Zeitschriften-Vermietung

Lesezirkel erzielen mit mehr Titeln weniger Umsatz / Aldi rettet das Werbegeschäft

Axel Walkenhorst ist Vorsitzender des Verbands Deutscher Lesezirkel
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Axel Walkenhorst ist Vorsitzender des Verbands Deutscher Lesezirkel
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Weniger Anbieter und Erlöse, doch mehr Arbeit: Den Lesezirkel-Unternehmen erging es 2017 diesmal nicht anders als vielen Verlagen. Und auch das digitale Business kann das Ruder noch nicht herumreißen. Doch eines läuft jetzt besser als bei den Verlagen – das Print-Werbegeschäft.

Im vergangenen Jahr erzielten die deutschen Lesezirkel-Anbieter einen Umsatz von 181,3 Millionen Euro, das sind 1,4 Prozent weniger als 2016. Damals hatte der Lesezirkel (LZ) seine Erlöse noch um 1 Prozent steigern können. Verantwortlich für das leichte Minus 2017 war vor allem das Hauptgeschäft der LZ-Unternehmen, die Mehrfachvermietung von Zeitschriftenmappen: Hier sank der Umsatz 2017 um 1,3 Prozent auf 164,5 Millionen Euro; 2016 stand im Vergleich zu 2015 noch ein Plus von 1,5 Prozent in den Büchern.

Im deutlich kleineren Nebengeschäft der Werbevermarktung der Umschlagsseiten (2017: 16,8 Millionen Euro) indes konnten die LZ-Anbieter das Minus im vergangenen Jahr auf 2,2 Prozent eindämmen; 2016 (minus 3,9 Prozent) und 2015 (minus 9 Prozent) gab es hier noch stärkere Rückgänge. Retter der Werbeumsätze ist die Handelskette Aldi Süd, die im Februar 2017 als Neukunde kam und die auch im laufenden Jahr auf ausgewählten LZ-Covern wirbt – einer der größten Aufträge in der Geschichte der LZ-Zunft, vermittelt durch die Agentur Becker + Stahl. Die Reichweite aller LZ-Mappen liegt stabil bei 12 Millionen Lesern.

Ein dickes Plus samt Allzeithoch gab es 2017 allein bei der Anzahl der Titel, die der LZ mit Blick auf die sich ausdifferenzierenden Leseinteressen vertreibt: 333 Zeitschriften waren es, 13 Prozent mehr als 2016. "Für die Verlage ist die Vertriebssparte Lesezirkel ein Segment, das für eine sehr hohe Anzahl von Lesern pro Exemplar sorgt und kein Remissionsrisiko birgt", sagt Axel Walkenhorst, Vorsitzender des Lesezirkel-Verbands, dem zum Jahresende 67 Mitglieder (2016: 72) angehörten.

Und das Digitalgeschäft? Im vergangenen Jahr gingen die ersten LZ-Unternehmen mit ihrer Lizenz-App "My Lese" in den Markt, an der seit 2014 gebastelt wurde und die das Geschäftsmodell der Lesezirkel ins digitale Zeitalter retten soll. Sie richtet sich zunächst an die klassischen LZ-Geschäftskunden, etwa Ärzte, Friseure und Cafés. Diese können ihren Magazinmix auswählen und die Werbeflächen der App nutzen. Mit GPS-Tracking werden die Titel via Smartphones und Tablets der Leser in den Wartezimmern, Gast- und Friseurstuben freigeschaltet. Später soll die App auch gegenüber Privatkunden vermarktet werden. rp




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