"Zerrspiegel"

So reagiert die ARD auf den aktuellen Spiegel-Titel

Die aktuelle Spiegel-Ausgabe
Der Spiegel
Die aktuelle Spiegel-Ausgabe
Themenseiten zu diesem Artikel:
In seiner aktuellen Titelgeschichte beschreibt der Spiegel den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "unheimliche Macht" und kritisiert das System von ARD, ZDF und Deutschlandradio unter anderem als aufgebläht, zu sehr an den Bürgern vorbei und im Netz zu presseähnlich - Vorwürfe, die sich die ARD-Granden nicht gefallen lassen wollen: Mit einer langen Stellungnahme unter dem Titel "Zerrspiegel" reagiert die Sendeanstalt auf die Spiegel-Story - und wirft den Autoren "Schmähkritik" vor.
Schon die Überschrift des Statements ist eine Reaktion auf den Spiegel-Aufmacher, der im Heft die Headline "Bildstörung" hat. Darin führt das Autorenteam Markus Brauck, Hauke Goos, Isabell Hülsen und Alexander Kühn aus, was vermeintlich schief läuft im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der sende etwa an weiten Teilen des Publikums vorbei, heißt es: "Vor allem das jüngere Publikum wendet sich ab, ist genervt vom Abgabenzwang, empfindet die Öffentlich-Rechtlichen als behäbig, das Programm weitgehend als überflüssig".
Die aktuelle Spiegel-Ausgabe
Die aktuelle Spiegel-Ausgabe (© Der Spiegel)
Natürlich kommen in dem Stück auch die Finanzierung der Sendeanstalten und ihre Kosten zur Sprache: "ARD und ZDF geben Jahr für Jahr rund acht Milliarden Euro aus. Das ist viel Geld für ein System, das einmal auf Grundversorgung angelegt war. Journalismus macht dabei nur einen Bruchteil aus", schreiben die Autoren. Und sie kritisieren die hohen Sportrechte-Kosten: "Der Ausgabenwahnsinn für Fußballrechte wird schwach mit dem Recht auf 'Grundversorgung' begründet. In Wahrheit kaufen die Sender auf diese Weise Quote. Ist das noch zeitgemäß?"

Auch einen Seitenhieb auf die Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen im Internet gibt es in dem Artikel. So wird kritisiert, die ARD würde bei der aktuell diskutierten Strukturreform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks "für den Verzicht auf eine baldige Steigerung ihrer Milliardenetats gerne die Erlaubnis heraushandeln, sich im Internet auszubreiten, wie sie es sich wünscht." Und dort hätten die Verlage in der Tat einiges zu verlieren, wie die Spiegel-Autoren selbst andeuten: "Noch sind die Onlineangebote der öffentlich-rechtlichen Sender längst nicht so erfolgreich wie etwa Spiegel Online oder Bild.de. Aber das liegt vor allem daran, dass die Politik den Sendern bisher 'presseähnliche' Angebote weitgehend untersagt hat." Der schon lange existente Streit um die Presseähnlichkeit der öffentlich-rechtlichen Netz-Angebote nimmt auch in der Antwort der ARD viel Raum ein. "Es ist nicht das erste Mal, dass Printjournalisten der Ansicht sind, ihnen gehöre publizistisch das Internet", so die ätzende Replik. So sei bei Sendungsbezug durchaus eine presseähnliche Aufbereitung erlaubt. Außerdem ließe der Spiegel die aktuelle Entwicklung der Medienlandschaft außer Acht: "Die Digitalisierung schafft in der Kombination verschiedener Medien - Text, Bewegtbild, Audio - etwas originär Neues. Und das, was es heute bedeutet, wird übermorgen überholt sein."



Im Folgenden geht das Statement auf einzelne Punkte aus dem Spiegel-Artikel ein: Den Vorwurf, das junge Publikum wende sich ab, kontert die ARD mit dem Hinweis auf die vier Millionen Youtube-Abonnenten für das junge Programm Funk. Doch das Argument der sich abwendenden Zielgruppen sei ohnehin dünn, denn: "Das umfangreiche Radioangebot der ARD, föderal verankert und nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen in ihrer Region, lässt der Spiegel gleich ganz außer Betracht."
„Es ist nicht das erste Mal, dass Printjournalisten der Ansicht sind, ihnen gehöre publizistisch das Internet.“
ARD-Statement
Die Kritik, die Öffentlich-Rechtlichen würden zu viel "gebührenfinanziertes Trallala" senden, kontert die ARD mit Zahlen: So würden Sport und nonfiktionale Unterhaltung im Ersten jeweils nur sechs bis zehn Prozent ausmachen, Informationssendungen dagegen rund 40 Prozent, Fiction 35 Prozent. Damit käme die ARD ihrem Auftrag nach: "Wertevermittlung – das gehört zum Auftrag – kann indessen in allen Programmgenres stattfinden. Das zu bewerten, bedarf allerdings einer tieferen Analyse als der simplen Schmähkritik von 'gebührenfinanziertem Trallala'." ire

Auch auf Twitter wird der Spiegel-Artikel heiß diskutiert: 



stats