Chefredakteur Peter Huth

"Die Welt am Sonntag ist der große Bruder des Lesers"

Welt am Sonntag-Chefredakteur Peter Huth
© Axel Springer
Welt am Sonntag-Chefredakteur Peter Huth
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Am kommenden Dienstag feiert Axel Springer in Hamburg den 70. Geburtstag seiner Wochenzeitung. Anders als bei den jüngsten Jubiläen von Spiegel, Stern und Klambt-Verlag, wird es keinen Empfang im Rathaus geben. Ein Programm aus "Bratsche, Rede, Bratsche, Rede, und am Ende gibt’s Häppchen?" Bloß nicht, sagt der frühere B.Z.-Chef Peter Huth in seinem ersten Interview nach anderthalb Jahren an der Spitze der WamS. Einige Auszüge:

Über den Abschied vom Boulevard und das tägliche Blattmachen: "Ich vermisse häufig den Tagesrhythmus. Ein Thema über mehrere Tage zu spielen, das geht bei einer Sonntagszeitung nun einmal nicht." 

Über die B.Z.: "Es gab eine Symbiose zwischen mir und der Zeitung". 

Worin sich die Arbeitsweisen unterscheiden: "Boulevard ist vom Chefredakteur getrieben. Ich habe mir bei der B.Z. das Themenangebot der Redaktion angehört und anschließend gesagt, was ich will, und das wurde dann umgesetzt. Hier läuft das anders. (…) Die Auseinandersetzung um die Inhalte, die Diskussion, das ist zentral. Das ist eine neue Situation für mich, aber eine, die ich genieße, weil das spannend ist". 

Was er nicht vermisst: "Persönlich bin ich ganz froh, die Show-Berichterstattung losgeworden zu sein. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich dafür nie sonderlich interessiert habe". 

„Ich habe auch böse Dinge gemacht, um mir bessere Positionen zu verschaffen.“
Peter Huth
Über den Unterschied zur "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung":  "Nach meiner Erfahrung wertschätzen unsere Leser eine sperrige Verkaufe von Themen nicht so sehr. Wären wir in einer Familienaufstellung, wäre die Welt am Sonntag der große Bruder des Lesers, sicher nicht der sehr schlaue Onkel." 

Sein Streben nach Karriere teilt der 49-Jährige in ein Davor und ein Danach: "Vor meinem Herzinfarkt war formale Karriere für mich extrem wichtig. Dafür bin ich von heute auf morgen in eine andere Stadt gezogen und habe Menschen im Stich gelassen. Ich habe auch böse Dinge gemacht, um mir bessere Positionen zu verschaffen. (…) Nach dem Herzinfarkt habe ich diese Art von Ehrgeiz abgelegt. Das Leben ist einfacher geworden. Und mir ist dennoch Gutes passiert". 
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Warum für Peter Huth Dramaturgie und Kleinteiligkeit beim Gestalten einer Zeitung das Wichtigste sind, wieso die Welt am Sonntag in seinen Augen ein Hybrid ist und wie er damit zurecht kommt, als einziger in der Redaktion so viele Jahre Boulevardjournalismus hinter sich zu haben, aber kein abgeschlossenes Studium, erzählt er in der aktuellen Ausgabe von Horizont 37/2018, die Sie auf Ihrem Tablet oder Smartphone (Android und iOS) lesen können. HORIZONT-Abonnenten können die E-Paper-Ausgaben kostenlos auch auf Ihrem PC/Mac abrufen. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.




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