"Advertorial" & Co.

Presserat mahnt deutliche Kennzeichnung von Werbung an

Der Presserat redet den deutschen Medien ins Gewissen
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Der Presserat redet den deutschen Medien ins Gewissen
Der Trend zu Content Marketing beschäftigt auch den Deutschen Presserat. Bei der Selbstkontrollinstanz der deutschen Presse gehen seit einiger Zeit vermehrt Beschwerden über unklar gekennzeichnete Werbung ein - der Presserat mahnt die Verlage daher, Werbung und Redaktion sauber zu trennen. 
Auf Nachfrage teilt der Presserat mit, dass sich die Beschwerden wegen Verstößen gegen das Gebot zur klaren Trennung von Werbung und Redaktion nach Richtlinie 7.1. in letzter Zeit häufen. Dabei geht es inbesondere um Begriffe wie "Advertorial", "Sponsored Post", "Partnerinhalt" oder "Verlags-Sonderveröffentlichung", die häufig im Zusammenhang mit Content Marketing verwendet werden. Aus Sicht des Presserates stellen diese Begriffe aber presseethisch keine anerkannten Synonyme für Werbung dar. 


Der Presserat empfiehlt daher eine klare Kennzeichnung von redaktionell gestalteter Werbung als "Anzeige" oder "Werbung". Um Leser und User wirksam vor Irreführung zu schützen, sollten die Begriffe "deutlich lesbar oberhalb des Beitrags platziert oder dauerhaft in Videos eingeblendet werden". Dabei gehe man immer von "nicht-fachkundigen Lesern oder Usern aus", die mit Begriffen wie "Sponsored Post" oder "Advertorial" nicht unbedingt vertraut sind. 

Erst kürzlich hatte der Presserat das Wochenmagazin Forum öffentlich wegen eines Verstoßes wegen der Verletzung des Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung gerügt. Das regionale Magazin aus Saarbrücken hatte unter der Überschrift "Doppelt so ergiebig wie klassische Emulsionen" ein Interview mit Vertretern eines Unternehmens für Hautpflegeprodukte veröffentlicht. 


Sehr häufig kommt die schärfste Waffe des Presserates - die öffentliche Rüge - wegen Verstößen gegen das Gebot zur Trennung von Redaktion und Werbung allerdings nicht zur Anwendung: In der Regel seien die Verlage bei entsprechenden Hinweisen einsichtig und ändern die Kennzeichnung, heißt es beim Presserat: "Man hört auf uns". dh
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