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Martin Liss (r.) im Gespräch mit Tom Buhrow
Radiozentrale
ARD-Chef Tom Buhrow beim RAS

"Radio ist das emotionalste Medium"

Martin Liss (r.) im Gespräch mit Tom Buhrow
Radio hat in der Coronakrise seine Stärken nach Ansicht von WDR-Intendant Tom Buhrow unter Beweis gestellt. "Das Vertrauen in Radio ist signifikant gestiegen", betonte der amtierende ARD-Vorsitzende beim Radio Advertising Summit. Das hätten mehrere aktuelle Studien klar gezeigt.
von David Hein Freitag, 23. April 2021
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Auch insgesamt sei das Vertrauen in die Medien seit dem Beginn der Corona-Pandemie extrem gestiegen, betonte Buhrow im Gespräch mit dem Radioexperten Martin Liss. "Die Medienbranche hat die Corona-Krise genutzt, um zu zeigen: Wir sind für Euch da und stehen im Dienst der Gemeinschaft." 


Radio habe dabei insbesondere von dem Bedürfnis nach Information und Unterhaltung profitiert. Der Hörfunk sei außerdem das emotionalste Medium: "Radio strahlt Wärme aus, das tut den Menschen gut. Die Emotionalität ist das ganz große Plus von Radio." Durch die regionale Verwurzelung biete der Hörfunk den Hörern auch ein Stück Heimat. 

Derzeit müssten sich die klassischen Massenmedien Fernsehen und Hörfunk angesichts der zunehmend individualisierten Mediennutzung durch Streamingdienste und Podcasts auf gänzlich neue Nutzungsgewohnheiten einstellen. "Früher warf man ein Netz aus, heute muss ich ganz viele Angeln ins Wasser halten", nutzte Buhrow den Begriff Broadcast, um den Wandel zu verdeutlichen. Man müsse für ganz viele Gruppen und Nutzer individuelle Angebote machen. "Das ist natürlich extrem aufwändig." 

Dabei geht der WDR-Intendant davon aus, dass das Internet in Zukunft auch für Radio der dominierende Verbreitungsweg sein wird. Vor diesem Hintergrund würde er sich wünschen, dass er weniger Energie in Verteilungskämpfe um Frequenzen stecken müsse. Dies habe in den vergangenen acht Jahren viel Zeit in Anspruch genommen. 
Grit Leithäuser
© Radiozentrale
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Der Radio Advertising Summit findet in diesem Jahr wie die meisten anderen Branchenevents digital statt. Da sich das Konzept im Vorjahr gut bewährt hat, bietet die Veranstaltung der Radiozentrale auch 2021 über insgesamt vier Wochen hinweg einen Vielzahl von Events wie Vorträge, Webinare, Interviews und Diskussionsrunden - sowohl live als auch On-Demand. Das Motto lautet "Primetime für Audio".

Durch die Möglichkeit, Radiosender über das Netz auch bundesweit zu verbreiten, würden auf die gesamte Branche neue Herausforderungen zukommen. "Wir konkurrieren künftig ohne regionale Grenzen. Das wird eine hochinteressante, aber auch wettbewerbsintensive Zeit", prophezeit Buhrow.

Eine besondere Rolle werde dabei den Moderatoren zukommen: "Menschen folgen Menschen. Man braucht diese Zugpferde. Es wird bundesweite Radiostars geben", so die Erwartung des ARD-Vorsitzenden auch mit Blick auf die USA, wo Radiomoderatoren teilweise hochbezahlte Stars sind. Die Moderatoren könnten in hitzigen Diskussionen zudem eine mäßigende Wirkung haben und Spitzen aus Kontroversen nehmen. Eines allerdings wird nach Ansicht von Buhrow auch künftig Bestand haben: "Radio wird seine große gesellschaftliche Bedeutung behalten."

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