BDZV-Kongress

Die Agenda von Mathias Döpfner in vier Botschaften

Mathias Döpfner hat vor dem BDZV-Kongress vier Botschaften in petto
© Max Threlfall
Mathias Döpfner hat vor dem BDZV-Kongress vier Botschaften in petto
Anfang kommender Woche lädt der BDZV nach Berlin. Vor einem Jahr war die Tagung vom Streit mit ARD und ZDF dominiert. Dieser Streit ist mittlerweile beigelegt, auch beim Leistungsschutzrecht sind die Verleger einen Schritt weitergekommen. Im Interview mit HORIZONT spricht der seit zwei Jahren amtierende Verbandspräsident Mathias Döpfner über den aus seiner Sicht desolaten Zustand der Medienpolitik und hat vier Botschaften in petto.
Botschaft Nummer 1: Mathias Döpfner erkennt bei Medienpolitikern "ein erschütterndes Maß an Wissensmangel über die entscheidenden Herausforderungen unserer Gegenwart und Zukunft". Vorwerfen wolle er das niemandem, sagt er, "weil die Komplexität der technologischen Herausforderungen so groß und so gravierend geworden ist, dass es für den Einzelnen fast unmöglich ist, dem gerecht zu werden". Er könne daher nur "dringend empfehlen, echte und befugte Kompetenzzentren zu schaffen, um diese Schicksalsfragen in der Tiefe zu durchdringen", denn: "Wer etwa beim Thema Künstliche Intelligenz innovativ führt, erringt erst wirtschaftlich, dann politisch und letztlich geostrategisch Dominanz." Doch wie die Dinge liegen, werde sich das zwischen dem Silicon Valley, also den USA, und China entscheiden, sagt Döpfner. Global fürchtet er, dass selbst die USA ins Hintertreffen geraten könnten. In China gelte ein völlig anderer Regulierungsrahmen: "Da wird gemacht, was dem totalitären Regime dient, mit gravierenden Folgen für die Verhältnisse in der Welt". Die Europäer spielten im Gegensatz dazu derzeit überhaupt keine Rolle, "die Deutschen stehen bloß staunend daneben – trotz der vielen Talente, herausragender Unternehmer, Ingenieure und Entwickler".

Botschaft Nummer 2 betrifft einen Gesetzesvorschlag, den kürzlich – "ausgerechnet", wie Döpfner sagt – die SPD-Chefin und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles unterbreitet hat: Sie nennt es das "Daten-für-alle"-Gesetz. Wenn es denn käme, würden Internet-Riesen verpflichtet, ab einer bestimmten Marktmacht einen Teil ihres Datenschatzes öffentlich zu teilen. Döpfner nennt das "den aus meiner Sicht wichtigsten medien- und digitalpolitischen Vorschlag dieses Jahres". Er erinnert an das wirtschaftshistorische Vorbild, die einstige gesetzliche Verpflichtung von Bell Telephone, die Patente offenzulegen. Auch dieses US-Monopol habe sich seinerzeit innovationshindernd ausgewirkt, ähnlich wie heute die marktmächtigen GAFAs. Döpfner: "Die gesetzliche Verpflichtung, die Patente offenzulegen, ermöglichte damals kleineren Unternehmen mehr Chancengerechtigkeit, um eigene Geschäftsmodelle zu entwickeln."
„Wer etwa beim Thema Künstliche Intelligenz innovativ führt, erringt erst wirtschaftlich, dann politisch und letztlich geostrategisch Dominanz.“
Mathias Döpfner
Mit der Botschaft Nummer 3 appelliert der BDZV-Präsident an die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Werbungtreibenden: Zwar liege es "im Wesen des Unternehmertums, mit gesundem Egoismus das eigene Wachstum, den eigenen Erfolg, den eigenen Gewinn zu optimieren", auch scheiterten Unternehmen, "die zu früh oder zu oft staatsbürgerlich wertvoll, idealistisch oder gar philanthropisch handeln". Für Kurzfristigkeit, Egoismus und Opportunismus gebe es aber Grenzen: "Ein Unternehmen, das mit jedem in jeder Situation jedes Geschäft eingeht, schadet nicht nur der Gesellschaft, sondern ruiniert sich langfristig selbst." Dessen müsse sich jeder bewusst sein, der es mit Systemen zu tun habe, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten würden. Döpfner: "Wir erleben das immer wieder: Da passiert einem Zulieferer schnell mal, dass China nur noch chinesische Zulieferungen erlaubt. Gesetze werden einfach geändert, wenn es nicht passt. Auch in der Türkei oder in Russland haben europäische und deutsche Unternehmen sehr bittere Erfahrungen gemacht".

Einen ähnlichen Appell richtet der 55-Jährige an Unternehmen, die lieber in Google und Facebook als in journalistischen Umfeldern werben: Das möge kurzfristig effizient erscheinen, langfristig könne das einer Marke schaden, "insofern hoffe und setze ich auch in diesem Punkt auf die selbstregulierenden Kräfte des Marktes".

Schließlich Botschaft Nummer 4: Sie kommt zur Mitte seiner ersten Amtszeit als BDZV-Präsident. Sollten es die Verleger wollen, sagt Döpfner, stünde er für weitere vier Jahre zur Verfügung. Er hat Spaß gefunden an dem Amt, auch, "weil mich die medienpolitischen Rahmenbedingungen als Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg schon als CEO bei Axel Springer mehr und mehr beschäftigt haben". Man könne "operativ noch so exzellent sein, wenn der Rechtsrahmen nicht stimmt, ist alles nichts". Im Interview verrät Mathias Döpfner auch sein berufliches Erfolgsgeheimnis. Als er vor 20 Jahren bei Axel Springer angefangen habe, hätten ihm alle gesagt, wie er was machen solle, auf wen er Rücksicht nehmen, mit welchen Lagern er sich gut stellen müsse. "Das war mir zu kompliziert, ich hätte mir das alles gar nicht merken können". Also habe er entschieden, "einfach das zu machen, was ich für richtig halte". Er nennt das seine "Befreiungs- und Überlebensstrategie".

Diese "Anti-Taktik" wende er auch auf dem (medien-)politischen Parkett an: "Man denkt ja immer, dass man in der politischen Welt besonders geschmeidig, taktisch versiert und kompromissbereit agieren muss", sagt Döpfner und räumt ein: "Ich bin dafür nicht gemacht. Mir liegt das Herz auf der Zunge, ich mag spitze und zugespitzte Formulierungen, und ich stelle fest, dass man mit Geradlinigkeit und Offenheit weiter kommt als gedacht." usi 

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