VDZ-Studie

Das könnten die Abo-Modelle der Zukunft sein

Zeitschriften erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit
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Zeitschriften erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit
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Presse-Abos sind nach wie vor beliebt. Fast jeder zweite Deutsche hat mindestens eine Zeitung oder Zeitschrift abonniert. Das geht aus der Neuauflage der Abo-Studie des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ und der Deutschen Post hervor. Durch neue Geschäftsmodelle wie digitale Flatrates wandeln sich allerdings auch die Erwartungen vieler Konsumenten an das klassische Print-Abo. 
Insgesamt erfreuen sich Abos nach wie großer Beliebtheit: 47 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren lassen sich eine Zeitung, eine Zeitschrift oder eine Fachzeitschrift nach Hause schicken. Abonnenten schätzen vor allem die bequeme Lieferung nach Hause (78 Prozent) und die im Vergleich zum Einzelverkauf günstigeren Kosten (58 Prozent). Wer sich gegen ein Abo entscheidet, möchte sich sich in der Regel nicht auf einen Titel festlegen, oder hat schlicht zu wenig Zeit oder Interesse. Jedem Dritten sind Abos zu teuer, viele finden auch kostenlose Angebote im Internet ausreichend. 

Auf Grundlage der Befragungsergebnisse haben die Marktforscher zudem sechs Abonnenten-Typen und deren Erwartungen identifiziert. Drei dieser Typen, denen insgesamt mehr als die Hälfte der Bevölkerung angehören, sind grundsätzlich an Abos interessiert und damit für Verlage als Zielgruppen besonders interessant. So ist der "Moderne Abo-Fan", mit 24 Prozent die stärkste Gruppe, jung, einkommenstark und hat eine hohe Abo-Affinität. Er ist aber auch anspruchsvoll, erwartet auch digitalen Zugriff auf die Inhalte und schätzt exklusive Vorteile und Prämien. Ähnlich tickt der "Anspruchsvolle Informationsgetriebene" (15 Prozent), der in der Regel jung, männlich und beruflich ambitioniert ist und sich durch eine überdurchschnittlich starke Mediennutzung auszeichnet. Die "traditionelle Gewohnheitsleserin" (15 Prozent) ist dagegen weiblich, mittleren Alters, einkommenstark und konsumiert am liebsten traditionelle Print-Produkte. Digitale Medien sind für sie weniger relevant. 



Weniger an Print-Abos interessiert ist dagegen die "Print-affine Nicht-Abonnentin" (5 Prozent), die zwar gelegentlich Zeitschriften liest, der ein Abo aber in der Regel zu teuer ist. Der "Konservative Zeitungsleser" (22 Prozent) ist älter und zwar Print-affin, möchte sich aber nicht auf einen bestimmten Titel festlegen. Kaum Interesse an Printprodukten zeigt der "Preisorientierte Unbeteiligte" (19 Prozent), der für Inhalte auch nichts bezahlen will.  


Studien-Steckbrief
Die Studie "Zukunft Zeitschriften-Abo – das wollen Leser" von VDZ und Deutsche Post umfasste mehrere Stufen und lief über fast ein halbes Jahr. Sie wurde vom Münchener Forschungsunternehmen DCORE gemeinsam mit dem Siegfried Vögele Institut konzipiert und durchgeführt. Nach einer internationalen Marktanalyse zu Abo-Modellen wurden 2019 Personen im Alter von 14 bis 75 Jahren online befragt. Es folgten ein Experten-Workshop sowie eine moderierte Online-Community mit Zeitschriften-Lesern. Danach erfolgte eine zweite Online-Befragung mit weiteren 1001 Befragten, in welcher verschiedene Abo-Konzepte getestet wurden. Die Studie ist die Neuauflage einer ähnlichen Studie, die von VDZ und Deutsche Post bereits 2012 durchgeführt worden war.
Nach Ansicht des VDZ ergeben sich vor allem bei jungen, printaffinen Menschen durch flexiblere Angebote und größere Individualisierungsspielräume noch "erhebliche Abo-Potenziale". So könnten Abonnements zum Beispiel durch Clubs zu exklusiven Markenwelten aufgewertet werden, Abos durch Bundles verschiedener Titel aufgewertet werden oder junge Konsumenten durch eine Kombination von Abos aus verschiedenen Bereichen (z.B. Print-Abo und Musik-Abo) angelockt werden. 

"Mit der vorliegenden Studie geben wir wichtige Erkenntnisse für die Praxis an die Hand, um neue erfolgreiche Angebotsformen zu entwickeln und bestehende Kundenbeziehungen nachhaltig auszubauen", erklärt Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Print und Digitale Medien im VDZ. Die Studie ist auf der Website des VDZ abrufbar. dh
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