Verlagsbündnis

Burda, Bauer und Funke wollen offenbar bei Anzeigen und Vertrieb kooperieren

Burda-Vorstand Philipp Welte gilt als Verfechter von Verlagskooperationen
Flo Fetzer für Hubert Burda Media
Burda-Vorstand Philipp Welte gilt als Verfechter von Verlagskooperationen
Ein Bündnis mehrerer deutscher Großverlage nimmt anscheinend Formen an. Wie das Handelsblatt berichtet, wollen Hubert Burda Media, die Bauer Media Group und die Funke Mediengruppe in den Bereichen Anzeigenvermarktung und Vertrieb künftig eng zusammenarbeiten. 
Der Plan sehe vor, dass der Burda-Vermarkter BCN künftig auch die Vermarktung für Bauer und Funke übernimmt, schreibt der in der Branche gut vernetzte Hans-Jürgen Jakobs im Handelsblatt. Die beiden Partner würden im Gegenzug mit jeweils 10 Prozent an der Burda-Tochter beteiligt. Umgekehert soll Bauer den Vertrieb für die drei Branchen-Schwergewichte übernehmen. Burda und Funke würden sich dafür ebenfalls an der zuständigen Tochter von Bauer beteiligen. Bei allem beruft sich Jakobs auf Branchengerüchte.

Burda hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet und bestätigt - wenig überraschend -, dass es seit Inkrafttreten der GWB-Novelle "zwischen mehreren großen Verlagen Gespräche über weitere gemeinsame Aktivitäten in Vermarktung und Vertrieb" gibt. Wie diese Kooperationen organisiert würden, "sollte man sich überhaupt für sie entscheiden", sei noch unklar. Das Handelsblatt gebe Spekulationen wieder, die man nicht bestätigen könne. Fast wortgleich äußert sich Funke.

Dass es Pläne für eine engere Zusammenarbeit gibt, steht tatsächlich außer Frage. Über entsprechende Kooperationen wird in der Branche seit langem gesprochen. Burda-Vorstand Philipp Welte, um den es in dem Text von Jakobs geht, gilt als Vorkämpfer von Verlagskooperationen, um sich gegen Google, Facebook & co zu wappnen.

Auch andere führende Verlagsmanager haben sich in den vergangenen Monaten für eine enge Zusammenarbeit ausgesprochen. Welte hat zuletzt eine Handvoll Allianzen sowie Pitch-Absprachen vorgeschlagen. Und der scheidende Funke-Chef Manfred Braun brachte sogar einen einzigen Super-Vermarkter für alle klassischen Medien ins Gespräch. Auch Bauer-Konzerngeschäftsleiter Jörg Hausendorf hatte sich für einen gemeinsamen Print-Vermarkter ausgesprochen: "Im Wettbewerb mit TV und Google, Facebook und Amazon brauchen wir Verlage andere Skalengrößen." 

Der Bauer-Manager hatte zudem eine engere Zusammenarbeit im Vertrieb vorgeschlagen: "Auch wir fragen uns, welche besonderen Fähigkeiten wir breiter ausrollen und in welchen Bereichen wir umgekehrt von anderen Häusern profitieren könnten", sagt Hausendorf im Interview mit HORIZONT. So könne er sich "gut vorstellen", dass die Expertise des "Kompetenzführers" Bauer im Vertrieb für andere große Häuser interessant sein könnte. Auch die neue Funke-Verlegerin Julia Becker hatte sich beim VDZ Publishers' Summit im vergangenen Herbst für eine engere Zusammenarbeit von Verlagen ausgesprochen. dh



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