Anti-Medienpreis

Julian Reichelt bekommt die "Goldene Kartoffel"

Julian Reichelt
© Axel Springer
Julian Reichelt
Die deutsche Medienlandschaft ist um einen Preis reicher: die Goldene Kartoffel. Der Verein Neue Deutsche Medienmacher vergibt den Award ab diesem Jahr "für besonders einseitige oder missratene Berichterstattung über Aspekte unserer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft". Erster Preisträger ist Bild-Chefredakteur Julian Reichelt. 
Der Preis soll an Medien und im Ausnahmefall auch an Journalisten verliehen werden, "die ein besonders verzerrtes Bild unseres Zusammenlebens zeichnen, indem sie Probleme und Konflikte grob überzeichnen, Vorurteile und Stereotype verfestigen und gegen journalistische Standards verstoßen". Bild-Chef Julian Reichelt habe sich als erster Preisträger für die Goldene Kartoffel qualifiziert, weil seine Arbeit in jeder Hinsicht den Kriterien für diesen Preis entspreche. 


Die Bild sei aus Sicht der Jury "eigentlich fortschrittlich", wenn es darum gehe, die Vielfalt in der Gesellschaft unverkrampft und selbstverständlich darzustellen. Doch unter Julian Reichelt habe Bild in kürzester Zeit "eine Rolle rückwärts" gemacht. "Unter seiner Ägide steht das Blatt nun wieder konsequent für all das, wogegen sich die Neuen deutschen Medienmacher einmal gegründet haben", heißt es in der Begründung der Jury: "Bild steht für Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache, wenn es um die Themen Integration, Migration und Asyl geht, für doppelte Standards in der Berichterstattung über Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und für einen stark ethnozentrischen Blick auf unsere Einwanderungsgesellschaft und deren Herausforderungen." 

Als Beispiele nennen die Neuen Deutschen Medienmacher unter anderem die Art und Weise, wie über Kriminalität oder Terror berichtet werde, je nachdem, ob die mutmaßlichen Täter einen Migrationshintergrund haben oder nicht. Die Berichterstattung über Flüchtlinge sei "alarmistisch". Als weiteres Beispiel für doppelte Standards in der Berichterstattung nennt die Jury außerdem den Fall Mesut Özil. Der ehemalige Nationalspieler sei nach dem Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan zur Zielscheibe einer wochenlangen Kampagne geworden, "die von rassistischen Untertönen nur so strotzte".


All diese Aspekte hätten den Vorstand der Neuen deutschen Medienmacher zu der Überzeugung gelangen lassen, dass an Julian Reichelt als Preisträger für die Goldene Kartoffel in diesem Jahr kein Weg vorbeiführe. "Er hat sich diesen Preis redlich verdient." Der Preis wird am 3. November in Berlin vergeben. 

Die Neuen Deutschen Medienmacher sind ein unabhängiger Zusammenschluss von Journalisten und Journalistinnen, viele davon mit Migrationshintergrund. Der Verein versteht sich laut Eigendarstellung "als Interessenvertretung für Medienschaffende mit Migrationsgeschichte, der für eine ausgewogene Berichterstattung eintritt, die das Einwanderungsland Deutschland adäquat wiedergibt". dh

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