AWA 2020

Print-Reichweiten sinken / Nachwuchs beschert Youtube Traumreichweite

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Viele Zeitschriften müssen weiter mit sinkenden Leserzahlen leben
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Viele Zeitschriften müssen weiter mit sinkenden Leserzahlen leben
Die Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) erzählt immer auch Erfolgsgeschichten, die der großen Reichweitengewinner mit den gigantischsten Zuwächsen. Das ist in diesem Jahr nicht anders, selbst wenn die meisten großen Titel weiter Leser verlieren und die Gewinne der anderen sich oft auf niedrigem Niveau bewegen. Das große Aber: Die Feldarbeit der vorliegenden Erhebung endete am 17. März 2020 – also noch bevor Corona (auch) die Medienwelt durcheinandergewirbelt hat. Als Erklärung für die roten Zahlen kann Covid-19 also nicht herhalten.
Der größte Einzeltitel ist laut AWA erneut Einkauf aktuell der Deutschen Post (14,2 Millionen Leser). Im Vergleich zum Vorjahr büßt die Prospektsammlung mit TV-Programmbeilage allerdings rund 650.000 Leser ein, und auch alle anderen Reichweitengiganten verlieren: Der reichweitenstärkste, aktiv vom Leser nachgefragte und in diesem Fall vom Apotheker bezahlte Titel ist die A-Ausgabe der Apotheken Umschau mit 13,1 Millionen Lesern (minus 150.000). Der größte von Lesern bezahlte Titel bleibt weiterhin Axel Springers Bild mit 6,3 Millionen Lesern (minus 500.000), gefolgt von Bild am Sonntag (knapp 5,6 Millionen) und Spiegel (rund 5,1 Millionen).


Fast alle der genannten Zeitschriften führen mit diesen Zahlen auch die Liste der Titel mit den absolut höchsten Reichweitenverlusten an. Hinter "Spitzenreiter" Einkauf Aktuell und Bild reihen sich noch der Stern mit einem Minus von rund 450.000 auf noch 4,71 Millionen Leser sowie TV Digital (knapp 2 Millionen Leser, 410.000 weniger als 2019) und Bild am Sonntag (minus 400.000) ein.
Studien-Steckbrief
Name: AWA 2020
Auftraggeber/Institut: Institut für Demoskopie Allensbach
Zielsetzung: Markt- und Werbeträgeranalyse
Methode: nur mündlich-persönliche Interviews
Grundgesamtheit: Deutschsprachige Bevölkerrung ab 14 Jahre in ihren Haupt-Privathaushalten
Stichprobe: Personenstichprobe nach dem Quoten-Auswahlverfahren (23.191 Befragte) 
Feldzeit: 06.09.2018 – 13.03.2019 und 23.08.2019 – 17.03.2020
Die Reichweiten der anderen Tageszeitungen sinken im Vergleich zu Reichweitenprimus Bild moderater. Springers Welt kommt auf 1,49 Millionen Leser pro Ausgabe (minus 0,18 Millionen), die Süddeutsche Zeitung auf 1,21 Millionen Leser (minus 0,01 Millionen), die FAZ auf 0,87 Millionen (minus 0,01 Millionen). Das Handelsblatt verzeichnet sogar ein leichtes Plus auf jetzt rund 450.000 Leser pro Ausgabe.

Die Anzeigenblätter, die in der AWA als Gattung ausgewiesen werden, kommen in der aktuellen Analyse auf eine Reichweite von 32,7 Millionen Leser und müssen ein Minus von rund 1,5 Millionen hinnehmen. Die Reichweite der regionalen Abo-Zeitungen sinkt um rund eine Million Leser auf 24,5 Millionen Leser pro Ausgabe.


Die höchsten absoluten Reichweitenzuwächse gegenüber Vorjahr erzielt in der aktuellen AWA 2020 das Ökotest-Magazin, das rund 140.000 neue Leser dazugewinnt und nun auf knapp 1,2 Millionen Leser kommt. Direkt dahinter kommt Bauers TV 14 mit rund 100.000 neuen Lesern, gefolgt vom Mitgliedermagazin des Deutschen Alpenvereins DAV Panorama, das sich mit seinen nun 830.000 Lesern allerdings nicht am Kiosk behaupten muss. Unter den Gewinnern im fünfstelligen Bereich positionieren sich AW Architektur & Wohnen (plus 70.000 Leser), Gruner + Jahrs Flow (plus 60.000 Leser) sowie die Kundenmagazine Mit Liebe (Edeka, plus 50.000 auf insgesamt 3,7 Millionen Leser) und Gold (Netto, plus 60.000 Leser auf nun 570.000).

Detaillierter als bislang weist das Allensbacher Institut in der vorliegenden Analyse auch die Bewegtbildnutzung aus – und bringt enorme Generationenunterschiede ans Tageslicht, vor allem, was Youtube und andere Onlinevideo-Portale betrifft. Während 23,1 Prozent der deutschsprachigen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre die Google-Plattform und ähnliche Angebote nutzt, sind es bei den 14- bis 19-Jährigen schon 53,7 Prozent, bei den 20- bis 29-Jährigen knapp 47 Prozent. Das heißt: Bei den ganz jungen Mediennutzern haben Youtube & Co die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme, die in der AWA-Grundgesamtheit mit 67 Prozent Nutzung pro Tag nach wie vor am höchsten im Kurs stehen, offensichtlich längst verdrängt. Mithalten beim Nachwuchs können nur noch die Angebote der privaten Sender, die bei den 14- bis 19-Jährigen immerhin auf eine Reichweite von 51,3 Prozent kommen. kan
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