ARD/ZDF-Massenkommunikation

Video löst Audio bei den Jüngeren als meistgenutztes Medium ab

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Bei den jungen Zuschauern hat Streaming das klassische Fernsehen bereits abgelöst
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Bei den jungen Zuschauern hat Streaming das klassische Fernsehen bereits abgelöst
ARD und ZDF haben die jüngsten Ergebnisse ihrer Langzeitstudie ARD/ZDF-Massenkommunikation vorgestellt. Diese bestätigt die großen Trends in der Mediennutzung: Vor allem bei jungen Nutzern verdrängen individuelle Nutzungsformen wie Streamingdienste zunehmend lineare Medien wie Fernsehen und Radio. Bei den jungen Nutzern entfällt dank Youtube und Netflix erstmals der Großteil der Mediennutzungszeit auf Video statt auf Audio. Noch sind Fernsehen und Radio allerdings die meistgenutzten Medien. 
Insgesamt hört, sieht oder liest jeder Deutsche 424 Minuten pro Tag Medienangebote - das sind rund sieben Stunden am Tag. Knapp die Hälfte davon (213 Minuten/+9 Minuten) entfällt auf Bewegtbildangebote wie Fernsehen und Streaming, gefolgt von Audioangeboten (179 Min./-7 Minuten) und Printmedien (53 Min./-1 Minute).


Da die Feldzeit der Studie in den Lockdown fiel, machen sich hier auch Corona-Effekte bemerkbar: So führen die Medienforscher den Rückgang bei den Audioangeboten vor allem auf den Wegfall des Arbeitsweges bei vielen Menschen durch Homeoffice und Kurzarbeit zurück, während TV und Streaming während des Lockdowns stärker genutzt wurden. Bei der Tagesreichweite liegen Bewegtbildangebote mit 86 Prozent vor Audio mit 82 Prozent und Texten (Print und Online) mit 47 Prozent.

Bei der Bewegtbildnutzung entfällt im Schnitt nach wie vor die meiste Zeit auf das klassische lineare Fernsehen (72 Prozent), zeitsouveräne Nutzungsformen wie Mediatheken, Streamingdienste und Youtube kommen mittlerweile auf 28 Prozent. Bei den jungen Nutzern von 14 bis 29 Jahren hat sich das Verhältnis bereits umgekehrt: Die junge Zielgruppe schaut nur noch zu 28 Prozent lienares Fernsehen und zu 72 Prozent nichtlineare Angebote, wobei 39 Prozent auf Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime Video und 19 Prozent auf Youtube entfallen. Erstmals seit Beginn der Studienreihe im Jahr 1964 konsumieren die Jüngeren zudem länger Bewegtbild (186 Minuten) als Audio-Inhalte (179 Minuten).
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Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Audionutzung: Während Radio im Gesamtpublikum auf eine Reichweite von 70 Prozent kommt, hat bei 14- bis 29-Jährigen Musik aus dem Netz das Radio bei Reichweite (58 Prozent gegenüber 51 Prozent) und Nutzungsdauer (102 gegenüber 66 Minuten) überholt. Überhaupt ist das Internet für die junge Zielgruppe mittlerweile der wichtigste Kanal für die Nutzung von Medieninhalten: 275 Minuten der Mediennutzung erfolgt über das Netz, nur 145 Minuten über klassische Kanäle. 


Besonders erfreulich für die Öffentlich-Rechtlichen: Wenn es um politische Informationen geht, vertrauen die meisten Menschen auf ARD und ZDF sowie die öffentlich-rechtlichen Radiosender. Für 83 Prozent sind sie die wichtigste Informationsquelle, gefolgt von Printmedien (68 Prozent) und privaten Radio- und Fernsehsendern (24 Prozent). 

"Corona hat gezeigt: Die Menschen verlassen sich auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere in Krisenzeiten. Das macht unseren besonderen Wert aus", betont der 
Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzende der ARD/ZDF-Forschungskommission Manfred Krupp: "Und dies spornt uns auch an, unsere Angebote im Fernsehen, Radio und im Netz stetig weiter zu entwickeln. Besonders im Fokus stehen dabei die ARD-Audiothek und die ARD-Mediathek." 

Für die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation 2020 wurden von Ende Januar bis Mitte April rund 3000 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren befragt. Weitere Informationen und Ergebnisse gibt es auf der Wesbite ard-zdf-massenkommunikation.dedh
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