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Bei VR-Formaten entscheidet bestimmt der Zuschauer selbst den welchen Teil der 360-Grad-Bildwelt er schaut und Sound bekommt eine ganz neue Bedeutung
Werbe Weischer
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Virtual Reality im Berliner Zoo-Palast - wirklicher als die Realität

Bei VR-Formaten entscheidet bestimmt der Zuschauer selbst den welchen Teil der 360-Grad-Bildwelt er schaut und Sound bekommt eine ganz neue Bedeutung
Wird Virtual Reality das neue 3D? Im Berliner Zoo-Palast experimentiert Werbe Weischer mit der VR-Technik – ein Erfahrungsbericht.
von HORIZONT Online Mittwoch, 07. Februar 2018
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Normalerweise setzt man eine Brille auf, um die Realität besser zu sehen – diese Brille setzt man auf, um sie zu vergessen. Sie auszublenden und Platz zu machen für einen Strom aus Farben, Formen und Musik. Für ein Kinoerlebnis klingt das mehr als ungewohnt, aber genau das geschieht im legendären Berliner Zoo-Palast, Schauplatz vieler historischer Filmpremieren. Und nun vielleicht auch Startpunkt der Virtual-Reality-Revolution?

Gemeinsam mit seiner Hamburger Tochterfirma Nqyer Media testet Kinovermarkter Werbe Weischer hier seit Herbst 2017 ein VR-Format fürs Kino, das die Leinwand überflüssig macht. „Composition of Music and Visual“ nennt sich das Format. Aber was bleibt vom Lichtspielhaus ohne Leinwand – und braucht es dann überhaupt noch einen Kinosaal? In diesem Fall ginge es mehr um die Akustik, die ein solcher Raum biete, als um das Visuelle, sagt Frank Senger, Geschäftsführer von Werbe Weischer.

Doch nicht nur bei Filmen, in denen die Musik im Mittelpunkt steht, gerade auch bei VR-Filmen mit einem Handlungsstrang spielt der Sound eine entscheidende Rolle. Wenn sich die Bilder von der Leinwand lösen, plötzlich überall in der Luft schweben und der Zuschauer selbst entscheidet, wohin er schaut, dann funktioniert die Führung des Blicks und durch die Geschichte nicht mehr über Schnitt und Kamerafokus, sondern allein über die Tonebene. Ein Ausflug in das Kino der Zukunft? Nicht mehr wegen der XXL-Leinwand, sondern wegen des XXL-Dolby-Surround-Sounds.

Anfangs irritiert das etwas. Automatisch richtet sich der Blick immer wieder starr geradeaus in Richtung Leinwand und es kostet fast Überwindung, den Kopf zur Seite, nach oben oder sogar nach hinten zu drehen. Ein Universum, getrieben von sphärischer Musik, das überall dort ist, wo kurz zuvor noch ein Kinosaal voller Menschen war. Und wo eben noch die eigenen Füße auf dem dicken Teppichboden standen, befindet sich jetzt ein heller Strom aus Licht. Man lässt sich treiben vom Takt der Musik, von den violetten Ornamenten, und vergisst Raum und Zeit und zum Schluss sich selbst. Zumindest kurz: Ein bisschen schwer wiegt das Musik-Universum auf der Nase – die Brille, die einen die Realität vergessen lässt, erinnert einen gleichzeitig mit Nachdruck wieder an die eigene Existenz.

Die virtuelle Kostprobe in Berlin heißt „Tripin Reality“ und dauert zwölf Minuten. Das Pilotprojekt ist gleichzeitig ein Experiment, um die potenziellen Möglichkeiten von VR-Content auszuloten. Die größte Herausforderung ist bisher nämlich, an passende Inhalte zu kommen. Noch fehlen die Vorreiter-Formate, die wie der Blockbuster „Avatar“ 2009 für die 3D-Technik zeigen, welches Potenzial im Thema Virtual Reality für das Kino steckt. In Hollywood haben sich die ersten Pioniere ans Werk gemacht – Steven Spielberg und James Cameron sollen aktuell bereits an VR-Stoffen arbeiten. mab


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