Axel Springer

Friede Springer regelt das Erbe

Friede Springer mit Mathias Döpfner
© Christian Kielmann
Friede Springer mit Mathias Döpfner
Die Verlegerenkel Ariane und Axel Sven, genannt „Aggi“, sind aus der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik ausgeschieden. Dort hat nun die Witwe des Verlegers das alleinige Sagen. Diese Freiheit war ihr anscheinend einiges wert. Ihre nach dem Ruin von Leo Kirchs Imperium mühsam errungene Aktienmehrheit hat sie zwar verloren. Zusammen mit Vorstandschef Mathias Döpfner kann sie jedoch auch in Zukunft mit mehrheitlicher Stimme entscheiden. Die Vereinbarung soll den Weg ebnen, um Axel Springers Vermächtnis langfristig zu sichern.

Zum Entscheiden brauche sie „keine zwei Jahre“, sagte Friede Springer im März 2016. Damals war von einem Machtkampf die Rede, in den neben Vorstandschef Mathias Döpfner die langjährige Anwältin und Vertraute der Springer-Mehrheitsaktionärin, Karin Arnold, verwickelt war. Das mit dem Machtkampf bezeichnete Friede Springer seinerzeit als Unsinn. Anlass für die Spekulationen war zum einen Arnolds Bestreben, mehr Einfluss zu bekommen und zum anderen der verworfene Plan, die Rechtsform der Axel Springer SE in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umzuwandeln. Sie hätte Friede Springers Rechte angeblich selbst im Fall einer Kapitalerhöhung nicht verwässert, aber die Mehrheitsaktionärin traute der Sache nicht: „Die anderen Aktionäre wollten es nicht, die Berater waren sich nicht einig. Und ich hatte auch kein gutes Gefühl“, sagte sie und fügte hinzu: Sie wisse natürlich, „dass ich Vorsorge treffen muss für den Zeitpunkt, ab dem ich nicht mehr selbst entscheiden kann“.



Es hat nun ein wenig länger gedauert als zwei Jahre. Friede Springer ist inzwischen 76. Mit der am Montag, den 26. November, geschlossenen Vereinbarung glaubt sie die notwendige Voraussetzung geschaffen zu haben, um „den Mitarbeitern und dem Vorstand von Axel Springer langfristig eine verlässliche Perspektive für die Zukunft des Unternehmens zu geben. So können wir gemeinsam die große Erfolgsgeschichte des Unternehmens fortschreiben“.

Konkret besteht die Vereinbarung darin, dass Axel Springers Enkel Ariane und Axel Sven (Aggi) Springer Anteilseigner bleiben. Sie scheiden jedoch aus der Gesellschaft für Publizistik aus. Sie versammelte bis dato 47,3 Prozent an der Axel Springer SE. Stattdessen erhalten die Geschwister direkt Aktien an der Axel Springer SE.


Ariane Springer übernimmt 2,36 Prozent der Konzernanteile in Form von 2,55 Millionen Aktien. Der Wert dieses Pakets beläuft sich auf Basis des aktuellen Aktienpreises in Höhe von 55,50 Euro auf rund 142 Millionen Euro. 7,36 Prozent übernimmt ihr Bruder Aggi – und hier fällt eine Besonderheit auf: Allem Anschein nach erhielt er für sein Zugeständnis ein Goodie. Neben den 7,55 Millionen Aktien bekommt er in einer zweiten Tranche weitere 400 000 Aktien. Summa summarum ist sein Paket damit 422 Millionen Euro wert. Dass Aggi Springer seiner Stiefgroßmutter dieses Extra abrang, verwundert insofern nicht, da er mit ihr, die einst als Kindermädchen in die großväterliche Villa eingezogen war, in der Vergangenheit immer mal wieder auch öffentlich Streit ums Erbe austrug. Davon zeugt unter anderem sein 2012 erschienenes Buch „Das neue Testament: Mein Großvater Axel Springer, Friede, ich und der Strippenzieher. Die wahre Geschichte einer Erbschaft“. Seither scheinen die familiären Bande zwar nach wie vor nicht zu einem sachlichen Verhältnis geführt zu haben, immerhin droht aber auch kein weiteres Ungemach. Die Enkel bleiben als Aktionäre an Bord und teilen mit, an ihrem „persönlichen Engagement und der Verbundenheit mit dem Unternehmen Axel Springer SE“ werde sich „nach dieser Umstrukturierung nichts ändern“.

