Condé Nast

Wie CEO Jessica Peppel-Schulz den Verlag wieder auf Wachstumskurs bringen will

Jessica Peppel-Schulz
© Gert Krautbauer
Jessica Peppel-Schulz
Lange war es ruhig um Condé Nast, und was das Thema Digitalisierung angeht, so scheint das Münchner Verlagshaus die letzten Jahre sowieso im Dornröschenschlaf verbracht zu haben. Jessica Peppel-Schulz ist im April angetreten, um das angestaubte Medienunternehmen wachzuküssen. In München stellte die CEO am Dienstag die neue Wachstumsstrategie vor.
Die Aufgabe, so sagt sie selbst: "Einen Verlag aus der Vergangenheit in die Zukunft zu führen." Ja, vielleicht sogar erst einmal in die Gegenwart. "Back in a steady Position", so lautet der erste Schritt im 5-Jahresplan. Condé Nast verfügt mit Vogue, GQ, AD und Glamour über starke Marken, fast gänzlich printbasiert allerdings, zumindest laufen Print und Digital bis dato redaktionell und in der Vermarktung völlig getrennt. 80 Prozent der Umsätze hat Condé Nast bislang mit Print generiert, und die Umsätze gingen in den letzten Jahren rasant zurück. Neue Erlösfelder aufzubauen hatte man viel zu lange versäumt. "Print wächst nicht mehr und Digital konnte nicht wachsen, da man in Silos und nicht vernetzt agierte", so die neue CEO, die nicht nur die Marken, sondern auch die Unternehmenskulturen und die Menschen vernetzen will.


Nun also der 5-Jahresplan. Dieser soll gleichermaßen wirtschaftlich wie strategisch sein. Das heißt, man spart zum einen – im ersten Schritt werden 15 Stellen abgebaut, unter anderem die von GQ-Chefredakteur Tom Junkersdorf, dessen Abgang Ende September bekannt wurde. Durch Zusammenlegen von Digital und Print zu modernen Medienmarken sollen aber auch Synergien entstehen. "Wir haben allein 180 Maßnahmen definiert, um uns in eine wirtschaftlich bessere Ausgangsposition zu bringen", erzählt Peppel-Schulz. Im gleichen Schritt soll investiert werden. In die vier Medienmarken natürlich: "Wir setzen auf ein ganzheitliches Brandmanagement – 360 Grad – mit radikalem Kundenfokus, um unsere starken Marken Vogue, AD, GQ und Glamour optimal über alle Kanäle zu monetarisieren", so die CEO.

Christiane Arp (Vogue), Oliver Jahn (AD) und Andrea Ketterer (Glamour) stehen den holistischen Medienmarken aus Print, Digital und Event vor, für GQ wird ein Nachfolger für Junkersdorf gesucht. Ein weiterer Managerposten ist zu besetzen: Der eines Chief Business Officers. Sein Business ist die neu gegründete CNX. Die Full-Service-Kreativberatung soll aus der bestehenden Manufaktur erwachsen, die in der Vergangenheit Content-Projekte für Kunden wie Bucherer und Danone umgesetzt hat. Dieser B2B-Bereich soll massiv aufgebaut werden. "CNX soll B2B-Services wie Brand Consulting, Campaigning, Content Solutions sowie Events zu einem Full-Service-Angebot für Luxus und Lifestyle-Marken verbinden", sagt Peppel-Schulz. Die neue Unit soll aber auch die Vermarktung der eigenen Marken übernehmen. Das Ziel: Die Marken sollen über die gesamte Customer Journey monetarisiert werden. Die umfasst neben dem Print-Content und Digital, auch den Bereich Experience. Das Geschäftsfeld, zu dem die "Glamour Shopping Week" zählt, soll erweitert werden. Auf weitere Städte ausdehnen will Condé Nast auch Konzepte wie "AD House of Crafts", bei dem das Architekturmagazin im September gutes Handwerk und seine Macher vorgestellt hat. Geplant ist unter anderem eine AD Trendsafari nach London.


Die Umstrukturierungen sowie den Aufbau von CNX will der Verlag bis zum Ende des ersten Quartals 2020 umgesetzt haben. Die Erlöse lassen dann noch etwas auf sich warten. "Es ist klar, dass wir jetzt erst einmal investieren müssen, um uns zukunftsfähig aufzustellen", sagt Peppel-Schulz, die den Break-Even für ein profitables Medienhaus auf 2023 angesetzt hat. Bis dahin sollen sich die Erlösströme komplett gewandelt haben. Peppel-Schulz plant dann nur noch mit einem Drittel Gewinn aus Print. Das Printmarken wie zuletzt Glamour in den USA eingestellt werden, schließt sie derzeit aus. Allerdings werden die Erscheinungsrhythmen von GQ und Glamour sukzessive auf 11 (2020) und dann 10 Ausgaben (2021) jährlich heruntergefahren. Weiter werde man nicht heruntergehen, so die CEO: "Ich glaube an Print." vg
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