Ulrich Kelber

SPD-Staatssekretär bezeichnet Springer-Medien als "Sprachrohre für die AfD-Ideologie"

Ulrich Kelber
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Ulrich Kelber
SPD-Politiker Ulrich Kelber bläst zum Angriff auf den Springer-Verlag: Der Bundestagsabgeordnete aus Bonn und Parlamentarische Staatsekretär im Justizministerium hat den Zeitungen Bild und Welt auf seiner Website vorgeworfen, "Sprachrohre für die AfD-Ideologie" zu sein. Für zwei weitere Begriffe aus dem Text hat sich Kelber inzwischen entschuldigt.
Der 49-Jährige hatte am vergangenen Freitag in seinem zweiwöchentlich erscheinenden Infobrief geschrieben, Bild und Welt würden mit ihrer Berichterstattung "der liberalen demokratischen Grundordnung in Deutschland schweren Schaden zufügen". Grund sei die Themenwahl: So würden beide Publikationen einen "Dauerkrieg" gegen den Mitgliederentscheid der SPD zur Großen Koalition führen.

Kelber nennt in diesem Zusammenhang die E-Mail-Affäre um Juso-Chef Kevin Kühnert, über die Bild groß berichtet hatte und die offensichtlich von der Satirezeitschrift Titanic inszeniert worden war. "Dass man damit die Politikverdrossenheit bei seinen Leserinnen und Lesern ohne jeden Anlass befeuert, nehmen die rechtskonservativen Machthaber bei Springer willig in Kauf", so Kelber.

Am Ende des Textes schreibt Kelber weiter: "
Bild war schon immer rassistisch, anti-liberal und populistisch. Man hat dem Blatt viel nachgesehen, weil es sich immer klar gegen Antisemitismus positioniert hatte." Springers Boulevardzeitung und das Schwesterblatt Welt seien heute "Sprachrohre für die AfD-Ideologie geworden" und würden relevante politische Themen "durch regelrecht völkische Themenwahl" verdrängen. "Das ist nichts anderes als ein Angriff auf die liberale Demokratie."
An Kelbers Text regte sich hernach viel Kritik, vor allem natürlich aus dem Hause Springer. So twitterte Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt: "Wie im Eimer ist die @spd wenn sie aus der @WELT ein Sprachrohr der AfD machen will". Sein Pendant von der Bild Julian Reichelt twitterte in Richtung des SPD-Politikers: "Die @spdde wittert ständig eine 'Kampagne' und verkennt, dass es ihre eigene Führung ist, die seit Jahren ihr Spitzenpersonal verschleißt und öffentlich hinrichtet ('Haare im Gesicht') und Wähler-Sympathien zerstört." 
Unter Kelbers eigenem Tweet meldeten sich auch der stellvertrende Bild-Chef Nikloaus Blome, Frank Schmiechen von Springers Start-up-Magazin Gruenderszene und Welt-Sprecherin Kristina Faßler zu Wort.

Kelber änderte daraufhin den Einstieg zu seinem Infobrief. Die Einschätzung, dass Bild und Welt der AfD auf die Sprünge helfen würden, vertrete er weiterhin - allerdings sei er "
bei der Zuspitzung möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen", so der Politiker. "Zwei der von mir verwendeten Begriffe, nämlich 'rassistisch' und 'völkisch', sind auf jeden Fall falsch gewählt und inhaltlich unzutreffend, diese beiden Vorwürfe nehme ich ausdrücklich zurück und entschuldige mich dafür." Die Bild holte sich derweil noch die Bestätigung, dass Kelbers Text nicht die Haltung der Bundesregierung wiedergäbe. Damit nehmen Reichelt und Bild das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand, nachdem der Bild-Chef und seine Redaktion in den vergangenen Tagen schwer unter Beschuss standen. Grund waren der von der Titanic inszenierte Fake um Juso-Chef Kevin Kühnert ("#MioMioGate") und Hündin Lima. Bild hatte das Tier bei der SPD als Mitglied angemeldet, um damit zu demonstrieren, dass das SPD-Mitgliedervorum zum Koalitionsvertrag mit der CDU anfällig für Manipulationen sei. Die SPD hatte gegen den Bericht Beschwerde beim Presserat eingelegt. ire


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