Bild-Chef Julian Reichelt
Axel Springer nimmt Stellung zu den Behauptungen, mit denen sich der Bild-Chefredakteur seit dem Wochenende auch öffentlich konfrontiert sieht. Im Intranet erklären sich der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner und der für News Media zuständige Jan Bayer zu den Vorgängen. Sie warnen zugleich vor Vorverurteilung. HORIZONT dokumentiert die Erklärung im Wortlaut.
Den Anfang machte Jan Böhmermann. Am Freitagabend sprach der Comedian in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" erstmals, wenn auch vermeintlich nur am Rande, von einem Compliance-Verfahren gegen Bild-Chef Julian Reichelt. Kurz darauf stiegen die Journalisten Stefan Niggemeier und Friedrich Küppersbuch raunend mit ein. Nutzer von sozialen Medien, allen voran Twitter, folgten den zahlreichen Anspielungen mit einer Mischung aus Neugierde, Häme und Verachtung bis hin zu Aggressivität. Schließlich war es der Spiegel, der am Montagnachmittag von Vorwürfen schrieb, denen sich Reichelt in einem Compliance-Verfahren stellen müsse. Um den Sachverhalt von einer unabhängigen Seite aufklären zu lassen, hätten Springer und der Compliance Officer des Verlags, Florian von Götz, die Kanzlei Freshfields eingeschaltet.
Das Verfahren läuft wohl schon einige Tage länger, ein Ergebnis könnte bereits im Laufe dieser Woche vorliegen. Nun hat sich Springer unter dem Druck der Öffentlichkeit erstmals im Intranet gegenüber den Mitarbeitern geäußert. Was genau Reichelt vorgeworfen wird, thematisiert die Erklärung nicht. Es geht dem Vernehmen nach zum einen um angeblichen Drogenmissbrauch, den Reichelt bestreitet, zum anderen um eine Reihe intimer, aber einvernehmlicher Beziehungen, die der Bild-Chef in der Vergangenheit mit Mitarbeiterinnen geführt hatte. Die Frauen, die sich in dem Compliance-Verfahren Anonymität zusichern ließen, behaupten, sich nach dem Ende der Beziehungen von Reichelt unfair behandelt gefühlt zu haben, gar Mobbing ausgesetzt gewesen zu sein.
Bild-Chefredakteur
Axel Springer untersucht Vorwürfe gegen Julian Reichelt
Bild-Chefredakteur Julian Reichelt muss sich einer internen Untersuchung stellen. Das berichtet Der Spiegel. Dem obersten Journalisten der Bild wird demnach Fehlverhalten gegenüber mehreren Mitarbeiterinnen vorgeworfen. ...
Zu den Hinweisgebern, die das Compliance-Verfahren auslösten, gehören dem Vernehmen nach auch ehemalige Bild-Redakteure, darunter nicht nur Frauen. Nicht auszuschließen ist, dass bei den Vorwürfen Eifersucht, vor allem aber Rachegefühle im Spiel sein könnten, denn eines ist klar: Bild-Chefredakteur Julian Reichelt hat intern wie extern Feinde, und zwar nicht wenige, und sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wie auch im Übrigen mit Mitarbeitern ist alles andere als zimperlich. Viele verließen die Redaktion freiwillig, andere wurden gegangen.
HORIZONT dokumentiert die am heutigen Dienstagnachmittag im Intranet veröffentlichte Erklärung von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Jan Bayer, Vorstand News Media, im Wortlaut.
usiLiebe Kolleginnen und Kollegen,
wir wissen, dass die aktuelle Medienberichterstattung zu einer Compliance-Untersuchung bei Bild viele von Ihnen sehr beschäftigt und beunruhigt. Sie werden sich fragen, was ist da dran und vor allem, was wird unternommen, um die Vorwürfe aufzuklären. Es ist für uns schwer, zu diesem Zeitpunkt im Detail Auskunft zu geben. Das können und dürfen wir bei einem laufenden Compliance- Verfahren auch nicht.
Wir möchten aber, dass Sie wissen, dass wir alles tun, um zügig und zugleich sorgfältig aufzuklären. Uns ist dabei daran gelegen, dass wir eine unabhängige Aufklärung sicherstellen. Daher haben wir auch externe Experten hinzugezogen, die den Vorwürfen nachgehen.
Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Das bedeutet: Es liegt bislang kein Ergebnis vor, weder in die eine noch in die andere Richtung. Julian Reichelt bestreitet die Vorwürfe. Bitte glauben Sie uns, auch wir wollen so viel Transparenz wie möglich. Wir wollen, dass jeder ohne Angst auf mögliche Missstände und Fehlverhalten hinweisen kann. Wir werden aber keine Form der Vorverurteilung zulassen.
Bei Axel Springer gilt: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal welche Funktion und Stellung sie haben, verdienen gleichermaßen unseren Schutz und unsere Fürsorge. Für uns ist wichtig, dass wir bald Klarheit haben.
Mit herzlichen GrüßenMathias Döpfner, Jan Bayer