Bremer Tageszeitungen AG

Streit beim "Weser-Kurier" eskaliert

Das Pressehaus des "Weser Kuriers"
© Christina Kuhaupt
Das Pressehaus des "Weser Kuriers"
Die Gesellschafter der Hackmack Meyer KG wollten sich gegenseitig herausklagen. Dagegen gingen am Montag beide Parteien per einstweiliger Verfügung gegeneinander vor. Das Gericht gab beiden recht. Gewonnen hat damit in Wahrheit aber keine der beiden Seiten.
Vor ziemlich genau einem Jahr berichtete HORIZONT über die Unfähigkeit der Gesellschafter und des Aufsichtsrats des Weser-Kuriers zu entscheiden, was mit der maroden Hausdruckerei passiert und wo die Zeitung künftig gedruckt werden könnte. Eine Entscheidung ist bis heute nicht gefallen. Der Unterschied zu damals: Die beiden Vorstände der Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), Eric Dauphin und Jan Leßmann, haben ihre Jobs inzwischen hingeschmissen. Formal sind sie bis Ende dieses Monats im Amt, haben das Haus allerdings bereits verlassen.


Dass sie ihren Vertrag vorzeitig auflösen wollen, war den Gesellschaftern zwar seit Monaten bekannt. Aber es kam, wie es bei der BTAG inzwischen immer kommt und längst Ritual ist: Der paritätisch von den beiden Familien Hackmack und Meyer besetzte Aufsichtsrat konnte sich auf keinen neuen Vorstand einigen. Patt folgte auf Patt. Der entsprechende HORIZONT-Bericht trug die Überschrift "Dallas an der Weser". Was ist seither geschehen?

Noch immer steht zur Debatte, den Chefredakteur, Moritz Döbler, zum Vorstand zu ernennen – und zwar in Personalunion. Das allein wäre ein bemerkenswerter Vorgang. Als zweiter Mann an der Spitze ist eine weitere Führungskraft aus dem eigenen Haus im Gespräch, aber auch ein Manager von außen. Doch bei keiner der jüngsten Sitzungen des Aufsichtsrats gelang eine Einigung. Von ihrer Zerstrittenheit ließen die Gesellschafter bei einer vom Betriebsrat einberufenen Fragestunde selbst die versammelten Mitarbeiter Zeuge werden.


Wenn das so weitergeht, ist der Gang zum Amtsgericht erforderlich, denn eine AG ohne Vorstand kann und darf es nicht geben.

Was im Aufsichtsrat der Bremer Tageszeitungen AG nicht gelingt, gelingt ebenso wenig im Gesellschafterkreis der Hackmack Meyer KG selbst. Auch er ist paritätisch besetzt. Seit dem Ausscheiden des BTAG-Vorstands Jan Leßmann gibt es dort keinen persönlich haftenden Gesellschafter mehr. Ein Nachfolger kann nicht bestellt werden, denn – siehe oben – die beiden Familienstämme können sich nicht einigen.

Am Montag standen die Gesellschafter der Hackmack Meyer KG nun vor Gericht. Der Anlass: Jede Seite wollte die andere herausklagen, das wollten beide per einstweiliger Verfügung unterbinden. Wie üblich war man sich also nur darin einig, nicht einig zu sein. Doch das Gericht konnte die verzwackte Situation auch nicht lösen. Ein Sprecher bestätigt: Beide Seiten hätten erfolgreich ihre einstweilige Verfügung erwirkt. Damit könne keiner den anderen herausklagen. Eine bloße Patt-Situation, habe der Richter argumentiert, sei kein gewichtiger Grund für den Ausschluss eines Gesellschafters. Damit ist die Hackmack Meyer KG auf den Status einer offenen Handelsgesellschaft (oHG) abgerutscht, bei dem jeder Gesellschafter persönlich haftet.

Somit hat der Streit das Dallas-Niveau verlassen und nähert sich in der Qualität der Auseinandersetzung an zwischen Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt um die Ente in der Badewanne – den bei Radio Bremen uraufgeführten Loriot-Sketch kennt jeder Fernsehzuschauer. Das Lachen allerdings verbietet sich, wenn man bedenkt, dass hier die Zukunft einer ehrwürdigen, inzwischen defizitären und unter erheblichem Reformstau leidenden Zeitung mit mehreren hundert Arbeitsplätzen auf dem Spiel steht. usi
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