Datenschutz

Bitkom zieht gemischte DSGVO-Jahresbilanz

Die DSGVO wurde vor knapp einem Jahr eingeführt
© Fotolia / Tomasz Zajda
Die DSGVO wurde vor knapp einem Jahr eingeführt
Seit fast einem Jahr gilt die EU-Datenschutz-Grundverordnung. Unternehmen und Organisation haben dadurch unter anderem erweiterte Informationspflichten, müssen Verarbeitungsverzeichnisse für Personendaten erstellen sowie Datenschutz schon in Produktionsprozessen berücksichtigen. Der Digitalverband Bitkom hat sich ein  Jahr nach der Einführung bei den Unternehmen umgehört - und zieht eine gemischte Bilanz.

Wie der Verband mitteilt, habe die DSGVO positive Effekte auf die Wirtschaft gehabt, es herrsche aber noch immer großer Nachbesserungsbedarf. "Auf der Haben-Seite stehen erstmals EU-weit einheitliche Datenschutzregeln. Mit der DSGVO hat die EU zudem eine internationale Strahlwirkung erzeugt. Globale Konzerne orientieren sich ebenso daran wie wichtige Handelspartner", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Der Bitkom hatte 606 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten telefonisch befragt.



Problematisch sei laut Bitkom die praktische Auslegung der DSGVO: "Mitgliedsstaaten, Datenschutzbehörden und Unternehmen – sie alle interpretieren die Verordnung noch unterschiedlich", so Berg. "Problematisch für die Wirtschaft ist vor allem, dass die DSGVO keinen Unterschied zwischen einem globalen Konzern und einem Kiez-Handwerker macht. Tatsächlich profitieren große Anbieter sogar stärker von dem einheitlichen Rechtsrahmen als kleinere und mittlere Unternehmen, bei denen der Verwaltungsaufwand stärker zu Buche schlägt", so Berg.

Drei von vier Unternehmen (74 Prozent) betrachten zudem die Datenschutzanforderungen als die größte Hürde beim Einsatz neuer Technologien. Im Vorjahr sagten dies erst rund zwei Drittel (63 Prozent), im Jahr 2017 nicht einmal die Hälfte (45 Prozent). "Datenschutzregeln dürfen nicht dazu führen, dass Unternehmen technologisch zurückfallen", so Berg. "Letztlich geht es darum, die richtige Balance zwischen Datenschutz einerseits und innovativen, datenbasierten Anwendungen andererseits zu finden." ron


stats