Bertelsmann-Pläne

Was eine Fusion von G+J mit der RTL Group für den Spiegel bedeuten könnte

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Das Verlagsgebäude des Spiegel-Verlags an der Ericusspitze. Gegenüber, am Lohsepark, soll angeblich G+J neu bauen. Passiert ist auf der Brache bisher wenig
© Imago / Chris Emil Janßen
Das Verlagsgebäude des Spiegel-Verlags an der Ericusspitze. Gegenüber, am Lohsepark, soll angeblich G+J neu bauen. Passiert ist auf der Brache bisher wenig
Beim Hamburger Nachrichtenmagazin sind sie gut darin, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Jetzt gibt es einen Anlass mehr: Wie umgehen damit, dass die RTL Group und damit Stephan Schäfer beim Spiegel Mitspracherecht bekommen könnten? Die Optionen liefert die Satzung.

Wer in diesen Tagen mit Spiegel-Mitarbeitern redet, hört Fragen wie die, was wohl mit den drei bis vier unteren Etagen des Verlagsgebäudes an der Ericusspitze passieren wird. Sie sollen an Dritte vermietet werden, was Geld spart. Einige interessiert in diesem Zusammenhang vor allem, was aus der Kantine im Erdgeschoss wird. Gleichgültiger ist den meisten, wohin wohl Spiegel TV ziehen wird, obwohl beim Bau damals alle froh waren, dass sämtliche Tochterunternehmen endlich unter einem Dach vereint sitzen. Das Studio gleich neben dem Foyer wurde stolz präsentiert. Und dann ist da noch der Personalabbau.

150 Stellen fielen 2015 weg, zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Magazins. Schon damals führte das zu dem, was man einen Braindrain nennt, Verlust an Kompetenz. Diesmal gehen 43, davon zwei aus der Dokumentation und elf aus dem Verlag. Anders als beim ersten Mal bilden mit insgesamt 30 die Mitglieder der Redaktion die mit Abstand größte Gruppe. Sieben gehen in Altersteilzeit, fast alle anderen verlassen das Haus zum 1. Januar 2022. Dazu zählen unter anderen der Investigativ-Journalist Frank Dohmen sowie die Wirtschaftsjournalisten Alexander Jung, Nils Klawitter und Michaela Schießl. Gerade hat sich aus dem Feuilleton Nils Minkmar vom Spiegel getrennt. Schon ist von einer Entintellektualisierung die Rede, ein Vorwurf, den sich auch der Stern gefallen lassen muss. Den aktuell stattfindenden Braindrain beim Spiegel kann die Verpflichtung der taz-Journalistin Bettina Gaus als Kolumnistin jedenfalls allein nicht aufwiegen.

Wenig überraschend verursachen die unterschiedlichen Kulturen und Qualitäten von Print und Online auch anderthalb Jahre nach der Gründung der Gemeinschaftsredaktion Friktionen. Bekannt ist, dass Barbara Hans gehen soll. In der Folge will Steffen Klusmann die Chefredaktion um ein Gremium mit drei weiteren Mitgliedern ergänzen. Damit soll irgendwie die Frauenquote erhöht und nebenbei das Berliner Büro gestärkt werden. Seit vergangener Woche bereitet dem Spiegel-Verlag noch ein ganz anderes Thema Sorge.

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