Centogene

Presserat rügt "Berliner Zeitung" wegen Bericht über Biotech-Firma

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Holger Friedrich
© MTM / Viktoria Conzelmann
Holger Friedrich
Ein Bericht über eine ostdeutsche Biotech-Firma hat der "Berliner Zeitung" eine Rüge des Deutschen Presserats eingebracht. Sie sei wegen eines Interessenkonfliktes des Verlegers, der nicht offengelegt worden sei, ausgesprochen worden, teilte das Gremium am Freitag in Berlin mit. Der Presserat ist eine freiwillige Selbstkontrolle der Presse.
Im November hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den Bericht des Berliner Blattes deshalb kritisch beleuchtet, weil dessen Verleger Holger Friedrich zu dem Zeitpunkt im Aufsichtsrat der Biotech-Firma saß und Anteile an der Rostocker Firma Centogene hielt - das alles stand nicht in dem Artikel.


Die "Berliner Zeitung" hatte danach erläutert, dass Friedrich dem Herausgeber und der Chefredaktion den Hinweis gegeben habe, dass Centogene Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse sei und dessen Börsengang ein Anlass zur Berichterstattung sein könnte. "Weder der Chefredaktion noch den beiden Wissenschaftsredakteuren war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass Holger Friedrich an dem Unternehmen beteiligt ist. Wäre das anders gewesen, hätte die Redaktion diese Information in den Artikel mit aufgenommen", hatte es in der Erklärung geheißen.

Der Presserat verwies auf einen entsprechenden Passus im Pressekodex zur Trennung von Tätigkeiten. Darin heißt es: "Übt ein Journalist oder Verleger neben seiner publizistischen Tätigkeit eine Funktion, beispielsweise in einer Regierung, einer Behörde oder in einem Wirtschaftsunternehmen aus, müssen alle Beteiligten auf strikte Trennung dieser Funktionen achten." 


Weitere Rügen kassierten das Jugendmagazin Mädchen, die Frauenzeitschrift Grazia und die Programmzeitschrift Hörzu. Die Redaktion von Mädchen hatte in einem Beitrag auf seiner Website Affiliate-Links zu Glücksspiel-Angeboten veröffentlicht. Darin sah der Presserat gleich einen doppelten Verstoß gegen den Presskodex: Einerseits wurde die Werbung unzureichend gekennzeichnet, andererseits sah der Presserat in der Werbung für ein Glücksspielangebot in einem Angebot für Jugendliche einen Verstoß gegen den Jugendschutz. 

Im Fall des Magazins Grazia rügte der Presserat einen groben Verstoß gegen den Trennungsgrundsatz von Redaktion und Werbung. Die Redaktion bot einem Unternehmen einen redaktionellen Beitrag als Ausgleich für verloren gegangene Modeartikel an, nachdem das Unternehmen dafür eine Bezahlung gefordert hatte. 

In der Hörzu wurden zum wiederholten Mal Arzneimittel in redaktionellen Beiträgen genannt, ohne dass hierfür ein ausreichendes Leserinteresse, zum Beispiel aufgrund eines Alleinstellungsmerkmals, aus dem Artikel hervorging - ein Verstoß gegen das Verbot von Schleichwerbung. dpa/dh
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