Bertelsmann/Springer-Deal

RTV produziert TV-Supplement für Bild

So könnte das TV-Magazin von Bild und der rtv Group aussehen
© rtv
So könnte das TV-Magazin von Bild und der rtv Group aussehen
Ein Coup für beide Seiten: Ab Januar liegt das wöchentliche Programm-Supplement „RTV“ aus dem Hause Bertelsmann auch einigen Regionalausgaben von Axel Springers „Bild“ bei. Für die RTV Media Group bedeutet die Kooperation einen wichtigen Punktgewinn bei der Verteidigung der Auflagenführerschaft gegen den Angreifer "Prisma". Und „Bild“ kann sein Print-Produkt aufwerten – zumindest in den ausgewählten Gebieten.

Ähnlich wie seit 2017 auch für Gruner + Jahrs „Stern“, produziert RTV bald auch für „Bild“ eine eigene Ausgabe, hier unter dem Namen „TVTV Magazin“. Es wird ab 4. Januar jeden Freitag den „Bild“-Regionalausgaben in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Leipzig, Sachsen-Anhalt und Thüringen beiliegen – mit einer Gesamtauflage von 500.000 Stück und im Durchschnitt 44 Seiten. Neben zwei Seiten Programmübersicht pro Tag soll es TV-Wochentipps, redaktionelle Beiträge zum Fernsehprogramm sowie Service geben.



Damit biete man den „Lesern in ausgewählten Regionen einen Mehrwert on top“, sagt Bild-Verlagsleiterin Carolin Hulshoff-Pol. Und Ulrich Buser, Geschäftsführer RTV Media Group, lobt das eigene Haus für „60 Jahre Erfahrung in der Produktion und Vermarktung von TV-Supplements“.

Mit dem „Bild“-Coup verschafft sich „RTV“ nach dem Bertelsmann-internen Deal mit dem „Stern“ erneut etwas Luft im Abwehrkampf gegen „Prisma“ um die Auflagenführerschaft im Supplementmarkt. Derzeit (3. Quartal 2018) liegt „Prisma“ wöchentlich über 70 Tageszeitungen bei – mit einer Gesamtauflage von knapp 4,7 Millionen Heften. RTV kommt dagegen auf stolze 6,9 Millionen Exemplare, inklusive der „Stern“-Stücke.


Doch Angreifer „Prisma“ hat große Ambitionen: 2019 will man RTV überholen. Bereits seit ein, zwei Jahren gewinnt „Prisma“ immer neue Trägertitel; dabei locken die Düsseldorfer mit Gesellschafteranteilen ohne Aufgeld. Ab Januar kommen die Funke-Zeitungen (1,2 Millionen Exemplare) hinzu, die bisher "RTV" beziehen, sowie weitere Titel, die die „Prisma“-Auflage auf über 7 Millionen Stück heben (und die "RTV"-Auflage entsprechend mindern) dürften.

Somit könnte der Plan gelingen – vor allem dann, wenn „Prisma“ weitere neue Partner direkt von „RTV“ abwirbt und nicht nur Zeitungen gewinnt, die bisher keine TV-Fremdbeilage hatten. Ohnehin brauchen die Supplements angesichts meist sinkender Zeitungsverkäufe immer neue Trägertitel, um ihre eigene Auflage zu halten oder gar zu steigern.

Die Marktführerschaft im Duopol der TV-Beilagen gilt bei der Vermarktung als wichtiges Argument für eine bevorzugte Buchung, wenn Werbekunden sich für diese Gattung entschieden haben. Die Beilagen finanzieren sich zu rund 95 Prozent über selbst vermarktete Anzeigen. Der Rest sind Vertriebserlöse: Die Trägertitel zahlen für den Bezug – allerdings dürften hier die Preise zuletzt eher gesunken sein, eben weil „RTV“ und „Prisma“ sichtlich neue Partner brauchen.

Interessant ist, dass „RTV“ der „Bild“-Zeitung nur in bestimmten Regionen beiliegen wird und nicht etwa bundesweit. Da es sich teils (Nordrhein-Westfalen, Thüringen) um Gebiete handelt, die „RTV“ ab Januar über Funke an „Prisma“ verliert, liegt der Schluss nahe, dass die Nürnberger mit dem Deal neue Verbreitungslücken verhindern und beide Seiten vielleicht auch erst einmal testen wollen. Wenn die Kooperation gut läuft und auch „Bild“ durch die neue Beilage in den besagten Regionen freitags positive Auflagenwirkungen spürt, könnte man eine Ausweitung erwägen. Dann könnte „Bild“ auch die eigenen TV-Programm-Inhalte überdenken. Zukunftsmusik und Spekulation. Jetzt gilt: „Da es sich um eine gezielte wöchentliche Beilage in bestimmten Gebieten handelt, hat das auf die tägliche Programmseite in ,Bild‘ weder im Bund noch in diesen Gebieten eine Auswirkung“, sagt ein „Bild“-Sprecher. rp 
So könnte das TV-Magazin von Bild und der rtv Group aussehen
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