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Titanic legt Focus Online mit Feinstaub-Satirevideo herein

In dem Video wird scheinbar eine Messstation in Frankfurt manipuliert
© Screenshot Youtube
In dem Video wird scheinbar eine Messstation in Frankfurt manipuliert
Die Satirezeitschrift Titanic hat wieder einmal zugeschlagen. Dieses Mal hat es Focus Online erwischt: Die Redaktion fiel auf ein Video herein, in dem radikale Umweltschützer scheinbar eine Anleitung zur Manipulation von Schadstoff-Messstationen verbreiten. Focus Online hat den Fehler mittlerweile eingeräumt. 
In dem Video mit dem Titel "Tutorial - Feinstaubmesstationen manipulieren" ist ein schwarz vermummter Mann zu sehen, der mit einer Fußpumpe den Auspuff eines Diesel-Fahrzeugs anzapft. In der nächsten Einstellung sieht man den schwarz gekleideten Mann auf eine Messstation an der vielbefahrenen Friedberger Landstraße in Frankfurt klettern, wo er die Pumpe an einer Messöffnung wieder entleert. Bei "täglicher Aktion" könne man die Messwerte so um bis zu 20 Prozent erhöhen. Am Ende des scheinbar von linksautonomen Autohassern inszenierten Videos wird eingeblendet: "Autokonzerne bekämpfen - Diesellobby zerschlagen". 
Was zunächst nach einem Aktionsvideo radikaler Umweltaktivisten aussieht, wurde tatsächlich von den Titanic-Redakteuren Leonard Riegel und Moritz Hürtgen inszeniert, um damit "Petrolheads aus ihrem Wahn zu retten", wie sie selbst auf der Titanic-Website schreiben.


Zunächst hatten die Macher darauf spekuliert, dass sich das Video, das bei der monatlichen Titanic -Lesung im Frankfurter Club Voltaire präsentiert wurde, von selbst im Netz verbreitet. Nachdem das Video allerdings nirgendwo auftauchte, beschloss die Redaktion, nachzuhelfen. Sie betteten Screenshots des Videos scheinbar auf der linken Website Indymedia ein, und boten das Material über einen erfundenen Mittelsmann ("Michael Leitmayr") Focus Online an. Die Redaktion biss an - und berichtete am Donnerstag über Autonome, die eine Anleitung zur Manipulation von Feinstaub-Messtationen verbreiten. 

Focus Online hat mittlerweile in einem Beitrag in eigener Sache eingeräumt, auf einen "Scherz des Satire-Magazins" hereingefallen zu sein. Demnach habe man sich "nach einem längeren Gespräch mit dem Informanten" für eine Veröffentlichung entschieden. "Offenbar handelte es sich bei der Aktion aber tatsächlich nicht um eine ernst gemeinte Aktion, sondern einen Fake - initiiert vom Satire-Magazin 'Titanic'. Leider ist Focus Online darauf hereingefallen. Wir entschuldigen uns bei den Lesern, die durch diese Meldung zusammen mit uns hinters Licht geführt wurden", schreibt Focus Online


Rein theoretisch könne man mit solchen Methoden die Stationen "übrigens durchaus überlisten", schreibt Focus Online unter Berufung auf einen "Mess-Experten" des Karlsruher Instituts für Technologie. Allerdings hätten Umwelt-Aktivisten schlechte Chancen, wenn sie hofften, mit solchen Manipulationen Fahrverbote zu erzwingen, heißt es auf der Website. "So primitiv wie auf dem Bild dargestellt, halte ich es aber für sehr unwahrscheinlich, damit eine wirklich signifikante Beeinflussung zu erreichen, die noch dazu unerkannt bleiben könnte", zitiert Focus Online Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.  Titanic hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Medien mit gefälschten Informationen in Erklärungsnot gebracht. Im Februar 2018 jubelte die Zeitschrift der Bild-Zeitung Mails unter, die Kontakte zwischen dem Juso-Chef Kevin Kühnert und einem russischen Internet-Troll belegen sollten. Im Sommer narrte die Redaktion mit einem 
scheinbar vom Hessischen Rundfunk abgesetzten Tweet über das Aus der Union von CDU und CSU zahlreiche Medien. Die von Fans der Zeitschrift gefeierten Aktionen stoßen aber auch vielfach auf Unverständnis: Kritiker werfen der Satire-Zeitschrift vor, mit ihren Methoden das Vertrauen in die Medien weiter zu untergraben. dh
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