Deloitte-Studie

So könnte die TV- und Videolandschaft im Jahr 2030 aussehen

Video-on-Demand-Dienste wie Netflix sind weiter auf dem Vormarsch
© Netflix
Video-on-Demand-Dienste wie Netflix sind weiter auf dem Vormarsch
Video-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime Video und Youtube haben die Art und Weise, wie wir Fernsehen konsumieren, grundlegend verändert. Die 25-jährigen Zuschauer schauen bereits häufiger Inhalte on Demand als im linearen Fernsehen. Doch wie könnte die Branche im Jahr 2030 aussehen? Das Beratungsunternehmen Deloitte wagt einen Blick und die Zukunft und hat vier mögliche Szenarien aufgestellt.
Der zunehmende TV-Konsum über Online-Plattform ist nicht neu, hat aber zuletzt noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Vor allem junge Nutzer schauen zunehmend online fern. Bei den jungen Zuschauern unter 30 hat VoD das lineare TV bereits abgehängt. Das geht aus dem Digitalisierungsbericht Video der Landesmedienanstalten hervor, der vergangene Woche vorgestellt wurde

"Vor allem On-Demand-Videos haben das Verbraucherverhalten radikal verändert", bestätigt Klaus Böhm, Leiter des Bereichs Media & Entertainment bei Deloitte. "Konsumenten erwarten, dass relevante und attraktive TV- und Videoinhalte jederzeit und überall abrufbar sind – und zwar in dem Format, das ihren aktuellen Bedürfnissen am besten entspricht." 

„Der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit der heute etablierten Sender und Content-Produzenten ist der Ausbau der Digitalkompetenzen.“
Alexander Mogg
Aktuell scheinen Video-on-Demand-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime Video diesem Bedürfnis am ehesten gerecht zu werden. Die großen Sender bauen ihre Mediatheken unterdessen weiter aus, um den internationalen Plattformen Paroli zu bieten. Im Juni hatten Pro Sieben Sat 1 und Discovery Communications angekündigt, gemeinsam eine große deutsche Streamingplattform aufzubauen, die auch anderen Sendern offensteht.

Doch wer behält in diesem Kampf um die Vorherrschaft auf dem Fernsehschirme die Oberhand? Die meist international agierenden digitalen Plattformen wie Netflix und Youtube oder die klassischen Sender? Da sich der Markt schnell verändert, sind Prognosen schwierig. "Deshalb haben wir für die Deloitte-Studie zu den Zukunftsszenarien für die TV- und Video-Branche 2030 einen ganzheitlichen Ansatz gewählt und blicken mithilfe eines Szenariodesigns über den üblichen Planungshorizont von drei bis fünf Jahren hinaus", erklärt Böhm. In den vier Zukunftsszenarien steht jeweils ein anderer prägender Akteur im Mittelpunkt: 

Universal Supermarket

In diesem Szenario dominieren die großen digitalen Plattformen den globalen Markt in allen Teilen der Wertschöpfungskette. Sie sind Content-Produzenten, -Besitzer und -Distributoren. Die TV-Sender spielen nur noch eine Rolle bei der Produktion von nationalen Inhalten, an der Distribution sind sie nicht beteiligt. Die Verbraucher haben eine große Auswahl an globalen und nationalen Inhalten, Unterschiede zwischen den Anbietern gibt es nur noch bei einigen exklusiven Produktionen und Sportrechten – wie in den großen Supermärkten, wo sich die einzelnen Anbieter auch nur noch durch Details unterscheiden. 

Content Endgame

Die über 20 Jahre alte Prophezeiung von Microsoft-Gründer Bill Gates wird wahr: "Content is King". Die großen Gewinner dieses Szenarios sind die Content-Besitzer. Die Rolle der digitalen Plattformen hat einen fundamentalen Wandel durchlaufen. Sie dienen fast ausschließlich der Distribution, allerdings zahlen die Verbraucher nicht mehr für einen bestimmten Anbieter, sondern direkt für die Inhalte, die sie sehen wollen. Insgesamt hat sich die Vielfalt des Contents verringert, die Qualität der globalen Angebote erreicht dagegen neue Dimensionen. 

Revenge of the Broadcasters

Die TV-Sender haben die Digitalisierung gemeistert und sind in der Lage, großflächig On-Demand-Inhalte anzubieten und die Verbraucher mit smarten Empfehlungen zu versorgen. Neben den Sendern haben auch die digitalen Plattformen weiterhin ihren Platz am Markt. Während sich Erstere auf lokale Inhalte mit hoher Qualität konzentrieren, liefern die Plattformen internationale Produktionen und Blockbuster. Verbraucher genießen ein reichhaltiges Content-Angebot und können zwischen linearen und On-Demand-Formaten wählen.

Lost in Diversity

Der TV- und Videomarkt hat sich zu einem ausdifferenzierten Ökosystem ohne dominanten Akteur entwickelt. Konsumenten werden von zahlreichen, verschiedenen Plattformen mit einer entsprechend großen Content-Vielfalt bedient. Mangelnde Loyalität der Nutzer treibt die Anbieter in einen harten Überlebenskampf. 

Ein Schlüssel zum Erfolg ist aus Sicht der Studienautoren die Technologiekompetenz der Anbieter: "Der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit der heute etablierten Sender und Content-Produzenten ist der Ausbau der Digitalkompetenzen", macht Alexander Mogg, Partner und Medienexperte bei Deloitte, deutlich. "Technologie ist zu einem Kernelement ihrer Geschäftsmodelle geworden. Für die Konsumenten geht es in erster Linie um attraktive Inhalte, doch um diese in einer digitalisierten Zeit zu produzieren und mit ihnen am Ende auch die Kunden zu erreichen, sind erstklassige technologische Angebote unerlässlich." Die gesamte Studie kann auf der Website von Deloitte heruntergeladen werden. dh


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