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Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer beim Deutschen Medienkongress
Getty Images / Alexander Hassenstein
"Spiegel"-Chefredakteur Brinkbäumer beim #DMK18

„Redaktionen müssen vielseitiger besetzt sein“

Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer beim Deutschen Medienkongress
„Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer spricht beim Deutschen Medienkongress in Frankfurt ein Tabu-Thema an: „Redaktionen müssen vielseitiger besetzt sein“, sagt er. Die fehlende Diversifizierung in den Redaktionen habe dazu geführt, dass in den Redaktionen der deutschen Leitmedien eine bestimmte Klientel die Meinung bestimme. 
von Juliane Paperlein Dienstag, 16. Januar 2018
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Bislang hätten „ältere weiße Männer aus Hamburg und Berlin“ eine ähnliche Gruppe jüngerer weißer Männer aus Hamburg und Berlin eingestellt. „Wir steuern dagegen“, sagt Brinkbäumer. Doch das überall herrschende Spar-Diktat verhindere, dass die Redaktionen schnell diverser werden und damit mehr Meinungsvielfalt abbilden: daher versuche der „Spiegel“, den Mitarbeitern mehr Offenheit zu vermitteln.


Auch Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“, sieht zu wenig Vielfalt in der deutschen Medienlandschaft. „Die Leitmedien sind sich viel zu einig. Das ist ein Problem, das die Parteien auch haben. Man ist eine zu homogene Menge und lässt zu wenig andere Meinungen zu“, sagt Rückert.  Das begünstige, dass eine Partei wie die AfD viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen könne.

„Der Prenzlauer Berg ist ein Hort der Spießbürgerlichkeit, wo sich auch unsere Redakteure besonders wohl fühlen.“
Peter Frey
ZDF-Chefredakteur Peter Frey auf dem Deutschen Medienkongress
ZDF-Chefredakteur Peter Frey auf dem Deutschen Medienkongress (© Getty Images / Alexander Hassenstein)
ZDF-Chefredakteur Peter Frey haut in dieselbe Kerbe: „Der Prenzlauer Berg ist ein Hort der Spießbürgerlichkeit, wo sich auch unsere Redakteure besonders wohl fühlen.“ In Zeiten von Fake News seien die Leitmedien besonders gefordert, sich noch mehr auf ihre journalistischen Standards wie Sorgfalt und Unabhängigkeit zu konzentrieren. Diesen Appell hatte zuvor auch Jim Egan, CEO von BBC Global News, in seiner Keynote an die Zuschauer gerichtet. Rückert sieht dabei alle Leitmedien in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten und eine News eher nicht zu veröffentlichen, als mit halbgaren Geschichten herauszukommen: „Wenn Leitmedien jetzt etwas falsch machen, trifft es alle“, warnt sie.

Die Chefredakteure sehen sich in einem Spagat, einerseits die Qualität der Nachrichten und Berichte hoch zu halten, andererseits spannende News herauszubringen. „Man muss nüchtern bleiben, aber trotzdem interessant“, sagt Rückert. Dass Facebook nun die Nachrichten im Newsfeed zu Gunsten von emotionaleren Botschaften zurückfahren will, sieht sie als Gefahr: „In dieser emotional überheizten Welt wird noch weiter angeheizt. Das ist eine Katastrophe für die Leitmedien.“

#DMK18: Deutscher Medienkongress - Bilder vom ersten Tag


„Monopolplattformen treiben Hass, Häme und Gewalt in der Gesellschaft, das macht doch etwas mit der Gesellschaft“, sagt ZDF-Chefredakteur Frey. Er sieht die Politik in der Pflicht. Die Plattformen, über die Fake News und Hassreden schnell und an viele Menschen verbreitet werden könnten, müssten beaufsichtigt werden. „Wir brauchen dringend Regulierung“, sagt er und verweist auf die Eisenbahn-Monopole in den 1920er Jahren in den USA. „Sie müssen staatlich zerschlagen werden“, fordert er.

Brinkbäumer sieht in Fake News ebenfalls weit mehr als ein Ärgernis: „Dadurch, dass die Menschen nicht mehr wüssten, was wahr ist und was falsch, ist die Demokratie in Gefahr.“ Auch BBC-Manager Egan warnt: „Wir riskieren, in einer Welt zu landen, in der es nicht mehr entscheidend ist, was richtig und was falsch ist.“ pap



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