Beben bei Bauer

Deutschland-Verlagschef Sven Dams geht / Business Development "pausiert"

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Sven Dams (l.) verlässt Bauer, Ingo Klinge wird neuer Deutschland-CEO
© Bauer Media Group
Sven Dams (l.) verlässt Bauer, Ingo Klinge wird neuer Deutschland-CEO
Personeller Paukenschlag bei der Bauer Media Group in ihrem größten Einzelmarkt Deutschland – und zugleich in der Publishing-Sparte, ihrer wichtigsten Geschäftssäule: Sven Dams, seit Anfang 2019 Chef der hiesigen Print- und verlegerischen Digitalaktivitäten, nimmt seinen Hut. Zugleich lässt Bauer die weltweite Publishing-Geschäftsentwicklung angeblich wegen der Corona-Krise "vorübergehend pausieren". Auch deren Leiterin Stefanie Hauer verlässt Bauer – aber wohl nicht nur vorübergehend.
Ingo Klinge, bisher stellvertretender Leiter der deutschen "Publishing Business Unit" und als Geschäftsführer operativ für die Frauen- und Yellow-Titel verantwortlich, rückt hier als CEO nach. Nicht jedoch auf Dams parallelen Posten als Co-Chef der weltweiten Publishing-Aktivitäten der Bauer Media Group: Hierfür wird Rob Munro-Hall als "Präsident" künftig alleine verantwortlich sein; Klinge wird an ihn berichten. Damit ist das deutsche Verlagsgeschäft, früher wie heute (aber wohl nach Einschätzung der Verlagsspitze und, glaubt man manchen Mitarbeitern, angeblich auch durch Vernachlässigung nicht mehr zukünftig) die Basis aller Bauer-Gewinne, zumindest organisatorisch nun weiter weg denn je von Verlegerin und Konzern-CEO Yvonne Bauer und ihrem COO Veit Dengler. Wer will, kann im übertragenen Sinne darin auch den Hintergrund für Dams‘ Abgang, wohl tatsächlich "auf eigenen Wunsch", lesen.


Denn Dams ist nicht der erste Top-Manager in Bauers deutschem Verlagsgeschäft, der seinen Hut nimmt: So hatte der langjährige Konzerngeschäftsführer Jörg Hausendorf das Haus im vergangenen April verlassen, gefolgt von Vermarktungschef Dirk Wiedenmann im Juli und der Forschungsstrategin Catherin Anne Hiller im November. Hintergrund: Bauer wandelt sich vom Verlag zur Portfolio-Holding, die Bedeutung des Magazingeschäfts relativiert sich offensichtlich. Dessen Mitarbeiter vermissen seit langem die Wertschätzung der Verlagsspitze für und Investitionen ins Publishing. Also in das Geschäft, das doch noch lange jenes Geld verdienen soll, mit dem Bauer seine neuen Aktivitäten aufbauen und in Schwung bringen will, etwa Vergleichs- und Vermittlungsportale für Finanz-, Handy- und Stromverträge. Von deren Erfolg bisher ohnehin wenig zu sehen ist. Zudem fremdeln viele alt- und neugediente Publishing-Mitarbeiter bisweilen mit dem Führungszirkel um Veit Dengler (siehe HORIZONT 18/2019).

Zu diesem sehr erweiterten Kreis gehörte eigentlich auch Stefanie Hauer – doch auch sie verlässt Bauer jetzt; hier fehlt die Formel "auf eigenen Wunsch" im Pressetext. Hauer kam erst Anfang 2019 ins Haus. Die einstige Bauer-Trainee arbeitete 15 Jahre lang bei der Zeit, am Ende als Verlagsleiterin. Zuletzt war sie kurz bei Madsack Geschäftsführerin der Lübecker Nachrichten. Im weltweiten Publishing-Führungsteam neben Dams und Munro-Hall sollte sie sich um "Business Development" kümmern und dabei "out of the box denken". Während ihre Demission von Dauer scheint, soll ihr Bereich "vorübergehend pausieren", laut Bauer "als Folge der Corona-Krise". Wie lange? "Bis mehr Visibilität auf die langfristigen strukturellen Folgen der Krise für die Wirtschaft besteht", so der Verlag.


Der neue Deutschland-Verlagschef Ingo Klinge war seit Oktober 2018 Vize im „German Publishing Board“ und in vielen Jahren zuvor Geschäftsführer oder Verlagsleiter der unterhaltenden Frauen- und Yellow-Titel. 2001 kam er zu Bauer, zunächst als Verlagsleiter einiger Programmzeitschriften. Der nun scheidende Dams startete seine Karriere 1994 als Trainee bei Bauer und war danach unter anderem Bravo-Objektleiter. 2003 wechselte er als Verlagsleiter zu Burda und kehrte 2012 als Programmie-Chef zu Bauer zurück. rp
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