Anzeigenblätter

Deshalb fordert BVDA-Chef Jörg Eggers staatliche Zuschüsse für Print

Jörg Eggers
© Björn-Arne Eisermann
Jörg Eggers
Im Vorfeld der in Berlin stattfindenden Frühjahrstagung des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) sprach HORIZONT mit Geschäftsführer Jörg Eggers über die Zukunftsperspektiven des aus seiner Sicht zu Unrecht unterschätzten Mediums. Es sei ein "wichtiger Pfeiler unserer Demokratie", behauptet er und hofft daher auf staatliche Hilfe in Form einer direkten Infrastrukturförderung.





Herr Eggers, wir sind hier im Haus der Presse. Über uns sitzt der VDZ, ganz oben residiert der BDZV. Der BVDA muss mit dem 1. Stock vorliebnehmen. Spiegelt das die Hierarchien wider? Das ist alles eine Frage der Sichtweise. Wir fühlen uns hier auf der Beletage.

Warum muss es für Anzeigenzeitungen überhaupt einen eigenen Verband geben? Das Gros ihrer Titel erscheint in Verlagen, die dem BDZV angehören, und selbst da fragt man sich, ob eine Fusion mit dem VDZ sinnvoll wäre. Ich weiß nicht, wie es in zehn Jahren aussehen wird. Es gibt aber einige Spezifika, weshalb Anzeigenblätter ganz eigene Interessen verfolgen.

Welche? Nachhaltigkeit ist bei uns ein größeres Thema als beim BDZV, da Anzeigenzeitungen in der Kritik stehen, Briefkästen zuzumüllen. Deshalb haben wir die Webseite werbung-im-briefkasten.de eingerichtet. Dort kann sich eintragen, wer Anzeigenblätter nicht zugestellt bekommen möchte. Ein anderes Spezifikum ist, dass wir keinerlei Vertriebs-, sondern ausschließlich Werbeerlöse haben.

Umso mehr müssten Sie die Kosten für die Zustellung schmerzen. Funke stellt bereits öffentlich Überlegungen an, wie lange sich im ländlichen Thüringen die Abo-Zustellung lohnt und wie Abonnenten auf das E-Paper umgewöhnt werden könnten. Über kurz oder lang dürften sich diesen Überlegungen weitere Verlage anschließen. Damit würde auch die Logistik der Anzeigenblätter implodieren. Mit welchen Folgen? Ohne Auswirkungen bliebe es für jene, die unabhängig von Tageszeitungsverlagen eine eigene Zustellorganisation haben. Für die anderen würde die Situation nicht einfacher. Deshalb reden wir mit der Politik über entsprechende Unterstützung, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart ist: um die Pressevielfalt zu erhalten.

Zeitungsstapel Zustellung Zeitung Zeitungszustellung
© Zerbor / Fotolia
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Konkret ging es nach Einführung des Mindestlohns um die Sozialabgaben für Zusteller, zuletzt um reduzierte Rentenbeiträge. Wie ist der Stand? Das Vorhaben erweist sich als problematisch. Daher reden wir mit dem Arbeitsministerium ergänzend über eine direkte Infrastrukturförderung für die Logistik. Das hieße, dass die Verlage zum Beispiel für jedes zugestellte Exemplar einen bestimmten Betrag erhalten.

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