Nach Musk-Übernahme

Bundeswirtschaftsministerium will schärfere Auflagen für Twitter

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Das Bundeswirtschaftsministerium fordert die EU-Kommission auf, Twitter schärfer ins Visier zu nehmen.
© Imago/Jonathan Raa
Das Bundeswirtschaftsministerium fordert die EU-Kommission auf, Twitter schärfer ins Visier zu nehmen.
Das Bundeswirtschaftsministerium plädiert dafür, schärfere Auflagen für den Kurznachrichtendienst Twitter zu prüfen. "Mit großer Sorge" habe er "Twitters Plattformregelungen, deren abrupte Änderungen und willkürliche Anwendung zur Kenntnis genommen", schreibt Staatssekretär Sven Giegold (Grüne) in einem Brief an die EU-Kommission. Das Schreiben ist auf Dienstag datiert und liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.
Die Brüsseler Behörde solle deshalb so schnell wie möglich die nötigen Prüfungen durchführen, um Twitter als "Gatekeeper" im Sinne des Digital Markets Act zu benennen, schreibt Giegold in seinem Brief an EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und Binnenmarktkommissar Thierry Breton. Als "Gatekeeper" gelten Unternehmen mit einer besonders starken Marktposition, die eine Reihe von Kriterien erfüllen. Für sie gelten besondere Auflagen, zum Beispiel Einschränkungen beim Umgang mit persönlichen Daten von Nutzern. Der Digital Markets Act wird ab Mai kommenden Jahres anwendbar.

Nachdem der Tech-Milliardär Elon Musk im Oktober gemeinsam mit anderen Investoren Twitter übernommen hatte, traf er eine Reihe umstrittener Entscheidungen. In der vergangenen Woche sperrte er zeitweise die Nutzerkonten einiger US-Journalisten.

Weiteren Ärger löste Musks Vorhaben aus, Nutzerinnen und Nutzern künftig nicht mehr zu erlauben, ihre Präsenz auf bestimmten Konkurrenz-Plattformen zu bewerben. Musk versprach daraufhin, größere Änderungen der Richtlinien künftig ebenfalls zur Abstimmung zu stellen. Nachdem Twitter-Nutzer sich in einer von Musk eingeleiteten Umfrage mehrheitlich für seinen Rücktritt ausgesprochen hatten, kündigte er seinen Rückzug an, wenn ein Nachfolger gefunden sei.

"Sich fast stündlich ändernde allgemeine Geschäftsbedingungen, erratische Begründungen für weitgehende Einschränkungen von Verlinkungen und die Sperrungen von Accounts von Journalistinnen und Journalisten bedrohen nicht nur die Wettbewerbsfreiheit, sondern stellen ein Risiko für Demokratie, Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit dar", schrieb Giegold.

Er wolle die EU-Kommission zudem "ermutigen", ein wettbewerbsrechtliches Verfahren gegen Twitter wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung zu prüfen, wenn Twitter erneut den Wettbewerb behindern sollte, indem dauerhaft und systematisch Verlinkungen zu anderen Social-Media-Plattformen untersagt würden.
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