AWA 2019

Der Stern sinkt erneut am stärksten / Edekas Kundenmagazin gewinnt am meisten

Viele Zeitschriften müssen weiter mit sinkenden Leserzahlen leben
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Viele Zeitschriften müssen weiter mit sinkenden Leserzahlen leben
Die seit Jahren sinkenden Auflagen im Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt spiegeln sich auch in den Reichweiten der neuen Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA 2019) wider, zumal die Studie nur die Print-Nutzung erhebt. Nur 68 der diesmal 246 ausgewiesenen Titel, Kombis oder Gattungen konnten Leser hinzugewinnen. Und besonders ein Newcomer freut sich über gute Zahlen.

Die mit Abstand höchsten absoluten Reichweitenzuwächse gegenüber Vorjahr erzielt Edekas Kundenmagazin Mit Liebe, das rund 400.000 neue Leser hinzugewinnt und nun auf knapp 3,7 Millionen Leser kommt. Direkt auf den Plätzen 2 und 3 folgen dagegen zwei Zeitschriften, die sich am Kiosk und im Abo behaupten müssen: TV 14 (Bauer) und Bunte (Burda) mit 170.000 beziehungsweise 140.000 neuen Lesern. Sechsstellig gewinnen ansonsten nur noch zwei weitere Kundenhefte hinzu (Neue Apotheken Illustrierte, Hausarzt Patientenmagazin).



Über die größten relativen Reichweitenzuwächse können sich der Jahreszeiten Verlag bei A&W Architektur & Wohnen (plus 29 Prozent) und Klambt bei Grazia (plus 20 Prozent) freuen. Auch Gruner + Jahrs Couch (plus 18 Prozent) legt prozentual zweistellig zu, ebenso wie zum Beispiel Happinez (14), Madame (13), Landidee Wohnen & Deko (12) und das Handelsblatt (11).

Und die vielen Verlierer? Absolut am meisten büßen natürlich die großen Titel, Kombis und Segmente ein – hier können auch kleinere prozentuale Einbußen hohe absolute Einbrüche verursachen. So wie bei den Anzeigenblättern, die (bei nur 4 Prozent Minus) fast 1,5 Millionen Leser verlieren – aber immer noch 34,2 Millionen Menschen erreichen. Ähnlich bei den regionalen Abo-Zeitungen: Ihre Reichweite sinkt um über 1,2 Millionen auf 25,5 Millionen Leser. Die Post-Hauswurfsendung Einkauf aktuell büßt 780.000 Prospektnutzer ein, die Kundenmagazine Apotheken Umschau (Kombi) und ADAC Motorwelt 390.000 und 370.000 Leser.


Unter den Einzel- und auch Kauftiteln trifft es den Stern erneut am heftigsten: Das G+J-Magazin verliert 790.000 Leser (dahinter steckt allerdings ein Minus von 13 Prozent) und schafft immerhin noch eine Reichweite von knapp 5,2 Millionen Menschen. Bild kommen 620.000 Print-Leser abhanden, der BamS 380.000. Auch die drei großen Programmzeitschriften von Burda, Funke und Bauer, TV Spielfilm (minus 420.000 Leser), TV Digital (330.000) und TV Movie (320.000) verlieren stark.

Relativ am meisten Reichweite verlieren Mein Buffet (minus 32 Prozent), Cinema (27) sowie die Klatschtitel Echo der Frau (24), Neue Post und Frau von Heute (jeweils minus 23 Prozent). Ein Fünftel ihrer Leser büßen etwa auch Connect und Wohnidee ein, bei Kicker, Chefkoch und Playboy sind es jeweils 17 Prozent, bei 11 Freunde 16 Prozent. Zweistellig verlieren neben Stern, Glamour und Living at Home (jeweils minus 13 Prozent) etwa auch noch TV Digital, Schöner Wohnen, Landidee und Fit For Fun (alle minus 12 Prozent), Essen & Trinken, Instyle, Petra, Vogue, Jolie und Cicero (je minus 11 Prozent) sowie Bild der Frau, Die Aktuelle, Elle, Feinschmecker und Bravo (alle minus 10 Prozent).

Der größte Einzeltitel ist laut AWA erneut Einkauf aktuell (14,9 Millionen Leser). Der reichweitenstärkste aktiv vom Leser nachgefragte und von jemandem (vom Apotheker) bezahlte Titel ist die A-Ausgabe der Apotheken Umschau (13,3 Millionen). Und der größte von Lesern bezahlte Titel bleibt Bild (6,8 Millionen), gefolgt von BamsS (knapp 6 Millionen), Spiegel (5,4 Millionen, minus 3 Prozent) und Stern.

Vier Titel listet die AWA 2019 erstmals auf: Neben den beiden weiteren Edeka-Kundenmagazinen Yummi (630.000 Leser) und Gold (510.000), das die Edeka-Tochter Netto herausbringt, sowie dem von G+J produzierten Kundenheft Lufthansa Exclusive (400.000) ist dies als einziger Kauftitel Gruner + Jahrs Flow, der über Abo und Kiosk 260.000 Leser erreicht.

Zudem präsentiert der AWA-Herausgeber, das Institut für Demoskopie Allensbach, neue Erkenntnisse zur Zukunft des Lesens. Danach empfinden 65 Prozent der Deutschen über 16 Jahren Print als zeitintensiv, 39 Prozent haben Spaß dabei – bei Digitalmedien sind es nur 24 beziehungsweise 17 Prozent. Und 51 Prozent können sich das auf Papier Gelesene gut merken, bei Digital sind es nur 6 Prozent. Mehr dazu in der HORIZONT-Ausgabe 29/2019, die am 18. Juli erscheint. rp

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