Spiegel-Bilanz und Ausblick

"80 Prozent der Neuerlöse werden nicht aus dem klassischen Magazingeschäft kommen"

Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
Der Spiegel
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
Wie geht’s dem Spiegel? Den Umständen entsprechend recht gut: Die Hamburger konnten im vergangenen Jahr sogar stärker sinkende Print-Umsätze durch deutlich wachsende Erlöse im Digitalen und bei der TV-Produktion auffangen. Unterm Strich stehen stabile Gesamtumsätze, ein steigender Gewinn – und noch einige Hausaufgaben beim Neugeschäft.

2017 erzielte die Gruppe einen operativen Außenumsatz von 266,6 Millionen Euro, nur 0,2 Prozent weniger als 2016. Dies teilt das Haus auf HORIZONT-Nachfrage mit. Dabei sanken die Umsätze in der größten Sparte, dem Spiegel-Verlag (Nachrichtenmagazin, Line-Extensions, Tochterfirmen), um 5,2 Prozent auf 163,7 Millionen Euro. Damit fehlten 2017 sogar 9 Millionen Euro in der Verlagskasse, nach Rückgängen um 8 Millionen (2016) und 7 Millionen Euro (2015). Allein im vergangenen Jahr dürften die „Spiegel“-Anzeigenerlöse um über 15 Prozent eingebrochen sein. Im Vertrieb lag das Minus geschätzt nur bei 1,5 Prozent; dessen Anteil am Print-Geschäft wächst damit auf drei Viertel.


Glänzende Zahlen dagegen in der zweitgrößten Sparte: Bei Spiegel Online (inklusive dem Junge-Leute-Portal Bento) wuchsen die (Werbe-) Umsätze um stolze 17,8 Prozent auf 46 Millionen Euro. Damit haben die Online-Werbeerlöse im Haus jene in Print erstmals überholt. Auch Spiegel TV legte zu – um 8,4 Prozent auf 39,5 Millionen Euro. Der Umsatz der Manager Magazin-Gruppe (mit Online) sank um 8,6 Prozent auf 17,4 Millionen Euro. Quer durch alle Bereiche erzielte die Gruppe im vergangenen Jahr 21,1 Prozent (2016: 17,9 Prozent) ihrer Erlöse mit dem Verkauf oder der Vermarktung digitaler Produkte. Geschäftsführer Thomas Hass schätzt, dass es in fünf Jahren 40 bis 50 Prozent sein werden.

Das Ziel des Spar-, Umbau- und Wachstumsprogramms „Agenda 2018“, bis Ende 2019 mit Produkten, die seit der Agenda-Verkündung 2015 gestartet sind, rund 20 Millionen Euro Umsatz zu generieren, bleibt ambitioniert: Ende 2017 standen hier erst 5,4 Millionen Euro in den Büchern, davon 30 Prozent allein durch Bento. Ende dieses Jahres sollen es 9 Millionen Euro sein, vor allem abermals durch Bento, aber auch durch das neue Digitalbezahlmodell Spiegel Plus und die anzeigenfinanzierten Beilagen S-Magazin (Lifestyle) und Wohl (Gesundheit).

Hass ist zuversichtlich, die dann noch nötige Verdopplung der Neugeschäfte bis Ende 2019 zu schaffen: „Dieses Ziel haben wir weiter fest im Blick“, sagt er gegenüber HORIZONT. Für 2018 und 2019 habe man sich gerade bei den Eigenentwicklungen viel vorgenommen. „Ich rechne damit, dass etwa 80 Prozent der Neuerlöse nicht aus dem klassischen Magazingeschäft kommen werden, sondern aus digitalen Projekten“.
„Ich rechne damit, dass etwa 80 Prozent der Neuerlöse nicht aus dem klassischen Magazingeschäft kommen werden, sondern aus digitalen Projekten“
Thomas Hass, Geschäftsführer Spiegel
Das Sparziel (15 Millionen Euro bis Ende 2018) hat er schneller erreicht als geplant, vor allem durch den bekannten Stellenabbau, durch Outsourcing, durch veränderte Abläufe und Gewohnheiten. „Das ist eine große Teamleistung unserer Führungskräfte“, sagt Hass. Vielleicht habe auch der „offene Umgang mit der Situation“ vor drei Jahren beim Start der Agenda 2018 ein Umdenken bewirkt: „Kostenbewusstsein hat im Haus seitdem eine Eigendynamik entwickelt.“ Der bisher erfolgreiche Umbau der Gruppe, der sich nun auch in „sehr positiven Geschäftszahlen“ äußere, verschaffe dem Haus „Zeit und den mentalen wie finanziellen Freiraum, um den Veränderungsprozess weiter zu gestalten“.

Für die Gesellschafter – rund 600 Print-Mitarbeiter (50,5 Prozent), Gruner + Jahr (25,5 Prozent) und die Augstein-Erben – hat sich das Programm gelohnt: Auch deshalb, weil die Restrukturierungskosten bereits in den beiden Vorjahren verbucht worden waren, stieg der zu verteilende Jahresüberschuss der Gruppe 2017 auf 31,4 Millionen Euro, nach 26,4 Millionen (2016) und 6,6 Millionen Euro (2015). rp



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