Details zur Brinkbäumer-Abberufung

So baut Geschäftsführer Thomas Hass den Spiegel um

Thomas Hass baut den Spiegel um
© Der Spiegel
Thomas Hass baut den Spiegel um
Jetzt ist es offiziell: Der Spiegel bekommt eine neue Chefredaktion - und in der wird wie bereits gemeldet  der aktuelle Manager-Magazin-Chef Steffen Klusmann eine entscheidende Rolle spielen. Doch das, was gerade im Spiegel-Verlagsgebäude an der Hamburger Ericusspitze passiert, ist weit mehr als die Ablösung eines Chefredakteurs. Geschäftsführer Thomas Hass baut die gesamte Chefetage der Medienmarke um.

Die Gerüchte von der bevorstehenden Ablösung von Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, die sich am Mittwochmittag wie ein Lauffeuer verbreiteten, sind nun keine Gerüchte mehr, sondern Fakt. Der Spiegel-Verlag bestätigt inzwischen, dass Brinkbäumers Zeit als Chefredakteur abgelaufen ist. "Wir haben vertrauensvoll und erfolgreich zusammengearbeitet, den Umbau des Spiegel-Verlags in den vergangenen drei Jahren haben wir gemeinsam vorangetrieben. Am Ende hatten wir unterschiedliche Auffassungen davon, wie die Spiegel-Redaktionen zusammenzuführen sind", begründet Geschäftsführer Hass die Abberufung des Journalisten, dem er für sein Engagement "sehr" dankt und mit dem nun Gespräche über eine neue Aufgabe beim Spiegel geführt werden sollen. 



Steffen Klusmann wird Spiegel-Chefredakteur
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Steffen Klusmann wird Spiegel-Chefredakteur
Mit der Abberufung Brinkbäumers wird sich auch die Organisation in der Chefredaktion ändern. Diese soll ab Januar 2019 vor dem Hintergrund der Verschmelzung von Print und Online nämlich als sogenannte Team-Chefredaktion auftreten und der dann zusammengeführten Redaktion von Spiegel und Spiegel Online vorstehen. Die Chefredaktion solle sich "formieren als ein Team, das die Aufgaben nach fachlichen und funktionalen Aspekten aufteilt, nicht mehr nach Medienkanälen", heißt es in einer Ankündigung. Neben dem 52-jährigen Klusmann werden Spiegel-Online-Chefredakteurin Barbara Hans, 37, und der aktuell in Paris tätige Spiegel-Reporter Ullrich Fichtner, 53, dem Gremium angehören. Auch wenn Klusmann als "Vorsitzender" des Teams geführt wird, sollen die drei Chefredakteure als gleichberechtigte Partner agieren. Klusmann ist aber im Fall der Fälle offenbar der, der den Kopf hinhalten muss. 

Hass ist davon überzeugt, dass das Team harmonieren und den Titel voranbringen wird. "Ullrich Fichtner, Barbara Hans und Steffen Klusmann werden ein starkes Team sein. Sie werden die großen Chancen nutzen, die eine neue Zusammenarbeit von Print und Online bietet, und so maßgeblich dazu beitragen, den Spiegel  als Leitmarke für exzellenten, unabhängigen, investigativen Journalismus in Deutschland zu stärken", sagt Hass. 


Doch bis die Neuen Anfang 2019 so richtig loslegen, werden freilich noch ein paar Monate ins Land gehen. In der Übergangszeit sollen es die Altgedienten richten. So sollen Spiegel und Spiegel Online bis zum Jahreswechsel von den amtierenden Chefredaktionen produziert werden. Barbara Hans wird daher in den kommenden Monaten nicht nur die Integration von Print und Online mit vorbereiten, sondern auch den Hut bei Spiegel Online aufbehalten dürfen. Beim gedruckten Spiegel dürften vor allem die bisherigen Stellvertreter Brinkbäumers, also Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit und Dirk Weinzierl, gefordert sein. Ob Brinkbäumer bei der Blattproduktion weiter mitwirkt, ist unklar und soll Gegenstand der noch zu führenden Gespräche sein. 

Bemerkenswert ist, dass die Chefredaktion künftig der Unternehmensleitung angehören wird, die ebenfalls neu aufgestellt wird.  Neben Hass gehören zukünftig auch Personalchef Felix Blum, Kommunikationschefin Anja zum Hingst und Stefan Ottlitz (ehemals Plöchinger), Leiter der Produktentwicklung, dem obersten Führungsgremium an. Mit der neuen 
Organisation will Hass die Voraussetzungen für eine grundlegende Reform des Spiegel schaffen. So soll die neue Team-Chefredaktion künftig eng mit dem Verlag an den Transformationsthemen arbeiten und das Haus für die Zukunft rüsten.

"Was uns seit 72 Jahren stark macht, ist unsere Unabhängigkeit. Für deren Erhalt müssen sich Chefredaktion und Geschäftsführung gemeinsam engagieren", sagt Hass. Die neue Organisation werde dem Medienhaus dabei helfen, den "Erfolg von Spiegel+ weiter auszubauen, überzeugende neue Angebote zu entwickeln, neue Erlöse zu erwirtschaften und insgesamt unternehmerisch erfolgreich zu sein". mas

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