Mitarbeitern fördern“
Freier, flexibler, weiblicher – immer mehr Unternehmen krempeln ihre Führungskultur um und sind damit sehr erfolgreich. Aber wie leitet man den Wandel ein? Wie verändert man Strukturen? Und wie nimmt man das Team mit? Das verraten Expertinnen beim Deutschen Medienkongress 2020.

Ulrike Handel, Deutschland-CEO des Dentsu Aegis Network, entschied sich im September 2017 für einen mutigen Schritt: Alle rund 1000 Mitarbeiter der Mediagruppe können seitdem ihren Arbeitsplatz frei wählen und ihre Arbeitszeit flexibel und standortunabhängig organisieren. „Wir möchten die Eigenverantwortung bei unseren Mitarbeitern fördern, indem wir Freiräume schaffen“, so die promovierte Medienwissenschaftlerin. Gleichzeitig ermutigt sie alle Mitarbeiter, kreativ zu denken und macht sich für Diversität und Inklusion stark.



Im Netzwerk weht daher viel frischer Wind. „AdAge“ listete Handel 2018 als einzige Deutsche unter den „20 Women To Watch“ in Europa. Neben der Einführung eines „digital-first mindset“ in der Agenturgruppe würdigte das amerikanische Fachmagazin ausdrücklich den gesamten Kulturwandel, den die neue Chefin vorantreibt.

Auch Kim Alexandra Notz ist leidenschaftliche Verfechterin einer Führungskultur, die auf Vertrauen und Partizipation basiert. Seit 2018 ist sie als Managing Director und Gesellschafterin für die Weiterentwicklung der Hamburger Agenturgruppe KNSKB+ verantwortlich. „In der Vergangenheit waren Agenturen darauf geeicht, eine möglichst effizient funktionierende Maschinerie aufzubauen, in der jeder seinen festen Platz hat“, sagt Notz in einem HORIZONT-Interview. „Die Herausforderungen, vor denen die Unternehmen heute stehen, verlangen aber nach agilen, fluiden Strukturen.“


Diese einzuführen, erfordere einiges an Kraft: „Wenn sich jetzt bei jedem Projekt die Zusammensetzung der Teams ändert und immer wieder neu definiert wird, wer sinnvollerweise den Hut aufhat, ist das natürlich erst einmal anstrengend“, so Notz. Das Schöne sei aber: „Es funktioniert und führt tatsächlich zu besseren Ergebnissen!“
Kim Alexandra Notz: „Die Herausforderungen, vor denen Unternehmen stehen, verlangen nach agilen, fluiden Strukturen.“
© KNSKB+
Kim Alexandra Notz: „Die Herausforderungen, vor denen Unternehmen stehen, verlangen nach agilen, fluiden Strukturen.“
Handel und Notz werden in Frankfurt über neue und innovative Arbeitsmethoden diskutieren. Ebenfalls in der Runde: die umtriebige Unternehmerin Wiebke Köhler. Sie besetzte sieben Jahre lang als Headhunterin Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bei weltweiten Konzernen und begleitete Unternehmen bei der kulturellen Transformation, bis sie im Januar 2018 Personal-Vorständin beim Axa-Konzern wurde. Heute leitet Köhler ihr eigenes Unternehmen, die impactWunder Strategieberatung. Und sie hat ihre persönlichen Erfahrungen in einem Buch mit einem vielsagenden Titel zusammengefasst: „Schach der Dame! Was Frau (und Mann) über Machtspiele im Management wissen sollte“. Diese Spiele, so Köhler, seien von Männern gemacht, weshalb Frauen sie oft nicht erkennen. „Ich glaube, dass Frauen das oft zu spät verstehen und durch ihren Anspruch, fleißig zu sein und mit guter Leistung aufzufallen, an falscher Stelle Zeit investieren“, so Köhler kürzlich in einem Zeit-Interview. „Der Intrigensensor fehlt, weil ein Großteil der Arbeitsleistung von Frauen in Teambuilding und Inhalte fließt.
Wiebke Köhler: "Frauen fehlt der Intrigensensor"
© impactWunder
Wiebke Köhler: "Frauen fehlt der Intrigensensor"
Aber wie findet man überhaupt neue Talente für sein Unternehmen und bindet sie? Darüber wird Tijen Onaran berichten, Gründerin von Global Digital Women. Das internationale Netzwerk von Gestalterinnen der Digitalbranche setzt sich für mehr Sichtbarkeit und Empowerment für Frauen ein und berät in Diversitätsfragen. Onaran interviewt zudem Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft für den Podcast „How to Hack“ von Business Punk und arbeitet als Autorin. Anfang des Jahres erschien ihr vielbeachtetes Buch „Die Netzwerkbibel: Zehn Gebote für erfolgreiches Networking“. „Netzwerke machen die Leistungen von Frauen sichtbarer“, sagt sie in der Süddeutschen Zeitung. „Sie sind oft sehr gut in ihrem Job, aber niemand bekommt es mit.“

Weil sich Arbeitsorganisation und Führungskultur derzeit in vielen Unternehmen dramatisch verändern, setzt der Deutsche Medienkongress mit der FUTURE OF WORK STAGE einen besonderen Akzent. Die Moderatorin Eva-Maria Schmidt, Stellvertretende Chefredakteurin von HORIZONT, wird hier neben Handel, Notz, Köhler und Onaran weitere spannende Gäste begrüßen.
Tijen Onaran: „Netzwerke machen die Leistungen von Frauen sichtbarer“
© Tijen Onaran
Tijen Onaran: „Netzwerke machen die Leistungen von Frauen sichtbarer“

DMK 2020
Der 12. Deutsche Medienkongress findet am 29. und 30. Januar 2020 in der Alten Oper Frankfurt statt. Das zweitägige Branchentreffen liefert News, Trends und Inspiration von Unternehmenslenkern, Querdenkern und kreativen Köpfen aus Unternehmen, Medien und Agenturen. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2019. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses. Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 999 Euro (zzgl. Mwst.). Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2020 sind HORIZONT und dfv Conference Group.

 

 

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