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Diese drei Trends bestimmen die Zeitungsbranche 2019

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gehört zu den wichtigsten Trends in deutschen Zeitungsverlagen.
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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gehört zu den wichtigsten Trends in deutschen Zeitungsverlagen.
Künstliche Intelligenz, lokale Logistik und differenzierte Preis- und Angebotsmodelle stehen auf der Prioritätenliste der Zeitungshäuser ganz oben. Das ist das Ergebnis der fünften Trendumfrage des Verlegerverbands BDZV in Kooperation mit der Beratungsfirma Schickler. HORIZONT erklärt die Ergebnisse im Detail und präsentiert als besonderen Service eine Grafik mit allen bisher denkbaren Einsatzmöglichkeiten für KI.

1. Die Verlage setzen auf Künstliche Intelligenz in marktnahen Bereichen

Künstliche Intelligenz wird vor allem in marktnahen Bereichen aufgebaut.
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Künstliche Intelligenz wird vor allem in marktnahen Bereichen aufgebaut.

2. Sie experimentieren mit flexiblen Angebots- und Preismodellen (Bundles)

Preis- und Angebotsdifferenzierung werden von 79 Prozent der Verlage eingesetzt. Der Fokus liegt auf Bundles
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Preis- und Angebotsdifferenzierung werden von 79 Prozent der Verlage eingesetzt. Der Fokus liegt auf Bundles

3. Wachstumschancen erkennen sie bei innovativem Neugeschäft in der lokalen Logistik

Verlage nutzen ihre Logistik-Kompetenz für Briefzustellung und lokale Mehrwertleistungen.
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Verlage nutzen ihre Logistik-Kompetenz für Briefzustellung und lokale Mehrwertleistungen.



72 Teilnehmer, die 57 Prozent der Auflage aller deutschen Tageszeitungen vertreten, haben geantwortet. Damit ist die Umfrage laut Schickler repräsentativ. Allesamt gehen die Verlagsvertreter davon aus, dass die Print-Auflagen und -Werbeerlöse 2019 um 3,4 beziehungsweise 2,9 Prozent schrumpfen werden, während die E-Paper-Auflagen um 9,2 und die Erlöse aus Digitalwerbung um 6,6 Prozent wachsen. Im Detail zeigt sich allerdings, dass die großen Verlage Digitalinnovationen offensiver angingen, sagt Schickler-Partner Rolf-Dieter Lafrenz und folglich dort auch stärker wachsen, während sich Print bei den kleinen Häusern als stabiler erweist. Umso wichtiger sei es, die schon jetzt vielfältigen Angebote der Verlage noch individueller auf die Kunden anzupassen und entsprechende Bundle-Angebote aus Print und Digital zu schaffen. Sie dienen als Mittel, um einerseits Neukunden zu gewinnen, vor allem durch niedrigpreisige Einstiegsangebote, und andererseits dienen sie auch dazu, Bestandskunden vom Kündigen abzuhalten. Zwei Drittel der Verlage sehen daher mehr Chancen als Risiken beim Experimentieren mit differenzierten Preisen und Angeboten.

Während die Logistik seit längerem schon als strategisch relevanter Wachstumstreiber gilt, gleichzeitig aber unter einem massiven Mangel an Zustellern leidet, ist Machine Learning ein noch junger Trend. KI schätzen inzwischen fast alle großen Verlage (96 Prozent) für sich als relevant bis sehr relevant ein, bei den kleinen Verlagen ist es gut die Hälfte (58 Prozent). Bisher erprobt werden Roboterjournalismus, personalisierte Content- und Werbeausspielung sowie datengesteuertes Marketing für Paid-Angebote. Schickler hat alle denkbaren Einsatzmöglichkeiten in einer Grafik zusammengetragen. 
Zum Vergrößern bitte klicken!
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Optionen für weitere Anwendungen werden vor allem für den Werbemarkt prognostiziert (um Verkaufs- und Upselling-Chancen zu identifizieren), aber auch in der Redaktion (Roboterjournalismus für Börsen-, Wetter- und Sportberichte) sowie im Lesermarkt (um abhängig von der Zustellqualität künftige Kündiger zu erkennen).

Wo es bereits KI-Teams gibt, sind diese übrigens entweder als eigene Stabsabteilung oder in der IT angesiedelt. Das zeige laut Lafrenz, dass die Verlage Chancen in allen Bereichen sehen. Grundsätzlich empfiehlt Schickler jedoch, mit kleinen, fokussierten Projekten zu starten. Da KI ein tiefes Verständnis der Organisation und Prozesse erfordere, sei außerdem eine enge Anbindung ratsam. Allerdings sollte ein Grundwissen bei allen Mitarbeitern geschaffen werden, denn die spannenden KI-Lösungen seien in Detailprozessen zu vermuten. usi
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