Angriff auf Netflix & Co

Das sind die ersten Details zu Apples Streaming-Dienst

Reese Witherspoon und Jennifer Aniston stellten Apple Tv auf einer Keynote vor
© Apple
Reese Witherspoon und Jennifer Aniston stellten Apple Tv auf einer Keynote vor
Im Streaming-Markt sind Netflix und Amazon bislang das Maß aller Dinge. Im Herbst könnte allerdings Bewegung in den Markt kommen. Grund: Mit Apple betritt ein Konzern die Streaming-Bühne, der schon häufiger bewiesen hat, dass er die Bedürfnisse der Verbraucher versteht - und aus diesem Wissen nutzerfreundliche Angebote schneidern kann. Allmählich sickern erste Zahlen zu dem geplanten Streaming-Dienst Apple TV+ durch. Und die lassen durchaus aufhorchen.
Angesichts der Summen, die die Streaming-Schwergewichte Netflix und Amazon in Inhalte stecken - Netflix investierte allein 2017 rund 6 Milliarden US-Dollar, Amazon 4,5 Milliarden US-Dollar in Eigenproduktionen - ist es kein Wunder, dass sich auch Apple nicht lumpen lässt. Wie die "Financial Times" erfahren haben will, hat Apple den Etat für das erste Jahr inzwischen auf sechs Milliarden US-Dollar erhöht. Anfangs soll das Budget für die Produktion eigener Inhalte bei lediglich einer Milliarde US-Dollar gelegen haben. 


Dass das Budget angehoben wurde hat auch mit den hohen Kosten für die Eigenproduktionen zu tun. Nach Informationen der "Financial Times" hat Apple bereits mehrere hundert Millionen Dollar in die geplante Serie mit den Hollywood-Stars Reese Witherspoon und Jennifer Aniston über eine Rivalität im Frühstücksfernsehen gesteckt. Damit sei das Budget pro Folge höher als bei der jüngst ausgelaufenen Hit-Serie "Game of Thrones" des Bezahlsenders HBO. Gleichwohl steckt Apple damit immer noch deutlich weniger in Eigenproduktionen als Netflix. Analysten beziffern die Summe, die der Konzern in diesem Jahr in exklusive Inhalte investieren wird, auf sage und schreibe 14 Milliarden US-Dollar. 

Auch zum Launchtermin und zum Preismodell sind inzwischen Informationen durchgesickert. Laut einem Bloomberg-Bericht soll das Angebot im November starten und monatlich knapp zehn Dollar kosten. Zum Vergleich: Netflix und Amazon Prime verlangen in den USA nur 8,99 US-Dollar. Der für November geplante Streaming-Dienst von Disney soll 6,99 US-Dollar kosten. Vor allem im Vergleich zu Netflix erscheint Apple TV+ angesichts des zunächst relativ schmalen Exklusiv-Angebots vergleichsweise teuer zu sein. Insider rechnen damit, dass Apple zum Start die Serien "See" (Jason Momoa alias Aquaman), "Amazing Stories" (Steven Spielberg), "Truth Be Told" (Octavia Spencer), "The Morning Show" (Jennifer Aniston, Reese Whiterspoon und Steve Carell) und "Home" (Immobilien-Doku) exklusiv anbieten wird. Netflix und Amazon haben deutlich mehr Exklusiv-Inhalte im Angebot. 


Glaubt man den Insidern, auf die sich Bloomberg beruft, dann wird Apple versuchen, Zweifel mit einer kostenlosen Testversion zu zerstreuen. Zudem plane der Konzern, sein Film- und Serienangebot Schritt für Schritt deutlich auszuweiten. Nicht zuletzt will sich Apple offenbar über die Release-Strategie von Netflix und Amazon abgrenzen. Während etwa Netflix-Nutzer ganze Serien von Anfang an komplett "bingewatchen" können, erwägt Apple offenbar, zunächst nur die ersten drei Folgen zu veröffentlichen und dann im Wochenrhythmus nachzulegen. 

Der Launch von Apple TV+ ist Teil der Strategie, mit der Apple seinen Umsatz mit Serviceangeboten bis 2020 auf 50 Milliarden US-Dollar steigern will. Damit soll der Anteil der Servicesparte, zu der neben Apple TV+ auch Apple Music, der Arcade-Spieledienst, Apple News + und die iCloud-Speicherabonnements gehören, deutlich steigen. Derzeit liegt der Anteil bei gerade einmal 21 Prozent. Der schwächelnde iPhone trägt nach wie vor knapp 50 Prozent zum Gesamtumsatz bei. mas
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats