Auf Youtube und Instagram

Influencerinnen bedienen Geschlechterklischees

BibisBeautyPalace präsentiert ihren Fans auf ihrem Youtube-Kanal verschiedene Produkte
© BibisBeautyPalace via Youtube
BibisBeautyPalace präsentiert ihren Fans auf ihrem Youtube-Kanal verschiedene Produkte
Die sozialen Medien transportieren ein einseitiges Frauenbild: Das zeigen zwei Studien der Malisa-Stiftung von Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth, in der die Darstellung von Frauen bei Youtube und Instagram sowie in Musikvideos untersucht wurde. Demnach bedienen Influencerinnen vor allem Stereotype, weil sie sich hauptsächlich mit Schminktipps, Basteln und Kochen beschäftigen. Die Accounts männlicher Social-Media-Stars sind hingegen breiter aufgestellt: Von Unterhaltung über Musik bis zu Games, Comedy und Politik.
Zum Einen ergaben die Studie, dass Frauen auf Youtube und Instagram deutlich unterrepräsentiert sind. "Frauen kommen in den erfolgreichsten Angeboten, also den Top 100 auf Instagram, Youtube und so weiter halb so oft vor, wie die Männer", sagte Malisa-Stiftungsgründerin Maria Furtwängler im Kulturradio vom rbb.


Und wenn sie vorkommen, repräsentieren sie Geschlechterklischees, wie die Erhebungen zeigt. Denn in ihren Feeds beschäftigen sich die Influencerinnen vor allem mit Beauty, Schminktipps, Liebe, Food und Mode. Außerdem zeigen sich 71 Prozent hauptsächlich im privaten Raum und 61 Prozent der Frauen deklarieren ihr Tätigkeit als Hobby, nicht als professionelles Können.

„Wenn man das so anschaut, hat man ein bisschen das Gefühl, das ist das Frauenbild der 50er Jahre, das da gepuscht wird.“
Maria Furtwängler, Schauspielerin & Gründerin Malisa-Stiftung
Die Studie wurde von Maria Furtwängler initiiert
© Mathias Bothor
Die Studie wurde von Maria Furtwängler initiiert
Männer würden sich hingegen diverser darstellen. "Die können erstens dünn sein, dick sein, lustig sein, klug sein, die können Entertainment machen, die können auch Beauty machen, die können aber auch Politik und Comedy machen. Und sie sind häufig im öffentlichen Raum", so Furtwängler. "Wenn man das so anschaut, hat man ein bisschen das Gefühl, das ist das Frauenbild der 50er Jahre, das da gepusht wird."


Eine ähnliche Problematik zeige sich in Musikvideos, die heute häufig über Youtube angesehen werden. Die Studieninitiatorinnen nahmen "mehrheitlich" Frauen wahr, "die sexy und passiv inszeniert werden". Außerdem sei der Anteil der Sängerinnen geringer als der der Sänger: In den Top 100 liegt der Anteil der Frauen seit Jahren bei knapp einem Drittel.

Dass das Frauenbild in den sozialen Medien seine Spuren bei den Nutzern und Nutzerinnen hinterlässt, beweisen weitere Ergebnisse der Rezeptionsstudie. Denn jugendliche Konsumentinnen betrachten die Influencerinnen als Vorbild und ahmen deren Posen und Aussehen nach. Das gilt auch für das Aussehen: Laut der Studie bearbeiten insbesondere Mädchen, die Influencerinnen folgen, ihre eigenen Bilder stärker als solche, die keinen Social-Media-Promis folgen. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.

Trotz dieser negativen Ergebnisse gab es auch eine positive Erkenntnis bezüglich Diversity. Denn immerhin ist die Vielfalt von Herkunft auf Youtube sichtbarer als in anderen audiovisuellen Medien. Der Anteil von Youtubern und Youtuberinnen ist deutlich höher: Bei den Frauen haben 32 Prozent, bei den Männern sogar 49 Prozent der Youtuber einen Migrationshintergrund.

Die Initiatorinnen zeigen sich insgesamt verblüfft von den Studienergebnissen. "Die Studienergebnisse haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben: Warum sind die erfolgreichen Akteurinnen in den neuen sozialen Medien, ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen und wie können wir eine größere Vielfalt sichtbar machen? Dieses Thema geht uns alle an und darüber müssen wir diskutieren", meint Elisabeth Furtwängler, ebenfalls Stifterin und Vorstandsmitglied der Malisa-Stifung.

Die Studie zur Sichtbarkeit von Gender auf Youtube wurde von der Universität Rostock und der Filmuniversität Babelsberg unter der Leitung von Elizabeth Prommer und Claudia Wegener durchgeführt. Es wurden 1.000 YouTube-Kanäle analysiert, 2.000 Videos detailliert untersucht und 14 Youtuberinnen in Interviews zu ihrer Sicht auf die Branche befragt.

Die zweite Studie untersuchte die Selbstinszenierung von Mädchen auf Instagram. Sie wurde vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugendund Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk unter der wissenschaftlichen Leitung von Maya Götz  durchgeführt. Wie Mädchen ihre Posts auf Instagram gestalten, was ihnen dabei wichtig ist, wurde anhand von sieben Einzelfallstudien untersucht. Im zweiten Schritt wurden 300 Posts von erfolgreichen Influencerinnen auf wiederkehrende Muster hin untersucht. Anschließend wurden 300 Bilder von Influencerinnen mit 300 Bildern der Mädchen aus den Fallstudien verglichen. In einer repräsentativen Rezeptionsstudie wurden Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren (Stichprobe n=846, davon 404 Mädchen) zu ausgewählten Erkenntnissen aus den Einzelfallstudien befragt.

Der vollständige Bericht zu den Studien kann hier eingesehen werdenbre mit dpa-Material
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