Bericht von SZ/NDR/WDR

E-Mails belegen Kontakte von Kai Diekmann zu Wirecard

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Storymachine-Chef Kai Diekmann ließ seine Kontakte für Wirecard spielen
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Storymachine-Chef Kai Diekmann ließ seine Kontakte für Wirecard spielen
Im August 2020 hatte HORIZONT über mögliche Kontakte von Kai Diekmann, Ex-"Bild"-Chefredakteur und Co-Gründer der PR-Agentur Storymachine, berichtet. Jetzt liefert die Recherche-Kooperation von "SZ", WDR und NDR die Belege für diese Verbindung. In einem Zeitungsbericht wird aus E-Mails zitiert, die Diekmann an die damals für Wirecard tätige PR-Beratung Edelman und an den ehemaligen Unternehmenschef Markus Braun geschrieben hat. Die Informationen stammen aus einem riesigen Datensatz mit internen Dokumenten, den die Journalisten ausgewertet haben.
Auf die erste Recherche von HORIZONT im Sommer vorigen Jahres hatten weder Diekmann noch sein Rechtsanwalt Christian Schertz, der gern mal die Kommunikation mit den Medien für ihn übernimmt, reagiert. Nach mehrmaligem Nachfassen teilte Diekmann lediglich mit, dass er nicht auskunftspflichtig sei. Nach Veröffentlichung des Berichts hat Diekmann über Schertz abmahnen lassen - allerdings nicht für den eigentlichen Inhalt, sondern weil er in einem Zitat einen angeblichen Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht von Diekmann zu erkennen glaubte.


Jetzt legen "SZ"/WDR/NDR Belege für die Kontakte zu Wirecard vor. So soll der Storymachine-Chef von Edelmann zu Rate gezogen worden sein. Mit seinen Kontakten in Berlin sollte er sich dem Bericht zufolge für ein Verbot von Aktienleerverkäufen bei den entsprechenden Regierungsstellen einsetzen. Die Recherche-Kooperation zitiert aus Mails, die Diekmann an Wirecard-Chef Markus Braun persönlich sowie den zuständigen Berater bei Edelman, Rüdiger Assion, geschrieben hat. In einer Mail vom 26. März 2020 an Assion heißt es etwa, dass Diekmann Kontakt mit den beiden Staatssekretären aufgenommen habe. Und in einer Mail vom 14. Mai 2020 an den Wirecard-Chef: "Lieber Herr Dr. Braun, es macht fassungslos, wie Fakten und die Darstellung von Fakten auseinanderfallen können. Bleiben Sie stark!"

Der Bericht legt auch eine Verbindung zu der Beratungstätigkeit des früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg nahe, der mit seiner Consulting-Firma Spitzberg Partners für Wirecard tätig war. Er und Diekmann, die als gut miteinander bekannt gelten, sollen demnach gemeinsam an einer Besprechung für diesen Kunden teilgenommen haben. Zu Guttenberg ist Mitte Dezember bei seinem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags unter anderem gefragt worden, ob er sich auch mit Diekmann zu Wirecard ausgetauscht habe. Das wisse er nicht mehr genau, sagte er dem Gremium damals.


Und was sagt Kai Diekmann? HORIZONT hat ihn mit dem Bericht von "SZ"/WDR/NDR konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Bislang keine Reaktion. mam
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