Charles Bahr im Interview

"Junge Leute sehen auf Facebook nur noch nach, wann ihre Eltern Geburtstag haben"

Charles Bahr ist Gründer von Tubeconnect Media
© Tubeconnect Media
Charles Bahr ist Gründer von Tubeconnect Media
Wie ticken Deutschlands Teenager? Und wie spricht man heute junge Zielgruppen an? Das erklärt beim Deutschen Medienkongress 2019 ein Agenturchef, der mit 16 Jahren selbst zur "Gen Z" gehört: Charles Bahr, Gründer von Tubeconnect Media in Hamburg. Ein paar wichtige Tipps hat er schon vorab im Gespräch mit HORIZONT. 

Charles, wie ist es zur Gründung von Tubeconnect Media gekommen? Ich habe schon mit elf Jahren angefangen, selbst produzierte Videos ins Netz zu stellen. Später folgte ein Schulpraktikum bei einer Influencer-Agentur. Im Rahmen von einzelnen Projekten habe ich dann Markenartikler dabei unterstützt, wenn es um das Verständnis der heutigen Teenager ging. Daraus entstand dann die Idee einer eigenen Agentur. 



Die du im vergangenen Jahr gegründet hast. Um dann was genau zu machen? Tubeconnect ist quasi eine Unternehmensberatung für Marketingabteilungen. Wir beraten bei der Ansprache der "Gen Z", unter der wir die 9- bis 21-Jährigen verstehen, und entwickeln auch selbst neue Ideen für Werbekampagnen oder Kommunikationskonzepte. Dabei verbinden wir die coolen Ideen der jungen Generation mit der Erfahrung älterer Marketingexperten. Unser Kernteam besteht aus zehn Teenagern, in den Projekten arbeiten aber auch 35- bis 45-Jährige Senior-Berater für uns.
Kooperiert ihr auch mit Influencern? Wir stellen den Kontakt zu Influencern her und haben selbst einen Pool von "Youngfluencern", wie wir sie nennen. Diese stehen aber nicht bei uns unter Vertrag. Das wäre nicht sinnvoll, weil wir dann keine neutralen Empfehlungen für die Auswahl mehr geben könnten. 

Wer sind eure Kunden? In erster Linie Markenartikler. Wir haben unter anderem mit Levi’s die Idee für einen "Gen Z Concept Store" entwickelt, der mittlerweile in Rotterdam eröffnet hat. Wir finden gemeinsam mit der Allianz heraus, wie das Versicherungsprodukt der Zukunft aussehen kann. Daneben arbeiten wir auch für Mediaagenturen, die uns bei Kampagnen hinzuziehen. 
„Da sitzt dann ein gebrainwashter Marketer ohne Bezug zur Realität, der irgendetwas für cool hält, weil er darüber gelesen hat. “
Charles Bahr
Warum braucht man euch bei solchen Projekten? Was verstehen die älteren Marketer nicht? Viele Unternehmen machen immer noch den Fehler, die jungen Zielgruppen ansprechen zu wollen, ohne sich wirklich mit ihnen auszutauschen. Da sitzt dann ein gebrainwashter Marketer ohne Bezug zur Realität, der irgendetwas für cool hält, weil er darüber gelesen hat. Aber nicht alles, was in den Medien als Trend dargestellt wird, ist bei den Jugendlichen wirklich relevant oder auch nur bekannt. Unter den vermeintlichen "Jugendwörtern des Jahres" kenne ich teilweise nur die Hälfte, weil sie überhaupt nicht verbreitet sind. 


Auch nicht den "Ehrenmann" und die "Ehrenfrau", die Spitzenreiter in diesem Jahr? Doch, die schon, die sind wirklich angesagt. Aber häufig wird auch etwas aufgegriffen, was eigentlich schon wieder vorbei ist. Manchmal benutzen Marken Begriffe oder Redewendungen, die zum Zeitpunkt der Kampagnenidee wirklich cool waren. Aber dann vergeht so viel Zeit mit der Umsetzung, dass sie total überholt sind. 

Nimmt die "Gen Z" es den Markenartiklern überhaupt ab, wenn sie versuchen, cool zu sein? Die Jugendlichen sind heute extrem kritisch, was Werbung angeht. Gleichzeitig gab es aber auch noch nie so viele Möglichkeiten, Jugendliche anzusprechen. Wenn eine Marke es schafft, ihre Markenwerte in eine interessante Story zu übertragen, dann funktioniert es. Am Ende zählt immer die Geschichte. Und die Haltung, die damit transportiert wird.

Welche Kanäle empfiehlst du für die Kommunikation mit der "Gen Z"? Ist Facebook wirklich out? Ja. Jugendliche nutzen Facebook nur noch, um nachzusehen, wann die Eltern Geburtstag haben. Es spielt sich eigentlich alles auf Whatsapp ab. Für die 12- bis 14-Jährigen ist auch TikTok, das ehemalige Musical.ly, interessant. Für Werbebotschaften und den Einsatz von Influencern eignen sich Snapchat und Instagram gut, Youtube etwas weniger, weil man die Nutzer aus einem Video nicht so gut auf eine andere Website weiterleiten kann. 

Zu dir persönlich: Woher nimmst du die Zeit, dich auf die Agentur zu konzentrieren? Ich absolviere eine duale Ausbildung zum Marketingkaufmann, das kann ich gut mit der Agenturarbeit unter einen Hut bringen. Ich lerne viel, was ich in der Agentur nutzen kann. 

Aber die meisten deiner Kollegen gehen noch zur Schule. Wer geht denn im Büro vormittags ans Telefon? Es gibt einige volljährige Mitarbeiter, die sich um die Verwaltung und die Finanzen kümmern. Ich selbst bin ja rechtlich noch nicht unbeschränkt geschäftsfähig. 

Wie wird sich Tubeconnect Media weiterentwickeln? Habt ihr schon Vorstellungen? Ja, sicher. Wir werden im Januar eine Führungsebene einrichten und auch Kreation anbieten. Wir können dann Werbekampagnen selbst konzipieren und gestalten. Damit geht es erst richtig los. 

DMK 2019

Der 11. Deutsche Medienkongress findet am 22. und 23. Januar 2019 in der Alten Oper Frankfurt statt. Das zweitägige Branchentreffen liefert News, Trends und Inspiration von Unternehmenslenkern, Querdenkern und kreativen Köpfen aus Unternehmen, Medien und Agenturen. Einer der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Verleihung des HORIZONT Award an die Männer und Frauen des Jahres 2018. Alle Informationen gibt es auf der Website des Deutschen Medienkongresses. Der Normalpreis für die Teilnahme beträgt 1399 Euro. Frühbucher-Tickets sind bis zum 31. Dezember zum reduzierten Preis von 899 Euro erhältlich. Darüber hinaus gibt es bei einer Anmeldung ab dem dritten Teilnehmer eines Unternehmens 50 Prozent Rabatt. Die Anmeldung berechtigt gleichzeitig zum kostenfreien Besuch des HORIZONT Award. Veranstalter des Deutschen Medienkongresses 2019 sind HORIZONT und dfv Conference Group. 

stats