Was hat diese Umstrukturierung nun zur Folge? Zum einen muss Friede Springer nicht mehr das Vetorecht der Enkel fürchten. Aus ihrer Sicht ist das ein eindeutiger Vorzug, den sie genießen dürfte. Der Nachteil: Die Anteile der Gesellschaft für Publizistik am Springer-Konzern reduzieren sich von bisher 47,3 Prozent um 9,72 Prozent auf knapp 38 Prozent. Über sie verfügt Friede Springer nun allein. Zugleich aber verliert sie die von ihr lange und mühsam erstrebte Mehrheit, und das obwohl sie weitere 5,1 Prozent eigene Aktien besitzt. Hier kommt nun Mathias Döpfner ins Spiel.

Vor Jahren schenkte Friede Springer dem Vorstandschef ein Aktienpaket im Wert von rund 73 Millionen Euro – als Dankeschön dafür, dass er bei der Digitalisierung und Internationalisierung des Verlags die aus ihrer Sicht „richtigen Weichen“ gestellt habe. Aktuell beträgt Döpfners Anteil 2,8 Prozent. Da beide sich darauf verständigt haben, ihr Stimmrecht grundsätzlich gemeinsam und einvernehmlich auszuüben, bekräftigt das zwar Friede Springers Einfluss. Aber auch das sichert ihr künftig nicht die Mehrheit. Das ist der Moment, in dem nun allgemeine gesellschaftsrechtliche Erfahrungswerte, Berater und Juristen ins Spiel kommen.

Da erfahrungsgemäß bei keiner Hauptversammlung hundert Prozent des Stimmkapitals präsent sind, greift als Worst-Case-Szenario die Annahme einer Präsenz von 88 Prozent des Stimmkapitals. Auf Basis dieses Werts erreichten Mathias Döpfner und Friede Springer relativ gesehen und gemeinsam dann doch noch 52 Prozent und besäßen folglich in jedem Fall das gemeinsam ausgeübte, absolute mehrheitliche Stimmrecht.

All das beantwortet nicht die Frage nach dem künftigen Erbe, schafft aber die Voraussetzung dafür. Damit noch einmal zurück ins Jahr 2016, in dem Friede Springer sagte: „Für mich stand schon immer fest, dass ich zwei voneinander getrennte Welten möchte. Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen, und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen kümmert“.

Damit gemeint sind die Friede-Springer-Stiftung, die Friede-Springer-Herz-Stiftung und die Axel-Springer-Stiftung. Sie verfolgen wissenschaftliche und wohltätige Ziele und sollen getrennt gehalten werden von einer noch zu gründenden gemeinnützigen Gesellschaft. Sie soll in absehbarer Zeit nach dem Vorbild des Bosch-Konzerns alle bisher von der Gesellschaft für Publizistik und auch die von Friede Springer selbst gehaltenen Aktien übertragen bekommen und aus den Dividenden die drei bestehenden Stiftungen finanzieren.

Bleibt die Frage, wer diese gemeinnützige Gesellschaft eines Tages führen soll. Es liegt auf der Hand. Jemand, der „aus dem Verlag kommt, der weiß, wie man ein Unternehmen führt und dessen Herz für Journalismus schlägt“, stellt sich Friede Springer vor. Tatsächlich gibt es nur einen, auf den diese Beschreibungen zutreffen. Er ist 55 Jahre alt, kam vor 20 Jahren als Journalist zum Verlag und lenkt den Konzern seit 2002 mit unternehmerischer Weitsicht. Sein Name: Mathias Döpfner. usi

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