Axel Springer

Am 4. Mai 2020 beginnt die neue Zeitrechnung

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Das Axel-Springer-Haus in Berlin
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Das Axel-Springer-Haus in Berlin
Operativ sei 2019 für Axel Springer solide verlaufen, nicht mehr und nicht weniger, bilanziert Finanzvorstand Julian Deutz. Abschreibungen, eine hohe Nettoverschuldung und Rückstellungen prägten das Geschäftsjahr zusätzlich zum schwierigen Marktumfeld. 2020 bedeutet für den Konzern eine Zäsur. Es geht um langfristiges Wachstum mit Hilfe des Investors KKR.



Es lohnt sich, einfach einmal das aktuelle Impressum der Bild am Sonntag anzusehen und es mit der Realität abzugleichen. Lässt man die ohnehin medienübergreifend und autark arbeitenden „Kompetenzzentren“ für Sport- und Autothemen außen vor, hat sich allein die Redaktion der BamS halbiert. Mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter sind noch im Impressum aufgeführt, obwohl klar ist, dass sie das Haus im Zuge der Redaktionsfusion mit Bild verlassen.

Insofern klingt schlüssig, was Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch bei der telefonisch abgehaltenen Bilanz-Präsentation für das Geschäftsjahr 2019 sagte: Möglicherweise müsse der Konzern auf das Mittel betriebsbedingter Kündigungen gar nicht zurückgreifen. Ein Großteil des 50 Millionen Euro schweren Sparprogramms im rückläufigen analogen Geschäft sei bereits abgeschlossen. Im Vordergrund stehen nun Investitionen: ins Digitale, ins internationale Geschäft und in Akquisitionen, wo sie sich anbieten.


Der Ausbau insbesondere von Bild zur "Live-Plattform für News, Entertainment und Sport" sowie der Aufbau von Subskriptionsmodellen für die internationale Marke Business Insider sind das eine. Worum es bei Axel Springer nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR als dann größter Aktionär wirklich geht, ist etwas anderes: Weltmarktführer bei digitalem Journalismus und Rubrikenmärkten will Axel Springer werden. Das sei ein anspruchsvolles Ziel, sagte Döpfner, andererseits: So viele vergleichbare Wettbewerber gebe es auch wieder nicht.

Nachdem sich der Unternehmenswert in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht habe und der Anteil der digitalen Aktivitäten am Konzernumsatz inzwischen 73 Prozent betrage, beginne nun „die spannendste Entwicklungsphase von Axel Springer“, die spannendste, fügte Döpfner an, „die ich jedenfalls begleiten werde“. Dafür brauche es neben der Bereitschaft zu Investitionen und der Bereitschaft zu Innovationen Technologiekompetenz und nicht zuletzt einen langen Atem.

Geplant sei, unabhängig vom Druck des auf kurzfristige Effekte schielenden Kapitalmarkts massiv in langfristiges Wachstum zu investieren. Das Delisting läuft derzeit. 35 Jahre war Axel Springer ein börsennotiertes Unternehmen Wirksam wird der Abschied vom Parkett voraussichtlich am 4. Mai dieses Jahres. usi
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