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Nina Ruge und Christian Bollert mit HORIZONT-Redakteur Giuseppe Rondinella
Light Hunters Photography
Audio-Talk beim DMK 2020

"Podcasts sind die Antithese zu TikTok, Snapchat und Co"

Nina Ruge und Christian Bollert mit HORIZONT-Redakteur Giuseppe Rondinella
Wer auf der Höhe der Zeit sein will, startet einen Podcast: Nach diesem Diktum scheinen derzeit viele Marken, Medien und Menschen zu verfahren. Was macht die digitalen Audioshows so beliebt? Beim Deutschen Medienkongress traten zwei Experten auf, die es wissen müssen: TV-Moderatorin Nina Ruge und Christian Bollert, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von Detektor.fm, erklärten im Gespräch mit HORIZONT-Redakteur Giuseppe Rondinella, wie Podcasts erfolgreich werden.
von Ingo Rentz Mittwoch, 29. Januar 2020
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Moment mal: Eine TV-Moderatorin weiß, wie Podcasten geht? In der Tat: Nina Ruge, bekannt geworden durch ihre Moderation des ZDF-Formats "Leute heute", hat bereits 2017 für den Burda-Titel Bunte einen Podcast moderiert. Darin unterhielt sie sich gut eine Stunde mit Prominenten. "Das hat mir die lange vermisste Möglichkeit gegeben, mich einem Thema länger zu widmen."


Die vergleichsweise lange Dauer der meisten Podcast-Formate, da sind sich Ruge und Bollert einig, sei mit das größte Pfund des Formats: "Podcasts bilden ein Gegengewicht zum 'Immer kürzer und immer schneller' unserer Zeit. Sie sind quasi die Antithese zu TikTok, Snapchat und Co", so Bollert.

Ruge podcastete also bereits, bevor es richtig cool wurde. Deshalb weiß die heute 63-jährige auch, welche Stolperfallen lauern. Denn ihr Podcast scheiterte am Ende an einer Mischung aus Arroganz und strategischen Fehlern, wie sie zugibt. So wurde das Format von Anfang an hinter einer Bezahlschranke versteckt und nicht mit den anderen Bunte-Plattformen im Netz verknüpft – weder Online noch in sozialen Netzwerken. Die Wahl der Plattform und die Vernetzung mit dem Publikum gehören laut Bollert noch immer zu den Erfolgsfaktoren beim Podcasten. Darüber hinaus sollten sich die Macher darüber Gedanken machen, wer eigentlich die Zielgruppe ist und mit welchem Thema man diese ansprechen möchte.


Dabei sprach Bollert ein "Lob der Nische" aus: Sich auf ein konkretes Thema zu konzentrieren könne dabei helfen, ein klares Produktversprechen abzugeben. Diese Regeln sollten sich sowohl Medien wie auch Marken zu Herzen nehmen, so der Chef von Detektor.fm.
„Podcasts bilden ein Gegenwicht zum 'Immer kürzer und immer schneller' unserer Zeit. Sie sind quasi die Antithese zu TikTok, Snapchat und Co.“
Christian Bollert
Christian Bollert, Detektor.fm
© detektor.fm
Christian Bollert, Detektor.fm
Derzeit scheint man kaum etwas falsch machen zu können, wenn man einen eigenen Podcast ins Leben ruft. Denn das Publikum ist jung – dem Bitkom zufolge hört jeder Dritte zwischen 16 und 19 Jahren Podcasts – und zahlreich. Laut Audio Monitor hat die Zahl der gelegentlichen Hörer in Deutschland von 9,4 Millionen im Jahr 2018 auf 11,8 Millionen 2019 zugenommen. Das eröffnet auch dem Werbemarkt neue Chancen. Laut Branchenschätzungen sollen 2019 aber höchstens 8 bis 10 Millionen Euro in Podcast-Werbung geflossen sein. Doch wie das so ist mit viel gehypten neuen Formaten: Nach dem Boom kommen die Wachstumsschmerzen. Entweder in Form von Konsolidierung oder der Frage nach dem Rerturn on Invest. Denn mit zunehmender Zahl aktiver Marken kommt irgendwann auch die Forderung nach mehr Leistungsnachweisen. Das war bei der Online-Werbung so, das war bei Social Media so.

Bei Podcasts dürfte es nicht anders sein. Denn einheitliche Standards, ab wie vielen Sekunden oder Minuten ein Podcast als angehört gibt, gibt es bislang nicht. Auch Bollert glaubt, dass Messbarkeit in diesem Jahr ein "Riesen-Thema" für die Podcast-Branche werden dürfte. ire
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