"Bild", "BamS", "Welt" & Co

Readly erweitert Flatrate um Tageszeitungen

Axel Springer ist der erste Tageszeitungspartner von Readly
© Readly
Axel Springer ist der erste Tageszeitungspartner von Readly
Wenn Apple am 25. März im Steve Jobs Theater in Cupertino seine neuen Produkte präsentiert, dann wird vor allem die Verlagswelt ganz genau hinschauen. Grund: Diesmal wird es wohl nicht wie sonst schwerpunktmäßig um iPhones, iPads oder MacBooks gehen. Vielmehr lässt der Slogan "It's Showtime" darauf schließen, dass Apple an diesem Tag seinen sehnlich erwarteten Videostreaming-Dienst und seine bereits vor dem Start umstrittene Magazin-Flatrate vorstellen wird. Readly geht derweil auf Nummer sicher und rüstet sich schon jetzt für den Kampf gegen den neuen Mega-Wettbewerber aus Kalifornien. Der digitale Flatrate-Kiosk weitet sein bislang auf Zeitschriften beschränktes Angebot nun auch auf Tageszeitungen aus.

Readly-Nutzer finden neben den insgesamt 3.700 Magazinen ab sofort auch Zeitungen in ihrer App, die sie wie gewohnt komplett herunterladen, speichern und dann bequem online oder im Offline-Modus lesen können. Was die Leser freuen dürfte: Am Preis ändert sich nichts. Die Flatrate, die derzeit einen Zugang zu rund 1000 deutschsprachigen Titeln bietet, kostet nach wie vor 9,99 Euro im Monat und bleibt monatlich kündbar.



Zum Start können Readly-Nutzer unter anderem die Bild lesen
© Readly
Zum Start können Readly-Nutzer unter anderem die Bild lesen
Zum Start steuert zunächst Axel Springer im Rahmen eines sechsmonatigen Tests die Titel "Bild", "Bild am Sonntag", "B.Z.", "Die Welt" und "Welt am Sonntag" bei. Bedenken, dass die Partnerschaft Kannibalisierungseffekte nach sich ziehen könnte, hat der langjährige Readly-Partner offenbar nicht. Aus Sicht von Michael Fischer, Geschäftsführer bei der Springer-Vermarktungsunit Sales Impact, lässt sich der Deal sehr gut mit der Strategie vereinbaren, die das Verlagshaus für seine Zeitungs- und Zeitschriftentitel entwickelt hat - und bei der es gedruckt wie digital nur um eines geht, nämlich den zahlenden Leser. "Mit dem Flatrate-Leseangebot von Readly testen wir einen weiteren digitalen Vertriebsweg und bauen so die Überallerhältlichkeit der Zeitungstitel der Bild- sowie der Welt-Gruppe für neue Lesergruppen aus", sagt Fischer. 

Springer soll freilich nicht der einzige Partner im Bereich Tageszeitungen bleiben. Die Gespräche mit anderen Verlagen laufen auf Hochtouren, heißt es bei Readly. Ein Argument, mit dem Readly um neue Partner wirbt, ist die Usability. So sollen alle Inhalte der Zeitungen ab April in einem für mobile Endgeräte optimierten Layout dargestellt werden. Zudem lockt Readly potenzielle Partner mit neuen Leserzielgruppen. So habe eine Studie des Finanzen Verlags gezeigt, dass 95 Prozent der Nutzer, die einen Titel auf Readly herunterladen, diesen Titel vorher nicht gelesen haben. Zudem verspricht Readly, das für das 4. Quartal 2018 in Deutschland 8,2 Millionen "bezahlt gelesene Ausgaben" ausweist (international waren es 19,2 Millionen), den Verlagen allerlei Daten über das Nutzungsverhalten der Leser.


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Philipp Graf Montgelas, Geschäftsführer DACH und Chief Expansion Officer bei Readly, ist daher auch optimistisch, das Angebot an Tageszeitungen bald noch deutlich aufstocken zu können. "Mit jedem populären Titel gewinnen wir mehr Nutzer. Mehr Nutzer bedeuten mehr Umsatz. Davon profitieren letzten Endes alle Verlage", wirbt Montgelas um weitere Partner. 

Gerade wenn es um die Umsatzbeteiligung der Verlage geht, hat Montgelas im künftigen Wettstreit mit Apple wahrscheinlich ein Ass im Ärmel. Grund ist das Revenue-Share-Model. Apple will angeblich die Hälfte der mit der geplanten Magazin-Flatrate erzielten Einnahmen selbst einsacken, was viele Verlage bereits auf die Palme brachte. Readly, das derzeit vier Büros in Schweden, Deutschland und UK unterhält und nach eigenen Angaben "auf Expansionskurs und daher noch nicht profitabel" ist, schüttet immerhin 70 Prozent des Nettoumsatzes an die Verlagspartner aus. Wieviel Geld Readly letztlich an die einzelnen Verlage überweist, hängt zwar auch von anderen Faktoren wie etwa der Lesedauer, der Anzahl der gelesenen Seiten und der Aktualität der gelesenen Ausgabe ab. Dennoch dürfte es Readly mit seinem 70:30-Modell einfacher haben, neue Partner zu finden, als Apple. mas

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