Buhrow folgt auf Wilhelm

ARD bekommt neuen Vorsitzenden / Warnstreiks führen zu Programmausfällen

Wird neuer ARD-Chef: WDR-Intendant Tom Buhrow
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Wird neuer ARD-Chef: WDR-Intendant Tom Buhrow
Der WDR-Intendant Tom Buhrow, 60, wird nächster ARD-Vorsitzender. Zum Jahreswechsel übernimmt er das Amt von Ulrich Wilhelm. Das hat die ARD-Hauptversammlung in Stuttgart beschlossen, wie der öffentlich-rechtliche Senderverbund am Mittwoch mitteilte.
Die Landesrundfunkanstalten wechseln sich in der Regel alle zwei Jahre im Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft ab. Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks, ist seit Anfang 2018 ARD-Vorsitzender. Der WDR hatte zuletzt 2011/2012 den ARD-Vorsitz inne. Die ARD-Intendanten trafen sich am Montag und Dienstag in Stuttgart.


Alles beim Alten bleibt dagegen im ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. Der Vertrag mit Leiterin 
Tina Hassel, 55, wurde um weitere zwei Jahre verlängert. Einem entsprechenden Vorschlag von rbb-Intendantin Patricia Schlesinger und WDR-Intendant Tom Buhrow stimmten die ARD-Intendantinnen und -Intendanten bei ihrem Treffen in Stuttgart zu.

Hassel leitet seit 2015 als erste Frau das Hauptstadtstudio, in dem etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Redaktion, Produktion, Technik und Verwaltung beschäftigt sind. Das Team liefert Beiträge, Analysen und Kommentare für die 64 Hörfunkwellen der ARD, die Nachrichtensendungen im Ersten und in den dritten Programmen, sowie für die Online-Auftritte.


Von 1994 bis 2001 war Hassel ARD-Korrespondentin in Paris und Brüssel, bevor sie ab 2002 als Auslandschefin des WDR zehn Jahre lang die Programmgruppe Europa und Ausland leitete. Von 2012 bis 2015 leitete sie das ARD-Studio in Washington.

Unterdessen herrscht bei der ARD wegen der andauernden Tarifauseinandersetzungen der Ausnahmezustand. Mehrere ARD-Sender sind derzeit von Warnstreiks betroffen - zum Teil mit Auswirkungen aufs Programm. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm betont, Steigerungen wie im öffentlichen Dienst seien nicht realistisch. Die Sender könnten sich nicht mehr an den Steigerungen des öffentlichen Dienstes der Länder orientieren, sagte Wilhelm. Stattdessen werde ein "fairer Inflationsausgleich" zwischen 1,7 und 2,1 Prozent für jeweils ein Jahr angeboten.

Die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatten für Mittwoch zu befristeten, zum Teil 24-stündigen Warnstreiks aufgerufen. Damit wollen sie Druck in der laufenden Tarifrunde machen. Angekündigt waren sie beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), Westdeutschen Rundfunk (WDR), Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), Südwestrundfunk (SWR) und beim Bayerischen Rundfunk (BR).

Bundesweit sichtbar waren die Auswirkungen des Warnstreiks beim WDR: ARD und ZDF konnten das "Morgenmagazin" nicht live senden. "Das reguläre Morgenmagazin entfällt auf Grund eines Warnstreiks. Sie sehen eine Aufzeichnung von heute früh", blendete die ARD am frühen Morgen im laufenden Programm ein.

Eine WDR-Sprecherin erläuterte, in der Zeit von 3.00 bis 4.00 Uhr sei eine Sendungsstunde vorproduziert worden, die dann ab Beginn des Warnstreiks wiederholt gezeigt worden sei. Außerdem sei statt der aktuellen ARD-Sendung "Live nach 9" ein "Best of" des Formats gesendet worden.

Beim Bayerischen Rundfunk (BR) kam es erstmals bei einem Tarifkonflikt zu Sendeausfällen durch einen befristeten Warnstreik. Besonders betroffen waren im Radio die Informationswelle B5 aktuell, das Programm Bayern 2 und BR Klassik. Sie alle wurden auf Bayern 3 umgeschaltet, wie der BR mitteilte.

Beschäftigte des Norddeutschen Rundfunks (NDR) traten ebenfalls in einen 24-stündigen Warnstreik. Zu Auswirkungen auf das laufende Programm konnte Lars Stubbe vom Verdi-Landesbezirk Hamburg zunächst keine Angaben machen. Ähnlich äußerte sich ein NDR-Sprecher. Auf seiner Homepage hatte der NDR am Dienstag angekündigt, dass es streikbedingt zu Änderungen im Programm kommen könne. dpa
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