Bewegtbild-Zukunft

Das lineare Fernsehen ist in zehn Jahren tot - glauben viele junge Erwachsene

Video-on-Demand-Dienste wie Netflix stehen bei jungen Erwachsen immer höher im Kurs
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Video-on-Demand-Dienste wie Netflix stehen bei jungen Erwachsen immer höher im Kurs
Es ist eine der ganz großen Zukunftsfragen in der Medienbranche: Wie werden sich Relevanz und Reichweite des linearen Fernsehens entwickeln, wenn Streamingdienste und Videoplattformen wie Netflix, Amazon Prime Video und Youtube weiter wachsen? Einer neuen Studie von Next Media Hamburg und Statista zufolge nutzen zwar 80 Prozent der Deutschen noch regelmäßig lineare Bewegtbild-Angebote. Doch zwei Drittel der 18- bis 29-Jährigen glaubt auch, dass es das klassische Fernsehen in zehn Jahren nicht mehr geben wird.
Es ist zunächst einmal eine gute Nachricht für die TV-Sender und ihre Vermarkter: Das klassische Fernsehen lebt noch. Acht von zehn Deutschen schauen noch regelmäßig lineares TV. An diesen Wert reicht keiner der übrigen Bewegtbildkanäle heran: Videoplattformen wie Youtube werden von 67 Prozent der Befragten regelmäßig konsumiert, Mediatheken von TV-Sendern von 59 Prozent. Die Video-on-Demand-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime Video kommen auf 53 Prozent.


Beim genauen Blick auf die unterschiedlichen Altersgruppen ergibt sich jedoch ein starkes Gefälle zwischen Jung und Alt. Denn zwar schauen stolze 87 Prozent der 50- bis 65-Jährigen regelmäßig lineares Fernsehen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Wert mit 67 Prozent allerdings bereits deutlich darunter. Bei den jungen Erwachsenen haben der Studie zufolge vielmehr Videoplattformen (81 Prozent) und Streamingdienste (73 Prozent) die Nase vorne. Zum Vergleich: Von den Über-50-Jährigen nutzen nur 35 Prozent Netflix und Co.

Ganz ähnlich verschieden sind die Ansichten der zwei Generationen in Bezug auf die Überlebenschancen von Samstagabend- und Reality-Shows, Serien und Telenovelas. Weniger als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen (44 Prozent) glauben, dass diese klassischen TV-Formate auch in fünf Jahren noch existieren werden. Und mehr noch: 65 Prozent - also knapp zwei Drittel der Befragten aus der jungen Zielgruppe - geben an, dass sie ein Aussterben des linearen Fernsehens in den nächsten zehn Jahren für möglich halten. Demgegenüber glauben 74 Prozent der 50- bis 65-Jährigen nicht, dass die oben genannten TV-Formate in den nächsten fünf Jahren verschwinden werden. 70 Prozent der Befragten aus dieser Altersgruppe geben zudem an, dass das lineare TV die nächste Dekade überlebt. Eine weitere Erkenntnis der Studie: Die Zeiten des "Lagerfeuer-TV" als Familienritual sind endgültig vorbei. Nur noch 11 Prozent aller Befragten konsumieren TV-Inhalte am häufigsten mit der Familie. Vielmehr schaut fast jeder zweite Deutsche Bewegtbild-Content am häufigsten alleine (48 Prozent). Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert mit 61 Prozent noch höher. 43 Prozent der jungen Erwachsenen schauen Bewegtbild-Inhalte zudem mit ihrem Partner.


Laut Statista und Next Media Hamburg ist die Studie repräsentativ. Insgesamt haben 1000 Personen, davon waren 50,4 Prozent männlich und 49,6 Prozent weiblich, zwischen dem 7. und 12. Januar 2019 via Online-Umfrage teilgenommen. Umfassendere Ergebnisse veröffentlichen die Absender im Media Innovation Report, der in den kommenden Wochen erscheint. tt
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