BVDA-Herbsttagung

Anzeigenblätter fordern staatliche Hilfen und wollen nachhaltig wirtschaften

Die BVDA-Herbsttagung in Saarbrücken
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Die BVDA-Herbsttagung in Saarbrücken
Die Herbsttagung des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) in der vergangenen Woche stand unter dem Eindruck großer Umwälzungen für die Branche. Sinkende Werbeumsätze, steigende Zustellkosten durch den Mindestlohn sowie höhere Papierpreise setzen ihnen zu, auch mit eigenen Web-Aktivitäten tun sich die Gratiswochenzeitungen schwer.

Hinzu kommen jüngst Attacken von Initiativen wie Letzte Werbung, die gedruckte Prospektwerbung als Belastung für Klima und Umwelt geißeln. Angesichts so vieler Probleme sieht BVDA-Präsident Alexander Lenders das Erfolgsmodell der lokalen Wochenblätter mittel- bis langfristig bedroht, wie er in seiner Eröffnungsrede vor 250 Fachbesuchern in Saarbrücken betonte.



Im Gespräch mit HORIZONT gab sich Lenders aber auch kämpferisch. So sieht er das Anzeigenblatt weiterhin als "Pushmedium", das sich mit dieser Eigenschaft ebenso wenig ins Internet transformieren lässt wie das gedruckte Prospekt mit seiner "Abverkaufskraft". Deshalb kann der Handel auf beides nicht verzichten, so Lenders. Trotzdem ist der Werbemarktanteil der Anzeigenblätter aktuell rückläufig, wie der Verbandspräsident einräumt. Er sieht aber "einen Hoffnungsschimmer, weil einige bekannte Handelsunternehmen ihre Beilagenvolumina stabil halten oder sogar wieder ausbauen".

Um das Problem steigender Logistikkosten durch den Mindestlohn für Zusteller zu lindern, erneuerte Lenders seinen Appell an die Politik, die Anzeigen- und Tageszeitungen finanziell zu unterstützen: "BVDA und BDZV verlangen zur Aufrechterhaltung der Vertriebsstrukturen eine staatliche Förderung, die sie in einem abgestimmten Verhältnis untereinander aufteilen."


Als Größenordnung hatte BVDA-Geschäftsführer Jörg Eggers im Frühjahr 670 Millionen Euro ins Spiel gebracht (HORIZONT 14/19). Lenders will die Stütze aber nur für "einen begrenzten Zeitraum" erhalten, "auch um Transformations- und Umstellungsprozesse in den Verlagen und auch den Breitbandausbau zu fördern." Zugutekommen soll sie allen Verlagen, eine "Bedürftigkeitsprüfung" lehnt Lenders ab, da es sich um eine Grundfrage der Infrastruktur handele. Auch ohne die Lohnuntergrenze bräuchten die Verlage eine  staatliche Förderung zur Sicherstellung der flächendeckenden Verteilung. Als Grund nennt Lenders die Zustellkosten, die "explodiert" seien und - ebenso wie der Mindestlohn - weiter steigen werden. Die Höhe der staatlichen Förderung soll sich daran orientieren, ob die Zustellgebiete eher ländlich, städtisch oder gemischt geprägt sind.

Ob die Bundesregierung das Geld locker macht, ist noch offen. Zwar sollen sich Vertreter der großen Koalition und des Arbeitsministeriums zwar offen für die Forderungen gezeigt haben. Dennoch gelten direkte staatliche Hilfen als heikel, weil die Politik damit Einfluss auf die Presse gewinnt. Zudem besteht die Gefahr, dass Agenturen und Handel mögliche Finanzhilfen des Staates nutzen, um die Beilagenpreise weiter zu drücken.
„Es wäre ein Treppenwitz, wenn wir beispielsweise eine Förderung von Index 100 bekämen und der Handel uns dann im Preis einen Index von 120 abnähme, weil er weiß, dass der Staat uns unterstützt.“
BVDA-Präsident Alexander Lenders
Lenders will dem Handel deshalb klarmachen, dass die Frage der Zustellförderung von der der Rabatte entkoppelt werden muss: "Es wäre ein Treppenwitz, wenn wir beispielsweise eine Förderung von Index 100 bekämen und der Handel uns dann im Preis einen Index von 120 abnähme, weil er weiß, dass der Staat uns unterstützt. Darum muss die Förderung auch eine substanzielle Größe haben, nur dann können die Vorteile für eine Übergangszeit die Nachteile überwiegen."

Beim Thema Nachhaltigkeit will der BVDA ebenfalls eigene Akzente setzen. In Saarbrücken kündigte Geschäftsführer Eggers eine Klimainitiative an und verwies auf die zahlreichen Aktivitäten des Verbands beim Klima- und Umweltschutz. So engagiert sich er sich schon lange beim Papierrecycling und strebt Kooperationen mit Partnerverbänden wie VDZ oder BDZV an. Eggers ist überzeugt: „Unsere Branche muss nachhaltig wirtschaften, um glaubwürdig zu bleiben.“ Das sei den Mitgliedern in Zeiten wirtschaftlicher Nöte aber nicht leicht zu vermitteln. gui

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