Verdacht der Walled Gardens

Bundeskartellamt untersucht Marktverhältnisse bei Online-Werbung

Das Bundeskartellamt schaut sich den Online-Werbemarkt genauer an
© Bundeskartellamt
Das Bundeskartellamt schaut sich den Online-Werbemarkt genauer an
Die Befürchtung, dass die Machtverhältnisse in der Online-Werbung zunehmend in Richtung einiger weniger großer US-Player kippen, hat nun auch das Bundeskartellamt erreicht. Die Bonner Behörde leitet deswegen eine so genannte Sektoruntersuchung ein. Deren Ziel ist es, die Auswirkungen der aktuellen und zu erwartenden technischen Entwicklungen auf die Struktur des Marktes zu erfassen.
Dabei wolle man sich "mit der Funktionsweise und der Bedeutung verschiedener technischer Dienste auseinandersetzen, wie zum Beispiel Angebote zur Sichtbarkeitsmessung, zur Datenerhebung und zur Betrugsprävention sowie von Diensten, die stärker auf der Ebene der eigentlichen Vermarktung bzw. der Beschaffung von Werbeflächen verortet sind", wie das Bundeskartellamt mitteilt.

Besonders den so genannten Walled Gardens will man sich dabei widmen. Vor allem Google und Facebook wird von Verbraucherschützern und Vertretern klassischer Medien vorgeworfen, geschlossene Systeme aufgebaut zu haben und damit als Gatekeeper der Online-Werbung zu fungieren. Die Folge: Verschiedenen Schätzungen zufolge vereinen die beiden Giganten aus dem Silicon Valley bis zu 25 Prozent der globalen Werbeausgaben auf sich, im Online-Bereich soll es in diesem Jahr bereits rund die Hälfte sein.

"Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung für Werbungtreibende sowie für Inhalteanbieter im Netz und angesichts der Diskussionen um ein schwieriges wettbewerbliches Umfeld auf diesem Markt haben wir entschieden, den Bereich zu untersuchen", sagt Kartellamtschef Andreas Mundt.

Die Untersuchung des Kartellamtes startet mit Gesprächen mit verschiedenen Unternehmen, um einen Eindruck der verschiedenen Sichtweisen zu bekommen. Im Frühjahr 2018 will man dann erste Fragebögen an Marktteilnehmer versenden. Wie die Behörde betont, handelt es sich bei einer solchen Sektoruntersuchung ausdrücklich nicht um ein Verfahren gegen bestimmte Unternehmen. ire


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