Alles umsonst?

Gruner + Jahr verschenkt seine Magazine und provoziert damit Kritik

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Die Landing-Page zu #DeutschlandBleibtZuhause
© G+J
Die Landing-Page zu #DeutschlandBleibtZuhause
Die Drähte liefen heiß am vergangenen Wochenende. Die halbe Branche versuchte, den Hamburger Verlag zur Räson zu rufen. Ohne Erfolg. G+J hält an seiner Aktion #DeutschlandBleibtZuhause fest - und kündigt bereits die nächste an.


Freibier für alle. Damit macht sich jeder Kneipenwirt Freunde. Gilt das Angebot für längere Zeit, müssen sich andere Wirte von den Gästen fragen lassen, wieso sie bei ihnen noch zahlen sollen. Irgendwann wäre allen geschadet: dem Wirt in Spendierlaune, weil ihm das Geld für Nachschub ausgeht, der Konkurrenz, weil keiner zahlen will, den Gästen, weil die Kneipen verschwinden. Darum geht es, grob geschildert, beim Ärger, den sich Gruner+Jahr mit #DeutschlandBleibtZuhause eingehandelt hat. Als Solidaritätskampagne versteht der Hamburger Verlag die Aktion, mit der er für mindestens vier Wochen die Digital-Abos seiner Zeitschriften zum kostenlosen Download anbietet.

Julia Jäkel
© Alexander Hassenstein / Getty Images
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Bei Gruner + Jahr ist alles umsonst

Der Hamburger Verlag verschenkt seinen Journalismus. Wer auf der eigens eingerichteten Landing-Page ein Abo bestellt, kann die digitalen Ausgaben von 40 Zeitschriften vier Wochen kostenfrei lesen und geht keinerlei Verpflichtung ein. G+J will das Angebot als Akt der Solidarität verstanden wissen und wirbt mit dem Appell: "Deutschland bleibt zuhause. Machen wir das Beste draus - und lesen."

Das war zweifellos gut gemeint. Vertriebschefin Christina Dohmann sagte: "Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass noch mehr Menschen daheim bleiben und sich und andere schützen." G+J könne sich das Kostenlos-Angebot "in diesen schweren Zeiten" leisten, "mit unserer großen Titelvielfalt, unserer starken Position in den Märkten und unserer führenden digitalen Reichweite". Kaum war die Aktion öffentlich geworden, liefen allerdings bei G+J die Drähte heiß – und das nicht nur wegen des großen Interesses an den Zeitschriften.

Schon die ganze Woche über sahen sich viele Verlage mit der Forderung konfrontiert, wegen des hohen Bedürfnisses an Informationen über Corona müssten die Paywalls auf den Websites fallen. Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann schrieb dazu am vergangenen Freitag an die Abonnenten:

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