"Beschissener Deal"

Publisher kritisieren Apples geplanten Newsservice

Die Bedingungen von Apples geplantem Newsdienst stoßen auf Kritik
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Die Bedingungen von Apples geplantem Newsdienst stoßen auf Kritik
Apple verhandelt mit US-Medienhäusern über ein neues Abo-Angebot. Der geplante Newsdienst stößt bei den Publishern aber auf scharfe Kritik. Die Verlage stören sich vor allem an den geplanten Bedingungen für das Modell, das Nutzern gegen eine monatliche Gebühr freien Zugriff auf zahlreiche Medieninhalte bieten soll. Ein Verlagsmanager bezeichnete das Modell unverblümt als "beschissenen Deal" für die Medienhäuser. 
Vor allem die Aufteilung der Erlöse stößt bei den Verlagen, denen Apple das Modell kürzlich präsentiert hat, auf scharfe Kritik. Demnach will Apple die Hälfte der Einnahmen selbst einsacken - der Rest soll zwischen den Medienpartnern aufgeteilt werden. Die Berechnung soll sich nach der Anzahl gelesener Artikel richten. "Das ist ein beschissener Deal", sagte ein Verlagsmanager gegenüber AdAge zu den Bedingungen. "Es erscheint gierig."


Jason Kint, CEO der Beratungsfirma Digital Content Next, bezeichnete das Angebot von Apple gegenüber AdAge als "Schlag ins Gesicht". Er habe große Sorgen, dass die großen Plattformen die Luft aus dem Medien-Ökosystem herauspressen. Üblich sind beim Verkauf von Inhalten über digitale Plattform eine Aufteilung der Erlöse im Verhältnis von 70:30 - 70 Prozent gehen an den Publisher, 30 Prozent behält der Plattformbetreiber. Wolfgang Blau, President von Condé Nast International, schreib auf Twitter: "Apple liebt den Journalismus so sehr, dass sie Newsorganisationen einen Deal anbieten, der sogar schlimmer ist als der, den sie der Musikindustrie gegeben haben."
Auch an einem weiteren Punkt stören sich die Publisher bei dem geplanten Abo-Dienst von Apple: So sollen die Verlagshäuser offensichtlich weder Zugriff auf die Kreditkartendaten noch auf die E-Mail-Adressen der News-Kunden bekommen. Apple will die Daten komplett bei sich behalten. 

Noch sind keine Details zu dem neuen Service bekannt. In der Branche wird das geplante Modell als "Netflix for News" bezeichnet. Nutzer sollen für einen festen Betrag - genannt wird eine Summe von rund 10 Dollar pro Monat, die sich auch bei anderen Abo-Modellen wie Netflix, Spotify oder Apple Music als Richtgröße etabliert hat - freien Zugang zu den Inhalten bekommen. US-Medien spekulieren, dass der neue Abo-Service bei einem Apple-Event am 25. März vorgestellt werden könnte. 


Der Dienst basiert auf der ursprünglich von Condé Nast, Hearst and Meredith entwickelten App Texture, die Apple vergangenes Jahr übernommen hat. Die drei Verlage werden vermutlich als Partner von Apple mit an Bord sein, bislang hat Apple aber noch keine Medienpartner bekannt gegeben. Laut Wall Street Journal (WSJ) hat sich der Tech-Konzern dafür aber bereits erste Absagen eingehandelt: Mit der New York Times und der Washington Post hätten zwei der renommiertesten US-Tageszeitungen Apple einen Korb gegegeben. Auch das Wall Street Journal selbst habe wegen der Bedingungen Bedenken, sei aber noch in Gesprächen mit dem Konzern. Apple nahm gegenüber AdAge und dem WSJ keine Stellung zu den Berichten.

Apple will das Geschäft mit Abo-Modellen in den kommenden Jahren deutlich ausbauen, da der Absatz seines wichtigsten Produkts, dem iPhone, schwächelt. Für das vergangene Quartal musste der erfolgsverwöhnte Konzern erstmals seit zehn Jahren einen rückläufigen Umsatz und Gewinn vermelden. dh
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