Transparenz-Offensive

Facebook will Werbeumsätze in einzelnen Ländern versteuern

Facebooks Finanzchef David Wehner
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Facebooks Finanzchef David Wehner
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Bislang versteuert Facebook seine Werbeumsätze bei seinem internationalen Hauptquartier in Irland, wo für Unternehmen ein günstigerer Steuersatz gilt als in weiten Teilen Europas. Diese Praxis stößt der Politik in den Märkten, in denen Facebook aktiv ist, natürlich sauer auf - immerhin verdient das Unternehmen auch außerhalb seines Heimatmarkets USA viele Millionen mit Online-Werbung. Nun kündigte Facebook an, seine Werbeumsätze künftig auch in den einzelnen Ländern zu versteuern.

Dabei geht es allerdings nur um das Geschäft, das von lokalen Verkaufsteams betreut wird - das sind meist Deals mit großen Kunden. Die Erlöse aus dem Verkauf von Werbeanzeigen über Facebooks Selbstbedienungs-Plattform, die von Millionen kleinen und mittleren Unternehmen genutzt wird, sollen weiterhin über Dublin laufen.



Die Neuerung bezieht sich auf alle Länder, in denen Facebook eigene Büros hat. Damit ginge es um mehr als zwei Dutzend Länder - in Europa wären das zum Beispiel Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien. Damit wolle man mehr Transparenz schaffen, so Facebooks Chief Financial Officer David Wehner in einem Blogbeitrag. Regierungen und Politiker in aller Welt hätten dies gefordert, um einen besseren Eindruck der Umsätze zu bekommen, die Facebook mit Sales in einem Markt generiert.

"Dies ist ein großes Unterfangen, das enorme Ressourcen braucht, um weltweit umgesetzt zu werden", schreibt Wehner. Der Plan sei, die neue Struktur im Laufe des kommenden Jahres zu implementieren. In der ersten Hälfte des Jahres 2019 soll der Vorgang abgeschlossen sein. Auswirkungen auf die bisherigen Hauptquartiere von Facebook hat dies laut Wehner aber nicht: So bleibe das Office im kalifornischen Menlo Park die US-Zentrale, während Dublin auch künftig das internationale Facebook-Headquarter sei.


Der Politik ist es schon seit Langem ein Dorn im Auge, dass Konzerne wie Facebook, Google und Amazon ihre Milliarden-Umsätze zwar in verschiedenen Ländern erzielen, aber ihre Hauptsitze in Steuerparadiesen haben - und trotzdem teilweise tricksen. So wurde Apple von der EU bereits eine Strafe in Milliardenhöhe aufgebrummt. Zuletzt hatte die EU-Komission einen Vorschlag ins Spiel gebracht, der dieses Problem angehen sollte: Die sogenannte Unitary Tax sieht Steuerzahlungen auf die weltweiten Gewinne von Digitalunternehmen vor. Allerdings gilt diese Regelung auch als schwer umsetzbar. ire/mit dpa-Material

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