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Sven Dams wird Deutschland-Chef / "Neue Titel mit sechsstelliger Auflage sind möglich"

Sven Dams
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Sven Dams
Antritt mit Agenda: Die Bauer Media Group installiert in ihrem wichtigsten Einzelmarkt Deutschland eine neue oberste Spitzenposition und befördert Sven Dams zum Leiter des hiesigen Print- und Digitalgeschäfts. Und der macht schon mal ein paar klare Ansagen.

Dams, 54, entlastet damit ab sofort Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf. Hintergrund: Bauer wandelt sich gerade vom Verlag zur Portfolio-Holding, geführt von einem Quartett – Verlegerin Yvonne Bauer, Hausendorf, Veit Dengler und Harald Jessen – mit zumeist globaler Zuständigkeit für einzelne Sparten. Hausendorf verantwortet etwa die Print- und Digitalgeschäfte in Kontinentaleuropa und damit auch in Deutschland. Hier hatte er im Herbst vier Manager in eine erstmals installierte Geschäftsführung berufen: Die Titelgruppen-Geschäftsführer Dams (Programmhefte) und Ingo Klinge (Frauen) sowie Vertriebschef Heribert Bertram und Vermarktungsboss Dirk Wiedenmann. Seither durfte über die Berufung eines Deutschlandchefs auch aus ihrem Kreis spekuliert werden.



Das Rennen macht nun Dams. Er berichtet an Hausendorf; die übrigen drei Mitglieder des deutschen Publishing Boards (das in seiner Funktion und Zusammensetzung bestehen bleiben soll) berichten nun an Dams. Er startete seine Karriere 1994 als Trainee bei Bauer und war danach unter anderem Bravo-Objektleiter. 2003 wechselte er als Verlagsleiter zu Burda und kehrte 2012 als Programmie-Chef zu Bauer zurück. Diesen Job wird Dams bis auf weiteres zusätzlich behalten. Aktuell befinde sich das Unternehmen "in einer höchst spannenden und gleichzeitig herausfordernden Phase des Umbruchs", sagt Hausendorf. Er habe großes Vertrauen in Dams, dass er Bauer in Deutschland "souverän und mutig" führen werde.

Tatsächlich gibt sich Dams zum Start maximal offensiv: Publishing bleibe die tragende Säule des Bauer-Business. Mit Print- und Digitalmedien dürfte das Haus hierzulande über 80 Prozent seiner Umsätze erzielen, da das Radio- und Vergleichsportalgeschäft für Bauer in Deutschland eine kleinere Rolle spielt als in Bauers Auslandsmärkten. Also in der Heimat volle Kraft aufs Publishing: "Ich kann nicht verstehen, wie manche in unserer Branche das Geschäft derart schlechtreden", sagt Dams gegenüber HORIZONT Online. Die Verlage hätten es selbst in der Hand, bei den Auflagen "die Fallraten vieler Objekte zu reduzieren". Durch mehr Leserforschung, verstärkten internen Informationsaustausch und "eventuell hier und da auch mal eine neue Stelle" will er die eigenen Hefte verbessern und Nebengeschäfte ausbauen.


Und ganz neue Titel? "Hier sind wir noch nicht schnell genug", sagt Dams und glaubt, dass die Zukunft von Print nicht allein in den Nischen liege. "Ich denke, dass wir nach wie vor Magazinkonzepte finden können, die mehrere 100.000 Exemplare verkaufen können – diese Geschichte ist noch nicht auserzählt. Hier wollen wir uns intensiver auf die Suche begeben."

Speziell den Werbemarkt nimmt er sich vor. Von den Kunden und Agenturen erwartet er "mehr faktenbasiertes Entscheiden". Dams: "Viele große Marken wurden mithilfe eines klassischen Mediamix' aufgebaut, maßgeblich mit Print. Diese langfristige Werbewirkung müssen wir besser beweisen und erklären. Ob die aktuell gehypten Kanäle einen ähnlichen Beitrag zum Markenaufbau leisten können, bleibt abzuwarten." rp

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